Besuch im Sommer 1985 Richard von Weizsäckers „Liebeserklärung an Osnabrück“

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Osnabrück. Als „eine der würdigsten Stunden in meiner Amtszeit“ bezeichnete der am Samstag verstorbene frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker seinen Besuch in Osnabrück am 21. Juli 1985. Die Stadt verdiene es, wegen ihrer geschichtlichen Bedeutung hervorgehoben zu werden, stellte er anlässlich des 85. Deutschen Wandertages fest. Osnabrück stehe nicht für Siege und Kriege, sondern für den Westfälischen Frieden von 1648.

Beim Empfang im Friedenssaal hatte sich alles versammelt, was in Stadt und Landkreis Osnabrück Rang und Namen hat. Die Landesregierung wurde vertreten durch Landtagspräsident Edzard Blanke und Kultusminister Georg-Berndt Oschatz, der Regierungsbezirk Weser-Ems durch Regierungspräsident Joseph Schweer. Oberbürgermeisterin Ursula Flick hatte das Staatsoberhaupt vor der Rathaustreppe begrüßt und zu diesem Anlass die schwere, goldene Amtskette angelegt. Beim Betreten des Rathauses gewährte von Weizsäcker ihr den Vortritt.

Mahner des Umweltschutzes

Zuvor hatte der im Mai 1984 gewählte Bundespräsident in der Stadthalle gesprochen, wo die auf dem Deutschen Wandertag vertretenen Vereine und Verbände ihr Jahrestreffen abhielten. Tausende hörten dort seine Rede, in der er die Bedeutung der Wandergebiete in der Bundesrepublik herausstellte. „Es muss die Sorge aller sein, die noch am wenigsten berührten Bereiche davor zu bewahren, dass sie mit Plastik- und Blechlawinen zugedeckt werden“, mahnte der Bundespräsident. Dem Heimat- und Verschönerungsverein Buer in Melle – gegründet 1883 – verlieh er die Eichendorff-Plakette als Auszeichnung für dessen besonderen Verdienste um die Pflege und Förderung des Wanderns, des Heimatgedankens und des Umweltbewusstseins.

Zu Fuß marschierte von Weizsäcker anschließend von der Stadthalle zum Markt, warf dort einen Blick in die Marienkirche und setzte seinen Besuch mit dem Empfang im Rathaus fort. Dann trug er sich in die Goldenen Bücher von Stadt und Landkreis Osnabrück ein. Wie der Bundespräsident in einem Gespräch am Rande bemerkte, war er vor seiner Amtszeit bereits dreimal in Osnabrück und Umgebung gewesen – unter anderem auf Gut Streithorst in Hunteburg, wo er mit Axel von dem Bussche einen alten Freund besuchte. Außerdem habe ihn sein Weg einmal während eines Wahlkampfs in die Stadt geführt. Und an einen Besuch bei den Klöckner-Werken erinnerte sich Richard von Weizsäcker auch.

Präsidentenmaschine bockte

Überaus wohlwollend fiel an jenem Sonntag im Juli 1985 deshalb auch sein Urteil als Tourist aus. Als von Weizsäcker mit dem Hubschrauber vom Teutoburger Wald her einschwebte, sah er die „Stadt wie einen Stich von Merian“ unter sich liegen. „Weizsäckers Liebeserklärung an Osnabrück“ titelte unsere Redaktion damals.

Um ein Haar wäre das Staatsoberhaupt sogar länger geblieben als vorgesehen: Beim Start des für 15 Uhr geplanten Rückflugs bockte die Präsidentenmaschine. Ein Triebwerk der eigens für ihn und seine Begleitung auf dem Flughafen Münster/Osnabrück bereitgestellten Lockheed Jetstar sprang nicht an und brachte den hohen Gast beinahe in Terminnöte: Schließlich wurde er gegen 16 Uhr in Berlin erwartet. Ein schnelles Umsteigen in die pünktlich um 15.20 Uhr von Greven startende Linienmaschine der British Airways half von Weizsäcker weiter. Der Bundespräsident und seine Entourage ergatterten die letzten freien Plätze und landeten um 16.10 Uhr in Tegel.


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