Mark Turner erhält Forschungspreis Anschub für Kognitionsforschung der Uni Osnabrück

Prof. Dr. Mark Turner ist von der Alexander-von-Humboldt-Stiftung mit einem der diesjährigen Anneliese-Maier-Forschungspreise ausgezeichnet worden. Foto: Universität OsnabrückProf. Dr. Mark Turner ist von der Alexander-von-Humboldt-Stiftung mit einem der diesjährigen Anneliese-Maier-Forschungspreise ausgezeichnet worden. Foto: Universität Osnabrück

Osnabrück. Der Kognitionswissenschaftler Mark Turner ist von der Alexander-von-Humboldt-Stiftung mit einem der diesjährigen Anneliese-Maier-Forschungspreise ausgezeichnet worden. Mit dem Preisgeld von 250.000 Euro soll der US-Amerikaner seine Zusammenarbeit mit der Universität Osnabrück ausbauen.

Der Preis wird jährlich an herausragende Geistes- und Sozialwissenschaftler vergeben.

Was macht den Menschen zum vorausschauenden Denker, der unablässig neue Ideen entwickelt? Mark Turner liefert zu Fragen wie diesen seit Jahrzehnten international anerkannte Ansätze. Die von ihm mitbegründeten Theorien erklären, wie der Mensch innerhalb kürzester Zeit unterschiedliche, teils widersprüchliche Gedanken und Ideen zu neuen zusammenfügt.

Die Arbeiten des 60-jährigen Professors aus Cleveland (Ohio) werden in diversen Fachgebieten aufgegriffen: von Linguistik über Literaturwissenschaft bis hin zu Psychologie, Politik oder Künstliche Intelligenz. In Osnabrück soll er die Forschungen zur Kognitionsgrammatik und kognitiven Poetik stärken. Diese sind angesiedelt bei der 2013 gegründeten Forschungsstelle „Kognition und Poetik“. Hier ist Turner Ko-Direktor des „Little Red Hen Lab“ (Labor der kleinen roten Henne) – einem Forschernetzwerk, das nach einer alten Fabel für Kinder benannt wurde. Es sammelt unter anderem digitale Daten von internationalen Fernsehnachrichten und bereitet sie zur Analyse von Sprache, Gestik, Betonung oder Mimik auf.

Ehre und Anerkennung

„Die Auszeichnung mit diesem Forschungspreis ist für unseren Kollegen Turner eine große Ehre. Wir gratulieren ihm von Herzen“, sagt der Osnabrücker Sprachwissenschaftler Alexander Bergs vom Institut für Anglistik und Amerikanistik. Darüber hinaus zeige sie, „dass unser transdisziplinärer Ansatz auf breite Beachtung und Anerkennung stößt“. Peter Schneck, Dekan des Fachbereichs Sprach- und Literaturwissenschaft, fügt hinzu: „Betrachtet man die Liste der Preisträger, wird deutlich, dass fast alle Kooperationen mit größeren Universitäten wie Tübingen oder Göttingen pflegen. Dass es uns als relativ kleiner und junger Einrichtung gelungen ist, erfolgreich zu sein, offenbart unsere wissenschaftliche Innovationskraft, die hier gewürdigt wurde.“

Die Humboldt-Stiftung vergibt den Forschungspreis jährlich an führende Wissenschaftler aus dem Ausland, um für einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren Forschungskooperationen mit Fachkollegen in Deutschland zu finanzieren. 2015 wurden elf Preisträger ausgewählt, nominiert waren 72 Forscher aus 22 Ländern.


Kooperationspreis für Geistes- und Sozialwissenschaftler

Den Anneliese-Maier-Forschungspreis erhalten Spitzenkräfte aus den Geistes- und Sozialwissenschaften aus dem Ausland, deren bisherige wissenschaftliche Leistungen in ihrem Fachgebiet international anerkannt sind. Er ist mit 250.000 Euro dotiert und soll Forschungskooperationen in Deutschland ermöglichen. Die Preisträger wählen selbst aus, mit wem sie zusammenarbeiten möchten.

Benannt wurde der Preis nach der deutschen Philosophin und Wissenschaftshistorikerin Anneliese Maier (geboren 1905 in Tübingen, gestorben 1971 in Rom). Sie studierte in Berlin, Zürich und Paris Philosophie, Physik und Mathematik und promovierte 1929 über „Kants Qualitätskategorien“. Die Habilitation blieb ihr aus politischen Gründen in der NS-Zeit verwehrt. Für eine Forscherin der damaligen Zeit ist ihre Biografie ungewöhnlich international. Maier erforschte die Entstehung des neuzeitlichen wissenschaftlichen Denkens vom 14. bis zum 18. Jahrhundert besonders in den Naturwissenschaften. 1951 wurde ihr der Professoren-Titel vom Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen, 1954 wurde sie zum Wissenschaftlichen Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft berufen. Außerdem war sie korrespondierendes Mitglied der Akademien der Wissenschaften in Mainz, Göttingen und München.

Der Anneliese-Maier-Forschungspreis wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gestiftet und von der Humboldt-Stiftung seit 2011 jährlich verliehen.

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