Alles für die Sicherheit Osnabrücker Unternehmen Seebawind überwacht über 600 Windräder

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Alles im Blick: Das Osnabrücker Unternehmen Seebawind überwacht über 600 Windräder, darunter 15 Turbinen im nördlichsten Windpark Europas am Nordkap. Foto: SeebawindAlles im Blick: Das Osnabrücker Unternehmen Seebawind überwacht über 600 Windräder, darunter 15 Turbinen im nördlichsten Windpark Europas am Nordkap. Foto: Seebawind

Osnabrück. Wenn Deutschland schläft, ist Amerika wach. Was liegt also näher, als Amerikaner die Nachtschichten für Deutschland machen zu lassen? Das Osnabrücker Unternehmen Seebawind hatte für die durchgehende Fernüberwachung von Windrädern einen Experten in North Dakota angeheuert – aber dann kam die Ukrainekrise.

Seebawind-Gründer und Geschäftsführer Holger Hämel verhehlt nicht, dass es schwierig ist, hoch qualifizierte Leute für den ungeliebten Nachtdienst zu gewinnen und sie zu halten. Seebawind überwacht über 600 Windkraftanlagen europaweit. Die Spinne im Netz – das sind die Mitarbeiter in den Leitständen am Heideweg in Osnabrück und in der Niederlassung Ellwangen in Baden-Württemberg. Die Daten der Windräder laufen in Echtzeit ein. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Sollte irgendwo ein Fehler auftreten, versuchen die Experten zunächst, per Ferndiagnose die Störungsursache zu ermitteln. Gelingt das nicht, wird ein Wartungstrupp in Marsch gesetzt.

Die Fernüberwachung gehört zum Kerngeschäft des herstellerunabhängigen Service- und Wartungsdienstleisters für Windenergieanlagen. „Wir sind wie eine freie Werkstatt“, erklärt Hämel. Seebawind ist spezialisiert auf Anlagen von Nordex, Fuhrländer und Senvion (ehemals Repower), kennt sich aber auch mit allen anderen Typen aus. Und wie eine ganz normale freie (Auto-)Werkstatt nimmt Seebawind Einzelaufträge für Wartungen oder Reparaturen entgegen. Auch ganz unspektakuläre Hausmeistertätigkeiten wie die Grünpflege in großen Windparks übernimmt das Osnabrücker Unternehmen.

Die Überwacher in Osnabrück und Ellwangen stimmen ihre Schichten miteinander ab, und trotzdem bleibt das Problem mit der Nachtschicht. Hämel glaubte, es schon elegant mit dem Fachmann aus North Dakota in den USA gelöst zu haben. „Wir hatten alles aufs Gleis gestellt, er ist hier geschult worden, hatte eine Einkaufsliste für die Technik drüben, und dann kam plötzlich eine ganze lange Mail.“ Der Inhalt: Der Mann hatte sich entschieden, in der beginnenden Ukraine-Krise dem Ruf seines Vaterlandes zu folgen und der US-Armee seine technischen Kenntnisse zur Verfügung zu stellen.

Der Plan, die deutsche Nacht zum amerikanischen Tag zu machen, war damit geplatzt. Doch plötzlich eröffnen sich neue Chancen: in Griechenland. Für zunächst ein Jahr kooperiert Seebawind nun mit einem Partner in Südeuropa. Die Zusammenarbeit sei gerade im Dezember angelaufen, „also noch ganz frisch“. Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage in Griechenland hätten die Partner dort keine Probleme gehabt, Personal für den Schichtdienst zu finden. Auch die Sprache sei kein Problem: „Es gibt ja viele Griechen, die in Deutschland gelebt haben und perfekt Deutsch sprechen.“

Möglicherweise wird dann demnächst im Süden Europas aufgepasst, dass sich am nördlichsten Zipfel des Kontinents die Windräder störungsfrei drehen. Im Mai dieses Jahres übernahm Seebawind den Auftrag zur Überwachung des nördlichsten Windparks Europas im norwegischen Havoygavlen, 50 Kilometer südlich des Nordkaps. Die 15 Windturbinen mit einer Höhe von 120 Metern erzeugen im Jahr 90 Kilowattstunden Energie, was dem Bedarf von 25000 Haushalten entspricht. Dort oben jenseits des Polarkreises herrschen extreme Wetterbedingungen, vor allem im Winter. Der Wind pfeift im Jahresdurchschnitt mit Windstärke 6. Seebawind überwacht die Windräder nachts und an den Wochenenden und ist verpflichtet, auf Fehler binnen 15 Minuten zu reagieren. Die Serviceteams des norwegischen Windparkbetreibers Arctic Wind erhalten jeden Morgen einen Bericht über die Ereignisse der Nacht. Störungen, die nicht per Einwahl behoben werden können, meldet das Seebawind-Team sofort den Technikern vor Ort. Außerdem stellt Seebawind den Mechanikern eine Vorab-Analyse zusammen, die die Mechaniker in die Lage versetzt, Schwachstellen auszumerzen, bevor ein Stillstand entsteht.

