Ganz ohne Gestank geht‘s nicht Technik soll Güllegeruch in der Stadt reduzieren

Modernes Güllegespann: Der Flüssigdünger wird auf einer Breite von 24 Metern mit 48 Schleppschläuchen ausgebracht. So soll sich Güllegestank auf dem Acker in Grenzen halten, sagen der landwirtschaftliche Dienstleister Franz-Josef Balgenort-Lingemann (links) und sein Mitarbeiter Christian Lührmann. Foto: Stefanie PreuinModernes Güllegespann: Der Flüssigdünger wird auf einer Breite von 24 Metern mit 48 Schleppschläuchen ausgebracht. So soll sich Güllegestank auf dem Acker in Grenzen halten, sagen der landwirtschaftliche Dienstleister Franz-Josef Balgenort-Lingemann (links) und sein Mitarbeiter Christian Lührmann. Foto: Stefanie Preuin

Osnabrück. Am 1. Februar ist es so weit. Dann darf wieder Gülle ausgebracht werden. Dieses stinkende Zeugs, das einem Stadtmenschen die gute Laune vergällt, den Landmann aber freut. Denn Gülle und Mist sind keine Abfallprodukte, sondern wertvolle Nährstoffe. Ein Naturprodukt zudem. Und es darf aufgeatmet werden, denn das breit gestreute Ausbringen wie mit einer großen Gießkanne ist passé.

Prallteller am Güllefass sorgten noch im letzten Jahr vereinzelt für einen rollenden Stinkepilz. Dieserart Verteilung des Flüssigdüngers ist nun verboten. Für das Landvolk ist das zu verschmerzen, denn neue Ausbringverfahren verhindern, dass der wertvolle Nährstoff ungenutzt verdunstet. Zudem darf nichts vom Wirtschaftsdünger ins Oberflächen- bzw. Grundwasser gelangen. Schleppschläuche sind das Gebot der Stunde.

Viele Landwirte bedienen sich zur Ausbringung von Gülle Lohnunternehmen, die über moderne Technik verfügen. Das sagt Franz-Josef Balgenort-Lingemann (53), der als landwirtschaftlicher Dienstleister von Osnabrück aus operiert und auch eine Gülle-Börse betreibt. Das heißt, er vermittelt flüssigen Dünger. Landwirte mit einem hohen Tierbestand, aber wenigen Flächen geben Gülle an Kollegen mit viel Fläche aber nur wenigen oder keinen Tieren ab.

„Wir Menschen müssen auch zur Toilette“, sagt Christian Lührmann (30). Der Landwirtschaftsmeister ist Balgenort-Lingemanns Mitarbeiter unter anderem für die Gülleverteilung rund um Osnabrück. Er hat kein Problem mit seiner anrüchigen Arbeit. Bevor der Naturdünger ausgebracht wird, wird die Gülle im Vorratsbehälter aufgerührt. Das geschieht mit einem Rührgerät, an dessen Ende eine Schiffsschraube alles verquirlt. So wird eine gleichmäßige Nährstoffverteilung im Güllebehälter erreicht. Die Vorratsbehälter auf den Höfen müssen die Güllemenge bis zu neun Monate aufnehmen.

Für den Landwirt ist das einfach zu berechnen, weil die Ausscheidungsmengen von Mastschweinen, Sauen und Rindern bekannt sind. Überlaufen kann da also nichts. Außerdem wird der Behälter in der Regel alle sechs Monate geleert. Lührmann hat soeben mit dem Verteilfass 22000 Liter Gülle getankt, die auf einen Nachbaracker ausgebracht wird. Sind Aufnahme- und Abgabestellen weiter entfernt, setzt Balgenort-Lingemann auch einen Lkw-Auflieger ein, der 28000 Liter Gülle auf der Straße transportieren kann. Am Zielort wartet dann just in time das Verteilfass.

Das Güllegespann des Lohnunternehmens verfügt über ein klappbares Gestänge für eine Ausbringbreite von 24 Metern. Über 48 Schleppschläuche wird die Gülle ausgebracht, direkt auf den Boden. Das reduziert die Geruchsbelästigung und sorgt dafür, dass der Dünger gezielt und schnell an die Pflanzen gelangt. Den Einstieg in die nächste Generation der Ausbringtechnik hat das Unternehmen bereits eingeleitet. Dann kann die Gülle mit Schleppschuhen ausgebracht werden. Dabei werden, bevor die Gülle fließt, zwei bis drei Zentimeter tiefe Furchen gezogen, die den Dünger aufnehmen.

Nach der Düngeverordnung dürfen Landwirte bis zu 170 Kilogramm Stickstoff pro Hektar im Jahr ausbringen. Mastschweine produzieren vier bis fünf Kilo Stickstoff in einem Kubikmeter ihrer Ausscheidungen, Sauen sind mit ein bis zwei Kilo und Rinder mit vier bis fünf Kilo dabei.

Alle Werte müssen ebenso dokumentiert werden wie die Düngermenge. Pro Hektar sind 20 bis 25 Kubikmeter Gülle erlaubt. Regelmäßige Bodenproben sind den Landwirten ebenfalls auferlegt. Die auszubringende Güllemenge kann mit der modernen Technik exakt gesteuert werden. „Egal wie schnell der Schlepper fährt, ein Durchflussmengenmesser errechnet die Verteilmengen“, erklärt Franz-Josef Balgenort-Lingemann.

Obwohl die moderne Gülleverteiltechnik verspricht, dass weniger unangenehme Gerüche über ganze Landstriche wabern, bleiben noch einzelne Duftquellen erhalten. Der gute alte Prallteller hat zwar ausgedient, doch neben dem Schleppschlauchverfahren gibt es noch den Exaktverteiler, der seine Fracht allerdings nicht im weiten Bogen, sondern aus etwa einem Meter Höhe direkt nach unten ausscheidet. „Ganz ohne Gestank wird es also nicht gehen“, sagt Christian Lührmann. Ob nun es ab 1. Februar wieder riecht, ist auch wetterabhängig. Gülle darf nicht auf gefrorenem Boden ausgebracht werden. Aber aufgehoben ist nicht aufgeschoben. Balgenort-Lingemann: „Wer sich über den Gestank aufregt, sollte bedenken, was er jeden Tag auf seinem Teller hat – Fleisch, Wurst, Brot, Butter und Käse –, alles Produkte aus der Landwirtschaft.“


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