Vortrag über Karl den Großen Osnabrücker Gymnasium Carolinum feierte den Karlstag

Fachmann für die Geschichte des Mittelalters: Prof. Thomas Vogtherr bei seinem Karlstag-Vortrag. Foto: Hermann PentermannFachmann für die Geschichte des Mittelalters: Prof. Thomas Vogtherr bei seinem Karlstag-Vortrag. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. 1201 Jahre nach seinem Tod hat das Gymnasium Carolinum den Schulgründer mit einem Festvortrag gewürdigt. Der Historiker Thomas Vogtherr sprach am traditionellen Karlstag vor allem darüber, wie wechselhaft und unzuverlässig das Bild des bedeutenden Kaisers ist.

Das Karlsjahr 2014 ist seit einem knappen Monat vorüber, doch erst jetzt – und nicht etwa am Karlstag im vergangenen Jahr – gedenkt das Carolinum explizit seines Gründers. „Man könnte sich ja die Frage stellen: Haben wir da etwas verschlafen?“, sagte Helmut Brandebusemeyer in seiner Rede. Die tatsächliche Antwort lieferte der Schulleiter sofort. „Im letzten Jahr haben wir die Aktualität vor die Erinnerungskultur gestellt.“ Bei dem Festakt vor zwölf Monaten sei es um die archäologischen Funde gegangen, die nach dem Abriss der alten Sporthalle gemacht wurden.

Die fällige Würdigung für den ersten westeuropäischen Kaiser nach der Antike übernahm Thomas Vogtherr, Professor für die Geschichte des Mittelalters an der Universität Osnabrück. Dass er seinen Zuhörern nicht eine Reihe verlässlicher Fakten liefern könne, machte Vogtherr gleich zu Beginn seines Vortrags deutlich. „Wann genau Karl der Große geboren wurde, wissen wir nicht. Die sicherere Information bei einem Menschen aus dem Mittelalter ist in der Regel sein Todesdatum.“

Das Wissen über den Kaiser aus dem Geschlecht der Karolinger stamme aus unterschiedlichsten Quellen, Urkunden und Kapitularien sind zwei davon. Wie uneinheitlich das Bild von Karl dem Großen schon im Wortsinne ist, veranschaulichte Vogtherr danach mit einigen Darstellungen des Kaisers, die denkbar weit voneinander abwichen. „Eine Porträt-Ähnlichkeit ist eindeutig nicht vorhanden“, sagte Vogtherr. Die zentrale Beobachtung: Zu unterschiedlichen Zeiten habe man sich den Kaiser auf unterschiedliche Weise angeeignet, in eher militärisch geprägten Phasen etwa sei der Herrscher vor allem kräftig und bewaffnet dargestellt worden. Die heutige Geschichtswissenschaft habe nun den Auftrag, „den Mann aus seiner Zeit heraus zu begreifen“.

Bei allen Zweifeln kann nach Vogtherrs Darstellung immerhin die Ernährung und deren Auswirkung auf Karls Gesundheit als gesichert gelten. Der Kaiser habe Unmengen Wildschwein gegessen, das Fleisch mit Bier heruntergespült und am Ende seines Lebens unter schwerer Gicht gelitten. Linderung hätten ihm wohl nur die Aachener Thermalquellen verschafft.


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