12. Osnabrücker Kolloquium Unis und Fachhochschulen streiten um Promotion

Unis dürfen Doktoranden ausbilden, Fachhochschulen nicht. Das 12. Osnabrücker Kolloquium zum Hochschul- und Wissenschaftsmanagement greift den Streit auf. Foto: dpaUnis dürfen Doktoranden ausbilden, Fachhochschulen nicht. Das 12. Osnabrücker Kolloquium zum Hochschul- und Wissenschaftsmanagement greift den Streit auf. Foto: dpa

Osnabrück. Universitäten dürfen Doktoranden ausbilden, Fachhochschulen in der Regel nicht. Doch an diesem vermeintlichen Privileg wird heftig gerüttelt. Das 12. Osnabrücker Kolloquium zum Hochschul- und Wissenschaftsmanagement greift den Streit ums Promotionsrecht auf.

Am Donnerstag, 26. Februar, kommt es ab 10 Uhr auf dem Caprivi-Campus zum verbalen Schlagabtausch: Prof. Dr. Nicolai Müller-Bromley von der Hochschule Osnabrück, zugleich Präsident des Hochschullehrerbundes (HLB), liefert sich als Befürworter ein Streitgespräch mit Marion Schmidt, Journalistin und Hochschulmanagerin an der Hochschule Fresenius sowie an der Handelshochschule Leipzig. Sie lehnt das Promotionsrecht für Fachhochschulen ab.

Ihre These: Mit jedem Schritt in Richtung Uni mögen die Fachhochschulen Renommee gewinnen, doch sie verlieren ein Stück ihrer besonderen Identität. Je geringer die Unterschiede zwischen den Hochschultypen würden, desto weniger seien die Vorteile der FH erkennbar: innovative Lehre, Praxisnähe, schneller Jobeinstieg, das bessere Betreuungsverhältnis von Professoren und Studenten. In einem im Mai 2014 erschienenen Artikel für „Die Zeit“ nannte sie das Pochen aufs Promotionsrecht „Unfug“, diagnostizierte „Größenwahn“ und forderte die Hochschulen auf: „Bleibt anders!“

Pro-und-Contra-Diskussion

Juraprofessor Müller-Bromley hält dagegen den Ausschluss der Fachhochschulen von der Promotion für „ein Relikt des bipolaren Hochschulsystems vergangener Zeiten“. Vor dem Hintergrund der „Diversifizierung der Hochschullandschaft“ sollten Qualitätskriterien aufgestellt und ihre Einhaltung überprüft werden, forderte der HLB-Präsident im Mai 2014 auf der Bundesdelegiertenversammlung seines Verbandes. Andernfalls würden Karrieren begabter Fachhochschul-Absolventen behindert.

Als Paradebeispiel diente ihm seinerzeit der Student Manuel Ortmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Wiso-Fakultät der Hochschule Osnabrück. Er schilderte als Gast seine Erfahrungen mit der kooperativen Promotion: „Das Problem sind die willkürlichen Promotionsordnungen, die für uns andere Maßstäbe anlegen als für Uni-Absolventen.“ So habe er trotz gleichgestelltem Masterabschluss als Wirtschaftsjurist etwa ein Drittel des universitären Jurastudiums nachholen müssen, um für die Promotion zugelassen zu werden. Und trotz seines hervorragenden Abschlusses als Fünftbester von mehr als 150 Studenten habe ihm die Universität daraufhin zunächst aus formalen Gründen den Zugang zur Promotion verweigert.

TED-Abstimmung im Publikum

Wer bei der Pro-und-Contra-Diskussion zwischen Schmidt und Müller-Bromley am 26. Februar die besseren Argumente hat, entscheidet das Publikum mittels TED-Abstimmung. Anschließend sucht das Kolloquium nach Lösungen: Die Frage „Wie kann man vorankommen?“ wollen bis zum späten Nachmittag unter anderem der Osnabrücker Hochschulpräsident Andreas Bertram, seine Amtskollegen der Fachhochschulen Köln und Münster sowie der Rektor der Universität Duisburg-Essen beantworten. Gewissermaßen als Grenzgängerin zwischen beiden Hochschulformen gehört auch das frisch berufene Wissenschaftsratsmitglied Friederike zu Sayn-Wittgenstein (HS Osnabrück) zum Podium. Und über das gesamte Programm hinweg sollen Promovierende mit FH-Hintergrund zu Wort kommen.

Die Veranstaltung findet statt im Gebäude CN (Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften), Caprivistraße 30 A.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN