distri gründet zweites Label Voyz Osnabrücker Indielabel landet regelmäßig Charterfolge

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Osnabrück. Der Musikvertrieb für Untergrund-Rap Distri aus Osnabrück ist auf dem Weg ans Tageslicht. Mit der Gründung des Sublabels „Voyz“ erweitern Geschäftsführer Jonas Okunorobo und PR- & Labelmanager Timo Pieper das Musikspektrum. Die erste Charterfolge haben sie bereits verbucht.

Große glamouröse Büros und Besprechungsräume sucht man bei Distri aber noch vergeblich. Der Eingang zu den Geschäftsräumen befindet sich in einem Hinterhof in der Nähe des Osnabrücker Bahnhofs. „Es gibt Tage, da treffen sich Dealer mit ihren Kunden bei uns im Hof“, sagt Distri-Geschäftsführer Jonas Okunorobo wenig begeistert. Von hier aus beliefert der 33-Jährige seit Jahren Kunden aber auch den Einzelhandel mit CDs, Kassetten, Platten und Klamotten von Untergrundkünstlern aus dem Bereich Deutsch-Rap.

Bereits mit 17 Jahren geschäftstüchtig

Jonas Okunorobo ist gebürtiger Osnabrücker. Die ersten Platten und Tapes hat er im Alter von 17 Jahren aus seinem Jugendzimmer heraus verschickt. Der Sohn eines nigerianischen Vaters und einer deutschen Mutter hat schon früh ein Gespür fürs Geschäft entwickelt. Bereits mit 18 Jahren stellte er seinen ersten Praktikanten ein. Auch was seine Darstellung im Internet angeht, hat er klare Regeln, „für mich steht Distri als Unternehmen im Vordergrund. Ein Foto von mir wirst du im Internet nur schwer finden.“ Für das Foto zu unserem Artikel schickt er seine beiden Angestellten vor. Timo Pieper, PR- & Labelmanager, und Danijel Djukic, Produkt –und Labelmangement. Neben Pieper und Djukic hat Okunorobo einen weiteren Angestellten für den Bereich Grafik und Creative.

Um das Musikspektrum zu erweitern, gründeten Jonas Okunorobo und Timo Pieper Ende 2014 das Sublabel Voyz. Während bei Distri ausschließlich Deutsche Rap-Acts unterkommen, soll Voyz den Bereich Soul und Urban abdecken. Der erste Künstler, Ado Kojo, hat nach nur wenigen Monaten den Sprung zum Branchenprimus Universal Music Group geschafft. Besondere Aufmerksamkeit erreichte der deutsche Sänger ghanaischer Abstammung, mit dem Song „Du liebst mich nicht“. Die Neuauflage des Songs von Sabrina Setlur aus dem Jahre 1997 war im Januar ein Klickhit bei Youtube und schaffte es in der ersten Woche auf Platz sechs der deutschen Single Charts.

Sechs Top-10 Charterfolge

Mit der Gründung des Sublabels Voyz erweitern Okunorobo und Pieper ihre Kompetenzen. Die Qualität steht für die beiden Geschäftsleute an erster Stelle, „wir achten darauf, dass wir das kriegen, was wir auch wirklich wollen“, sagt Pieper. Die Art und Weise wie Künstler und Label zusammen kommen ist immer unterschiedlich. Ado Kojo zum Beispiel fand seinen Weg zu Voyz über einen bereits bestehenden Kontakt. Daneben halten Okunorobo, Pieper und Djukic regelmäßig Ausschau im Internet nach Talenten. „Wir bekommen auch eine Menge Demo-Tapes“, ergänzt Okunorobo, „da war bisher aber nichts dabei, wo wir sagen: Das passt.“ Ist ein Musiker unter Vertrag, übernimmt das Label sämtliche Aufgaben: von Marketing und Promotion bis zur Produktion des Tonträgers und der Merchandise-Artikel.

