Countdown läuft nicht perfekt Anzeigetafeln an Osnabrücker Haltestellen lassen Busse verschwinden

Ungewollt zum Fußgänger geworden: Norbert Heitkamp wollte den Bus nehmen, aber das Haltestellendisplay spielte ihm einen Streich. Foto: Jörn MartensUngewollt zum Fußgänger geworden: Norbert Heitkamp wollte den Bus nehmen, aber das Haltestellendisplay spielte ihm einen Streich. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Noch zwei Minuten, noch eine Minute, Abfahrt: Sie sind praktisch, die elektronischen Anzeigetafeln an den Bushaltestellen – wenn sie funktionieren. Wenn nicht, richten sie mehr Schaden als Nutzen an. Norbert Heitkamp hat deshalb seinen Bus verpasst, und er ist nicht der Einzige. Ab Mai 2016 soll das Countdown-System aber reibungslos funktionieren, versprechen die Stadtwerke.

Es war ein später Montagabend. Norbert Heitkamp stand am Heger Tor und wollte um 23.18 Uhr mit der Linie 11 zum Eversburger Platz fahren. Auf dem Display an der Haltestelle lief schon der Countdown. In der nächsten Minute sollte der Bus kommen. Dann der Zeitsprung, von 23.17 auf 23.18 Uhr, und der ersehnte Bus war offensichtlich im Bermuda-Dreieck verschollen. Jedenfalls vertröstete die Elektronik den entgeisterten Eversburger auf die nächste Abfahrt in 60 Minuten.

Dann ist der Bus wohl ausgefallen, sagte sich Norbert Heitkamp und machte sich zu Fuß auf den Weg über den Westerberg. Vor dem Stüvehaus drehte er sich noch einmal um – und glaubte zu träumen. Da hielt sein Bus gerade an der Haltestelle. Zum Zurücklaufen reichte die Zeit nicht mehr. Für den Eversburger war klar: Ohne das schicke Leuchtdisplay hätte er die kleine Verspätung abgewartet und wäre innerhalb von zehn Minuten zu Hause gewesen. Zu Fuß brauchte er dagegen eine Dreiviertelstunde.

Technik läuft aus dem Ruder

Dynamische Fahrgastinformation nennen die Stadtwerke ihren elektronischen Countdownanzeiger, kurz die DFI. Die Fahrgäste schätzen den Komfort, auf einen Blick über die nächsten Abfahrten informiert zu werden. Und sie glauben, dass sie sich darauf verlassen können. Alles nur ein Irrtum? Michael Witte vom Datenmanagement der Verkehrsbetriebe beschwichtigt, dass dieses Vertrauen in den meisten Fällen auch berechtigt sei. Aber er weiß auch, dass die Technik manchmal „aus dem Ruder läuft“.

Zur Klarstellung erst mal so viel: „Das war kein Fahrzeug von uns“, sagt der IT-Spezialist der Stadtwerke zu dem Bus, von dem Norbert Heitkamp ungewollt ferngehalten wurde. An der Lackierung fällt der Unterschied kaum auf, am Bordrechner schon. 328 Busse sind mit einem Computer ausgestattet, der mit dem Fahrscheindrucker kombiniert ist. Im Idealfall kennt er die Strecken und die Haltestellen, gleicht die Positionen über Funk mit den Vorgaben aus der Leitstelle ab und behält im Blick, ob das Fahrplansoll eingehalten wird. Das System steuert auch die Ansagen für den nächsten Stopp und gibt die Daten an die DFI weiter, die dynamische Fahrgastinformation an der nächsten Haltestelle.

Mit der Dynamik ist es jedoch vorbei, wenn sich Regionalbusse mit ihren teilweise veralteten Bordrechnern nähern. Die Sollfahrzeit werde zwar angezeigt, sagt Witte, aber nicht automatisch korrigiert. Dann ist es Aufgabe des Fahrers, mit einer Plus- oder Minustaste die Minutendifferenz zu korrigieren. Tut er es nicht, spielt das Anzeigesystem an der Haltestelle verrückt. Dann werden Busse angekündigt und verabschiedet, ohne dass sie im Blickfeld erscheinen. Und wenn niemand mehr mit ihnen rechnet, tauchen sie doch noch an der Haltestelle auf.

Anschluss gesichert

Aber das sei die Ausnahme, sagt IT-Fachmann Michael Witte. Gleichwohl setzt er alles daran, die Unsicherheitsfaktoren auszumerzen. Alle Busse der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) sollen einheitliche Bordrechner erhalten, die mit GPS-Ortung arbeiten und zusätzliche Funktionen bekommen. Dazu gehört auch die Ansage, ob die Fahrgäste am nächsten Umsteigepunkt ihren Anschluss bekommen.

Am 30. April 2016 soll das System „vollständig einsatzbereit“ sein, kündigt Witte an. Zu den Kosten der Umstellung will er sich zwar nicht äußern, lässt aber durchblicken, dass sie teuer zu werden verspricht. Nur durch einen Zuschuss von der Landesnahverkehrsgesellschaft sei die Investition zu stemmen. Die entsprechende Förderzusage liege inzwischen vor. Er läuft also schon, der Countdown für den perfekten Countdown an der Haltestelle.


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