Stillstand. Ein Zustand, den ein Aufzugnutzer nicht akzeptieren kann. Wir wechseln von der Wind-Leitstelle zur Notrufzentrale des Aufzugherstellers Osma an der Hirtenstraße in Osnabrück. Hier laufen werktags die Notrufe auf, nachts und am Wochenende übernimmt ein von Osma beauftragtes Callcenter in Ratingen den Dienst. Über 10000 Aufzüge bundesweit sind auf die Osma-Notrufzentrale aufgeschaltet. Wer in einem dieser Lifte auf den Notrufknopf drückt, hört – zumindest werktags – die Stimme aus Osnabrück.

Die Osma-Aufzüge Albert Schenk GmbH Co. KG ist ein mittelständisches Familienunternehmen mit 18 Niederlassungen bundesweit und einem Jahresumsatz von 30 Millionen Euro. Das Unternehmen baut jährlich etwa 800 Aufzugsanlagen mit einer Fertigungstiefe von gut 90 Prozent. Daneben gibt es die Osma-Service GmbH (Umsatz 41 Millionen Euro), die sich – wie der Name nahelegt – um den Service und die Wartung der Aufzüge kümmert. 20000 Liftanlagen hat das Unternehmen aktuell unter Vertrag, wie Marketingleiter Odo Hake sagt. Beide Gesellschaften beschäftigen 650 Mitarbeiter, darunter 20 Auszubildende. Das Osnabrücker Vorzeigeunternehmen ist die Nummer vier auf dem deutschen Markt und für Innovation und Design mehrfach ausgezeichnet worden.

Ein Aufzugbauer spricht natürlich nicht gern über das, was keiner erleben will: dass der Lift stecken bleibt. Aber Osma-Marktingchef Hake kann ruhigen Gewissens mitteilen: „Durchschnittlich bleibt in einem Osma-Aufzug alle 12,5 Jahre eine Person stecken. Damit gehören Osma-Aufzüge zu den sichersten Aufzügen bundesweit.“ Bei 20000 Liftanlagen, die Osma wartet, muss man schon das Glück eines Lottomillionärs gepachtet haben, um derjenige zu sein, der – statistisch betrachtet – nach 12,5 Jahren im Schacht festhängt.

Vor wenigen Wochen ist das vier Jugendlichen in einem gläsernen Außenaufzug in Osnabrück widerfahren. Der Fahrstuhl hatte sich nach Osma-Angaben vorsorglich abgestellt. Die Technik sei darauf ausgelegt, bei Unregelmäßigkeiten sofort zu stoppen, bevor eine Gefahr für die Passagiere entstehen könne.

Die vier Jugendlichen waren ständig in Kontakt mit der Osma-Notrufzentrale. In zeitgemäßen Aufzügen ist das eine Selbstverständlichkeit, und die Notruf-Mitarbeiter sind darauf geschult, im Ernstfall beruhigend auf die Betroffenen einzuwirken. Aber es gibt auch noch Altanlagen, die, wie Odo Hake berichtet, als Notruf nur eine Hupe im Treppenhaus haben. Unglaublich, aber wahr. Ende November hat der Bundesrat eine „Betriebssicherheitsverordnung“ abgesegnet, die am 1. Juni 2015 in Kraft tritt. Demnach müssen diese Hupen-Lifte bis spätestens 2020 mit Zwei-Wege-Kommunikationssystemen ausgestattet werden.

Wie jedes Auto, so muss auch jeder Lift im Zwei-Jahre-Rhythmus einer technischen Grundüberprüfung etwa durch TÜV oder Dekra standhalten. Odo Hake geht von einer nicht unerheblichen „Dunkelziffer“ aus: Er schätzt, dass zurzeit ein Viertel der Aufzugbetreiber ihre Anlagen nicht regelmäßig prüfen lassen. Neu ist, dass ab Juni nächsten Jahres in allen Kabinen ein Prüfsiegel angebracht werden muss, das Monat und Jahr der nächsten Prüfung anzeigt. Wie die TÜV-Plakette auf dem Autokennzeichen. Osma darf sich über zusätzliche Aufträge freuen.


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