Annegret Nikolaus-Kraus und Rita Frerich Zwei Osnabrücker Grundschul-Leiterinnen sagen Tschüss

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Osnabrück. Am Freitag war der letzte Schultag vor den kurzen Zeugnisferien. An den Grundschulen in Atter und Eversburg stand er ganz im Zeichen des Abschieds: Die langjährigen Schulleiterinnen Annegret Nikolaus-Kraus (Atter) und Rita Frerich (Eversburg) sagten Schülern und Kollegen Tschüss – für sie beginnt am 1. Februar der Ruhestand.

Während für die Kinder am nächsten Mittwoch schon wieder der Schulalltag anfängt, kann sich Annegret Nikolaus-Kraus auf die ganz, ganz großen Ferien freuen: Die Pädagogin geht nach 45,5 Dienstjahren in Pension. Schüler und Lehrer bereiteten ihrer sichtlich gerührten „Chefin“ einen festlichen und emotionalen Abschied.

„Wie die Queen“, merkte eine Kollegin an, als Nikolaus-Kraus am Freitagmorgen ausnahmsweise mit dem Auto bis vor die Eingangstür der Grundschule Atter gefahren wurde. Dort wurde sie von ihren Schülern in Empfang genommen. Diese hatten sich auf das Fest gut vorbereitet, trugen Lieder und Gedichte vor und beschenkten ihre scheidende Rektorin reichlich. „Sie war ganz lange Schulleiterin und sehr nett“, sagte Hennes (7). Jojo (7) nickte zustimmend und meinte: „Sie konnte aber auch streng sein, wenn jemand Quatsch gemacht hat.“ Hennes blickte schon nach vorn. Er freut sich auf Mittwoch. Dann hat seine Klasse mit der neuen Schulleiterin Maike Breski Sport.

Das Lieblingsfach von Nikolaus-Kraus soll Mathematik gewesen sein. Sie rechnete vor, dass sie insgesamt 45,5 Jahre als Lehrerin tätig war, 27,5 Jahre davon verbrachte sie an der Grundschule Atter. In Osnabrück war sie davor an der Hauptschule Eversburg aktiv.

Vorsorglich hatte sie sich eine Packung Taschentücher auf ihren Platz mitgenommen und schon nach dem Begrüßungslied der Klasse 3b griff sie zu einem Tempo. „Ich bin gerne zur Schule gegangen. Das war mein Lebenselixier“, sagte Nikolaus-Kraus. Gleichwohl freue sie sich auf den Ruhestand, der kein Unruhestand werden soll.

Das, was Hennes und Jojo schon festgestellt hatten, untermauerte Frank Andreas von der Landesschulbehörde in seiner Ansprache. Als Schulleiterin sei Kreativität, Diplomatie, aber auch Durchsetzungsfähigkeit nötig, sagte er. Annegret Nikolaus-Kraus sei eine Vollblutpädagogin. Wie zum Beweis legte sie nach alter Gewohnheit einen Finger an ihre Lippen, als die Kinder bei der Rede von Frank Andreas etwas unruhig wurden.

Die langjährige Rektorin sagte über sich selbst, sie sei im Umgang hart, aber herzlich. Frank Andreas stellte nicht nur der scheidenden Leiterin, sondern auch der mehrfach ausgezeichneten und preisgekrönten Schule ein gutes Zeugnis aus. „Schüler und Lehrer kommen gerne zur Grundschule Atter.“

Projekt Ganztagsschule

Das gilt auch für die Grundschule im nicht weit entfernten Eversburg, die seit Beginn des laufenden Schuljahres als Ganztagsschule geführt wird. Schulleiterin Rita Frerich, seit 1975 an der Schule, hatte auf den letzten Metern ihrer Dienstzeit auch noch dieses Großprojekt gestemmt.

Schüler, Kollegium und Eltern dankten es ihr mit einer im Geheimen organisierten Abschiedsfeier. Sie ließen keinen Zweifel daran, wie viel die Schule ihrer scheidenden Rektorin zu verdanken hat. Besonders der aufwendige Weg zur Ganztagsschule sei ohne sie schwer denkbar gewesen, betonte Konrektorin Marion Steinkamp.

Voll des Lobes war auch Sandra Lauschner, Vorsitzende des Schulelternrats. Immer ein offenes Ohr habe die Leiterin für die Anliegen der Eltern gehabt. Als die Ganztagsschule kam und mit ihr die Mensa, hätten sich Schulleitung und Eltern zusammengetan und eine Frischküche durchgesetzt: Das Essen wird vor Ort gekocht und nicht von einem Caterer angeliefert. Auch die Essensausgabe läuft anders als normal: Statt einfach am Schalter Tabletts auszuteilen, wird das Essen durchgereicht. „Eine familiäre Atmosphäre“ entstehe so zwischen den Schülern, berichtete Frerich, die ihr Schulleiteramt an Cornelia Klösel weitergibt.

Die Schüler wissen das Engagement und die sympathische Art ihrer bisherigen Schulleiterin zu schätzen, wie ein Film demonstrierte, der am Ende der Feier präsentiert wurde. Es war ein Zusammenschnitt von „Blitzgedanken“ der Kinder zu Frerich. „Immer für einen da“, „immer freundlich und nett“ – einen besseren Eindruck hätte die Pädagogin offenbar kaum hinterlassen können. Auf die Frage, wieso denn Frau Frerich in Rente gehe, wusste ein Schüler die Antwort: „Die hat so viel gearbeitet, dass sie sich jetzt erholen muss.“ Langeweile kommt bei ihr aber nicht auf, war sich eine Schülerin sicher: „Jetzt kann sie den ganzen Tag shoppen!“


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