Wandel-Lesung Osnabrücker Angelaschüler erlebten „Im Westen nichts Neues“

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Osnabrück. Eine besondere Art des Deutschunterrichts erlebten am Mittwoch die Elftklässler der Angelaschule Osnabrück. Für sie wiederholten Lioba Meyer, Gaby von Borstel und Peter Eickmeyer ihre „Wandel-Lesung“ zum Roman „Im Westen nichts Neues“ von Erich-Maria Remarque.

Die erste Station der Lesung war das Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum, danach ging es in die Marienkirche, in den Friedenssaal des Rathauses und noch zurück in die Kirche. „Die Idee der Lesung ist es, Orte, die für Remarque wichtig waren, mit dem Buch zu verbinden“, erklärte Lioba Meyer. Außerdem könnten sie mit der Lesung und dem Medium Graphic Novel, sprich einem „illustrierten Roman“, gut jüngere Leser ansprechen, fügte Peter Eickmeyer hinzu.

Er hat gemeinsam mit Gaby von Borstel auf Basis von Remarques Antikriegsroman eine Graphic Novel erstellt. Während von Borstel originale Textstellen dafür auswählte, lieferte Eickmeyer Zeichnungen in Gouache und Tusche dazu.

Wie er dabei konkret vorgegangen war, erläuterte Eickmeyer im Friedenszentrum, bevor Meyer in Remarques Arbeit allgemein und das Thema des Romans einführte.

Anschließend standen an dieser Station die Verführung der Schüler zum Krieg durch die Lehrer, die Kameradschaft der einfachen Soldaten mit Paul Bäumer als Protagonisten des Buches sowie das Erleben des Krieges und des Todes eines Kameraden im Vordergrund. Hier wiesen die Veranstalter darauf hin, wie sehr das erlebte Grauen der Soldaten im Widerspruch zum Heldentum und der Verklärung des Krieges der Daheimgebliebenen stand. Beispielsweise, wenn der Lehrer im Buch von Bäumer verlangte: „Aber erst müsst ihr den Franzmann verkloppen.“ Während Bäumer ein Durchbrechen der Front für unmöglich hält.

In der Marienkirche lag danach der Fokus auf dem Leiden der Soldaten, dem Sterben, der Verstümmlung im Kampf und dam Grauen, welches die Soldaten im Kampf in den Schützengräben und Bombentrichtern erleben. Meyer wies die Schüler darauf hin, wie Remarque durch seine detailgenauen Beschreibungen den Leser „ins Buch hineinzog“. „Die schonungslose Darstellung des Leidens entlarvt das Heldentum als Lüge“, so Meyer, bevor sie erklärte, wie Eickmeyer Ikonen der Kunst, beispielsweise Pablo Picassos „Guernica“ oder Otto Dix’ „Der Krieg“, in seinen Zeichnungen zitierte. Davon abgesehen, wechselte sich Meyer, wie schon zuvor im Friedenszentrum, mit von Borstel beim Lesen ab.

Im Friedenssaal ging es schließlich um die Sehnsucht nach Frieden und die Erkenntnis, dass der Feind genauso ein Mensch ist wie man selbst.

Dies zeigte auch die Schlüsselszene des Romans: Bäumer sticht auf einen Franzosen ein. Er muss anschließend 48 Stunden dessen Leiden und Todeskampf miterleben.

Die letzte Station war die Marienkirche, wo die Schüler zur Musik von Magdalena Lorenz und Suzin Prozesky alle Bilder der Graphic Novel sahen. „Die Bilder waren sehr bewegend, und das Buch hat gezeigt, dass wir alle Menschen sind“, so Marie (16). Und Marisa (16) fand: „Die Ortswechsel passten gut zur Stimmung.“ Marike (16) wiederum hatte nicht gewusst, „wie sehr der Krieg auch die Soldaten bedrückt hat“.


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