Was der Glaube sein kann Landessuperintendentin Klostermeier wird in ihr Amt eingeführt

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Will Position beziehen: Birgit Klostermeier wird in der Osnabrücker Marienkirche in ihr Amt eingeführt. Foto: Jörn MartensWill Position beziehen: Birgit Klostermeier wird in der Osnabrücker Marienkirche in ihr Amt eingeführt. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Dass der Name Klostermeier für sie Programm sein würde, war in einer Familie aus Landwirten und Verwaltungsbeamten nicht absehbar. „Aber er hilft natürlich“, sagt Dr. Birgit Klostermeier, neue Landessuperintendentin für den Sprengel Osnabrück. Samstag, /. Februar wird der hannoversche Landesbischof Ralf Meister die 54-Jährige in der Osnabrücker Marienkirche feierlich ins Amt einführen.

Die letzten Jahre hat die Theologin und Soziologin als Superintendentin im Kirchenkreis Berlin-Schöneberg verbracht. Osnabrück ist der gebürtigen Ostwestfälin aber vertraut. Hier verbrachte sie prägende Jugendjahre – inklusive Abi am Gymnasium „In der Wüste“. Wie empfindet sie die Friedensstadt heute, nach fünf Jahren berlinerischer Ruppigkeit und Hauptstadt-Hektik? „Was für eine freundliche Stadt“ war das, was Klostermeier in den letzten Tagen als Erstes auffiel. Langsamer ticke die Uhr hier, man achte mehr aufeinander: „Das ist ein Umfeld, in dem ich gerne arbeiten möchte.“

Nun also statt einer Großstadtkirche mit, wie sie sagt, einer klaren kirchenkritischen Distanz in der Bevölkerung, ein flächenmäßig kolossaler Sprengel von Bremen bis Glandorf, den Kirchenkreisen Osnabrück, Diepholz und Syke-Hoya und 300000 Gemeindemitgliedern. Klostermeier sieht darin eine Aufgabe mit viel Gestaltungsspielraum und einer Herausforderung: „Den Sprengel in seiner Gesamtheit zu sehen. Der Zuschnitt ist eben kein organischer.“

Als Regionalbischöfin möchte sie sich intensiv dem Dialog mit den Katholiken und anderen Religionen wie Muslimen und Juden widmen und „über Religion nachdenken. Ich möchte an das anknüpfen, was in Osnabrück, auch durch meinen Vorgänger Burghard Krause, bereits begonnen wurde.“ Dazu gehört auch ein stärkerer Kontakt zu den Wissenschaften, ein Austausch mit politischen Gremien, Bürgerinitiativen oder Vereinen.

„Da, wo es um menschenverachtende und menschenausschließende Äußerungen geht, werde ich Position beziehen“, betont Klostermeier mit Blick auf die aktuelle Debatte um den Islam und die Rolle von Religionen.

Denn was kann der Glaube sein? „Mir hat ein alter Mann einmal auf die Frage, warum er in der Kirche ist, gesagt: Weil es sich besser lebt und weil es sich besser stirbt. Das fand ich sehr schön.“

Für die evangelische Kirche und den Sprengel beschäftigen die Soziologin und Mutter zweier erwachsener Söhne auch die Fragen: Was für ein Gebilde ist die Kirche? Wie funktioniert sie? Wie geht es den Menschen damit? Und wie gehen Gemeinden mit den gesellschaftlichen Veränderungen um, von Kirchenaustritten bis zum demografischen Wandel? „Für die Kirche bedeutet das: Sie wird kleiner.“ Und sie wird älter: „Das Alter wird aktiver, bewusster gestaltet. Diese Menschen sind für uns ein großes Potenzial“, findet Klostermeier. Diesem Potenzial gelte es, Entscheidungsspielräume zu geben. „Wir müssen die Menschen selbst fragen. Gestaltet –und es geht.“

Wenn Kirche kleiner wird, braucht sie weniger Kirchenräume. Gerade erst wurde die Osnabrücker Melanchthon-Kirche entwidmet. „Das hat mich traurig gemacht, denn ich kenne diese Kirche aus meiner Jugendzeit. Eine Entwidmung sollte immer die allerletzte Möglichkeit sein.“


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