Integrationsbeauftragte der Polizei Mittlerin zwischen Muslimen und Polizei in der Region

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Osnabrück. Viel Platz braucht Sabina Ide nicht. Das Büro der 53-Jährigen in der Polizeidirektion Osnabrück ist winzig, an der Wand hängt eine islamische Kalligrafie, in einer Ecke steht ein türkischer Teekocher. Seit 2011 ist Ide Dialogbeauftragte.

Allzu viel Zeit verbringt Ide ohnehin nicht im Büro. Zu ihrem Zuständigkeitsbereich gehören die Polizeiinspektionen Aurich/Wittmund, Emsland/Grafschaft Bentheim, Leer/Emden und Osnabrück. „Ich bin viel unterwegs“, sagt sie. Sie besucht Moscheen und Gemeinden , trifft sich mit Erwachsenen und Jugendlichen. Ide selbst ist keine Polizeibeamtin, sie ist Angestellte bei der Behörde. Bevor sie vor drei Jahren auf die Stelle bei der Polizei beworben hat, arbeitete sie als Fremdsprachenkorrespondentin und als freie Autorin.

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Obwohl Ide Ansprechpartnerin für alle Migranten ist, hat sie hauptsächlich mit muslimischen Gemeinden, Vereinen und Verbänden zu tun. Das Verhältnis zwischen vielen Muslimen und der Polizei ist nicht ganz einfach. Eine gewisse Skepsis gibt es wohl auf beiden Seiten. Terroristen, die sich zur Rechtfertigung ihrer Taten auf den Islam berufen, machen es nicht einfacher. Die Bilder von Anschlägen haben auch Polizisten im Kopf, Muslime fühlen sich bisweilen unter Generalverdacht.

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„Manchmal muss ich erklären, dass ein Streifenwagen an der Moschee vorbeifährt, um Sicherheit zu gewährleisten, nicht aber, um deren Besucher zu kontrollieren“, sagt Ide. „Es geht darum, dass sich die muslimische Community vertrauensvoll an uns wendet, wenn es Probleme, Ängste oder Fragen gibt.“

Das Verhältnis zur Polizei habe sich in den vergangenen Jahren aber alles inallem entspannt, sagt Ide. Das schreibt sie auch ihrer Rolle zu. „Ich höre oft, dass man erleichtert ist, eine vertraute Kontaktperson zu haben.“ Auch viele muslimische Vertreter seien besorgt, wenn Jugendliche islamistische Tendenzen zeigen. „Wir werden mittlerweile oft für Präventionsveranstaltungen angefragt in muslimischen Gemeinden angefragt.“

Dass sie eine Frau ist, sei im Umgang mit den muslimischen Gemeinden kein Problem.

„Spreche mit jedem“

Als Mann hätte sie kaum eine Chance, auch mit den Frauen ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen. In den Gemeinden sei vieles in Bewegung: Frauen- und Jugendvorstände setzten einiges in Bewegung. „Auch die Moscheegemeinden müssen sich überlegen, wie sie weiter attraktiv bleiben wollen.“ Im Grunde hätten sie ein ähnliches Problem wie die christlichen Kirchen, denen die Mitglieder weglaufen.

Spricht sie auch mit Islamisten? „Ich spreche mit jedem, der das Gespräch mit mir sucht oder wo es sich ergibt. Ich muss nicht mit jedem einer Meinung sein, mit dem ich am Tisch sitze.“

Ein Anliegen ist Ide der Kontakt zu muslimischen Jugendlichen. Ihnen fehlen oft die Perspektiven, hat sie beobachtet. „Es ist wichtig, dass man die Jugendlichen wertschätzt, dass man ihnen sagt: Wir glauben an Dich.“ Sie seien auf der Suche nach Anleitungen für ihr Leben und nach Antworten. „Wenn wir ihnen keine geben, tun das eventuell andere“, sagt Ide. Besonders stolz ist sie auf ein Projekt der Polizeidirektion. Die „Polizeiscouts“ – Jugendliche mit Migrationshintergrund – machen unter anderem auf Gemeindefesten Werbung für die Polizei. 18 Jugendliche wurden 2014 als Polizeiscouts geschult. „Die jungen Menschen erfahren dadurch Anerkennung“, sagt Ide. Zudem erhofft sich die Polizei damit mehr Bewerber mit Migrationshintergrund. Übrigens: „Man braucht nicht die deutsche Staatsangehörigkeit um Polizist zu werden“, betont Ide.

Laut Zahlen der Polizei hatten 2014 1,6 Prozent der Beamten im Bereich der Polizeidirektion einen Migrationshintergrund, 2010 waren es gerade mal 0,6 Prozent. Deshalb versucht die Polizei gezielt, Bewerber mit Migrationshintergrund zu erreichen. Übrigens gab es auch bei der Polizei anfangs einige Vorbehalte gegen Ides Rolle als Dialogbeauftragte. „Als Quereinsteiger, der nicht in der Polizei sozialisiert ist, habe ich eine gewisse Anlaufzeit gebraucht.“ Sie habe sich zunächst mal in der Behörde zurechtfinden müssen. „Und ich musste natürlich das Vertrauen der Kollegen gewinnen.“ Mittlerweile griffen viele Polizisten gerne auf ihre Kenntnisse zurück. „Sie haben erkannt, dass es von Vorteil ist, eine Dialogbeauftragte in den eigenen Reihen zu haben.“


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