Schlichte Schönheit im modernen Gewand Architektur-Serie: Melanchthonkirche ist ein Blickfang

Von Christoph Beyer

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Osnabrück. Würdevoll, schlicht und weithin sichtbar erhebt sich der weiße Sakralbau über die Dächer des Stadtteils Kalkhügel. Die Melanchthonkirche präsentiert sich als Blickfang, von dessen 37 Meter hohem, quadratischen Glockentrum jedoch kein Läuten mehr vernehmbar sein wird.

Stattdessen bietet sie der Kultur eine neue Heimstatt, denn das Emma-Theater wird ab dem 21. März mindestens bis in den Herbst hinein diesen besonderen Ort für Aufführungen nutzen. Vor der Entwidmung am vergangenen Wochenende bildete das Gotteshaus über 50 Jahre lang das Zentrum eines vielfältigen Gemeindelebens.

Ihr modernes Antlitz verdankt die Kirche einem tragischen Zufall. Völlig unerwartet verstarb 1962 der ursprünglich mit der Planung des Baus beauftragte Architekt Heinz Däke. Sein Mitarbeiter, der junge Architekt Hans Pause, übernahm daraufhin die Arbeit und setzte seinen unkonventionelleren Entwurf um.

Als am 8. September 1963 die Einweihung gefeiert wurde, präsentierte sich den Betrachtern eine von geschwungenen Wänden eingerahmte, helle Kirchenhalle von enormer Weite und räumlicher Tiefe. Ihre Schlichtheit verstärkt die besondere Raumerfahrung und verleiht den abstrakten Gestaltungselementen eine große Wirkungskraft. So laden die vier riesigen Fensterflächen mit ihren komplexen Mustern zum Assoziieren ein und faszinieren zugleich mit ihrer eigenwilligen Ästhetik.

Der großzügige Gesamteindruck der Halle verdankt sich vor allem der gerundeten Form des Mauerwerks, das sich, an seiner höchsten Stelle, auf rund zwölf Meter Höhe erstreckt und eine riesige Fläche umfasst. Architektonische Anleihen an expressionistische Stilformen drängen sich bei der Betrachtung auf.

Der gewölbte Raumaufbau erinnert zudem an eine Konzertmuschel, und tatsächlich überrascht, wie wenig Hall trotz der Größe hörbar ist. Einen Beitrag dazu leistet sicherlich auch die geriffelte, braune Holzverschalung an der Decke. Kargheit und Bescheidenheit strahlt der schlichte Waschbetonboden aus, der im vorderen Bereich eine mit zwei Stufen versehene Erhöhung bildet. Auf dieser ruht der massive Betonkörper des Altars.

„Es ist auf jeden Fall ein einzigartiges Objekt“, resümiert Wesko Rohde, Technischer Direktor des Osnabrücker Theaters, und zeigt sich von der modernen Formensprache des Gebäudes beeindruckt.

„Für das Theater bieten sich hier ganz tolle Möglichkeiten.“ Sehr interessant sei es, so Rhode weiter, das Besondere der Architektur im Theater „mitspielen“ zu lassen. Doch dafür ist zunächst ein umfassender Umbau nötig, bei dem die jetzigen Holzbankreihen entfernt werden, um einer 10 mal 18 Meter großen Szenenfläche zu weichen, die sich auf einem noch weitaus größeren, 40 cm hohen Podest befinden wird. „Das Ganze wird in den Raum hineingebaut, der Altarbereich wird abgetrennt“, erläutert Rhode. Zwischen 100 und 120 Zuschauer werden nach dem Umbau an diesem Ort Platz finden, jeweils abhängig vom aufgeführten Stück.

Metropolenfaktor:

5 von 6 Sternen

Stadtbildfaktor:

4 von 6 Sternen

Wohlfühlfaktor:

5 von 6 Sternen

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