Montagsspieler Pflegehorror bei „King Kongs Töchter“


Osnabrück. Die Montagsspieler nahmen sich der ausverkauften Volkshochschule (Vortragssaal) Theresia Walser Altenheim-Drama „King Kongs Töchter“ vor und überzeugten damit.

Endstation Altenheim. Herr Pott (Martin Moosbauer) schmachtet Pflegerin Meggie an, derweil Herr Nübel (Uwe von Hofen) durchs Haus irrt. Frau Albert (Eveline Biesenthal) freut sich über einen „Glücksbrief“, und Frau Thormann (Ulrike Kohn) hat beim Essen Frau Greti (Susanne Reichert) bespuckt.

Als „Seniorendompteurinnen“ einer von Alzheimer und Inkontinenz geplagten Schicksalsgemeinschaft gehen Berta (Renate Heeren), Carla (Beate Feldkamp) und Meggie (Heike Segner) daran, sich durch Sterbehilfe der glamourösen Art „eine Woche unsterblich“ zu fühlen.

Mit Theresia Walsers Tragigroteske „King Kongs Töchter“ thematisierte die VHS-Amateurtheatergruppe „Die Montagsspieler“ Demenz und pflegerische Willkür.

Am Freitag fand die ausverkaufte Premiere der Inszenierung von Johanna Bethge im Vortragssaal der Volkshochschule (VHS) Osnabrück statt. Darstellerisch konnte das Ensemble im Alter zwischen 45 und 73 Jahren durchweg überzeugen. Wenn Herr Albert (Claus Weidner) den geistigen Abbau seiner Frau sieht, Winni Thormann (Claudia Jochmann) ihre Mutter belügt oder Greti mit Abenteurer Rolfi (Martin Albers) flirtet, schien die Einsamkeit der Protagonisten bedrückend nahe.

Und wenn eine senile Seniorin zur sexy Mae West umgestylt wird wenn vom offenen Bein bis zum entwürdigenden Fütterungsakt Pflege-Horror pur demonstriert wird, schien die Frage nach der Würde des Alters dringender denn je. Geradezu tröstlich, dass zwischen den Szenen Songs der britischen Sängerin Vera Lynn eingespielt wurden: Die hatte es noch mit 92 Jahren in die Top 20 geschafft.

Weitere Termine: Freitag, 6., u. Sa., 7. Februar, jeweils 20 Uhr, in der Volkshochschule Osnabrück sowie am Samstag, 28. März um 19.30 Uhr im Emma-Theater.


0 Kommentare