Architektur in Osnabrück (48) Zwei Häuser im Bauhaus-Stil am Westerberg

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Osnabrück. Neues Bauen am Westerberg: In der Friedrichstraße sind bis heute zwei Häuser fast im Originalzustand erhalten, die 1928 von dem Osnabrücker Architekten Paul Thor geplant und gebaut wurden und einem klaren, funktionalistischen Baustil im Sinne des Bauhauses folgen.

Was unser heutiges Empfinden keineswegs stört, war zwischen den Weltkriegen ein Affront: ein Haus ohne Sattel- oder Walmdach. Solche Häuser, geprägt von kubischen Formen und mit Flachdächern bedeckt, propagierte eine neue Generation von Architekten – auch in Osnabrück.

Otto Schneider, Justus Haarmann und Paul Thor hießen diese „jungen Wilden“, die zwar ihre Auftraggeber mit neuartigen Entwürfen überzeugen konnten, doch auf Ablehnung bei Baubehörden und Nachbarn stießen.

So wurde ein Wohnkomplex, den Paul Thor in der Kornstraße plante, von der Baubehörde monatelang boykottiert. Erst nach einem Jahr wurde ihm die Genehmigung erteilt, die Gebäude für kinderreiche Familien und tuberkulosekranke Menschen zu errichten.

Weniger Gegenwind vonseiten der Baupolizei hatte Thor am Westerberg zu spüren gekommen, weil sein Kollege Schneider Vorarbeit geleistet hatte. Der hatte sich Rückendeckung bezüglich des Bauens mit Flachdach beim Regierungspräsidenten geholt.

Thor realisierte also zwei moderne Bauten, die bis heute architektonisch aus dem Umfeld herausragen. Das Haus Friedrichstraße 33 umfasst, wegen seiner Hanglage von der Straße aus kaum erkennbar, vier Etagen.

Das als eigenständiger Kubus aufgesetzte Dachgeschoss ist reduziert, sodass an beiden Seiten großzügige Dachterrassen entstanden. Deren Abschluss sowie die schmalen, vertikalen Fensterbänder zur Straße wurden mit braunem Klinker verblendet, während die Fassade ansonsten durchgängig glatt verputzt und weiß gehalten ist.

Die Südfassade wartet mit großzügigen Fensterfronten auf, die das Verlangen der Bewohner nach Licht und Luft stillen.

Der Avantgardegedanke des Architekten äußert sich sogar in der Gestaltung der kleinen bleiverglasten Frontfenster: Sie erinnern mit ihrer blauen, gelben, weißen und roten Farbgebung und der Formsprache an Kunstwerke von Piet Mondrian und Theo van Doesburg, die seinerzeit die Künstlergruppe De Stijl gründeten.

Das Haus Nummer 31 besticht durch die Verklammerung aneinanderstoßender Wände durch große übergreifende Fenster, eine neue Architektursprache, mit der Thor gerne für lichtdurchflutete Räume sorgte.

Damit die äußere Klarheit der Häuser nicht gestört wurde, verbarg der Architekt Dachrinnen und Fallrohre in der Fassade – was im linken Haus später verändert werden musste. Sie wurden zum Teil nach außen gelegt.

Offenbar stammte der Architekt Paul Thor aus einer Familie, die sich schon seit Generationen mit dem Bauen von Häusern gefasste. Sein Wohnort wird in den Bauplänen als Roonstraße 17 angegeben, einem massigen Eckbau am Straßburger Platz, der von einem gewissen Maurermeister Robert Thor errichtet wurde. Sein Vater?

Metropolenfaktor:

5 von 6 Sternen

Stadtbildfaktor:

5 von 6 Sternen

Wohlfühlfaktor:

6 von 6 Sternen

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