Wie gut die Chancen stehen, dass Musiker über Voyz in die Charts kommen, zeigt nicht nur das Beispiel von Ado Kojo. Bereits bei Distri unter Vertrag stehende Musiker landeten regelmäßig in den Charts . In den vergangenen zwölf Monaten standen sechs Top-10-Charterfolge in den deutschen Album-Charts zu Buche. Zuletzt hat es ein Album aus dem Hause Distri im Februar auf Platz zwei geschafft, der bis dato größte Erfolg der Osnabrücker. (Lesen Sie hier: Osnabrücker Youtuber 16barsTV haben 60 Mio. Aufrufe im Jahr)

Auftritt beim Bundesvision-Song-Contest

Ein anderer großer Wurf ist Okunorobo mit der Veröffentlichung des deutschen Rappers DCVDNS geglückt. 2013 chartete sein Album „Wolf im Schafspelz“ auf Platz 12 in Deutschland. Im selben Jahr schaffte es der Saarbrücker Rapper bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest auf Platz 4.

Die Entdeckung von DCVDNS war einem Zufall zu verdanken. Okunorobo besuchte einen Freund in Berlin. Beim Durchstöbern der CD-Sammlung fiel ihm das Demotape des Saarbrückers in die Hand. Gemeinsam hörte man sich die CD beim Frühstück an, und stellte anschließend den Kontakt zum Künstler her. Der Rest lief dann förmlich von alleine.

Der Grund für Okunorobos Besuch in der Hauptstadt war jedoch weniger erfreulich. „Ich musste damals wegen eines Gerichtstermins nach Berlin, bei dem es um Musikinhalte ging, die wegen gefährlicher Inhalte indiziert wurden“, erzählt Okunorobo. Es handelte sich dabei um einen Song von einem Deutschen Rap-Act, dessen Tonträger über Distri vertrieben wurde. Es war nicht das erste Mal, dass die Räumlichkeiten von Distri Ziel einer Hausdurchsuchung wurden. „Das ist aber Vergangenheit“, sagt Okunorobo, „aber nicht, weil wir uns geändert haben, sondern weil die ganzen prüfenden Institute das heute alles differenzierter betrachten.“ Die Verfahren in denen Distri sich für den Vertrieb gefährdender Musik verantworten musste, wurden allesamt eingestellt, sagt der Geschäftsführer.

Bekanntschaften mit Größen der Berliner Szene

Der Kontakt zur Berliner Szene spielt in der Vita von Okunorobo eine bedeutende Rolle. Schon damals, als er die ersten CDs aus seinem Kinderzimmer heraus verschickt hat, traf er sich regelmäßig mit verschiedenen Berliner Künstlern. Übers Internet fanden der Osnabrücker und die Hauptstädter zusammen. Der gemeinsame Musikgeschmack brachte Okunorobo mit Künstlern wie zum Beispiel Frauenarzt von Die Atzen, Bushido oder Sido zusammen. Einige Kontakte davon bestehen heute noch. „Die Beziehungen nach Berlin waren ausschlaggebend dafür, dass Distri heute da steht wo es steht“, sagt Okunorobo. Grund dafür sind das dadurch entstandene Standing und der Ruf. So fanden immer wieder neue Künstler ihren Weg zum Osnabrücker Label. (Lesen Sie hier: Vom Rapper zum Schauspieler)

Die bisherige Lage am Osnabrücker Bahnhof habe dem Geschäft dabei nie geschadet. Die ersten Umzugskartons stapeln sich trotzdem im Flur. Distri wird seine Geschäftsräume in größere, moderne Räumlichkeiten im Industriegebiet Fledder verlegen. Der Umzug ist fast vollzogen. Der neue Firmensitz verfügt über einen Konferenzraum, größere Lagerräume und ein schöneres Panorama als den Hinterhof mit den Dealern. Auch wenn Okunorobo und Pieper die Meinung teilen, dass sich ein Künstler eher von der Erfahrung von Distri überzeugen lässt als von den Räumlichkeiten. „Hip Hop ist sehr oberflächlich. Du kannst mit einem weißen sauberen Tisch auf jeden Fall einen Künstler, der von der Straße kommt, beeindrucken“, sagt Pieper. Schließlich gehe es bei der Vertragsunterzeichnung auch um Existenzen.


Untergrund-Musik findet in den Medien selten statt. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Sparte, die eine Gegenkultur zum Mainstream darstellt. Untergrund oder auch Underground bezeichnet keine bestimmte Musikrichtung. Es gibt Underground-Bewegungen im Rock, wie zum Beispiel Gothic-Rock oder Industrial, ebenso wie im Bereich der elektronischen Musik. Und eben im Rap.

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