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„Krawattendieter“ ein Jahr nach Unfall Im Osnabrücker Karaoke-Taxi soll es bald wieder laut werden

Ein Bild aus besseren Tagen: Vor seinem Unfall begeisterte Krawatten-Dieter seine Kunden mit Partymusik. Bald will er die Idee wieder aufleben lassen – mit verbessertem Konzept. Foto: Archiv/PartonEin Bild aus besseren Tagen: Vor seinem Unfall begeisterte Krawatten-Dieter seine Kunden mit Partymusik. Bald will er die Idee wieder aufleben lassen – mit verbessertem Konzept. Foto: Archiv/Parton

Osnabrück. Noch müssen seine Kunden auf Karaoke verzichten, doch der bekannte Osnabrücker Taxifahrer Krawatten-Dieter möchte das bald ändern – mit einem neuen Konzept. Seit der 62-Jährige vor 14 Monaten mit seinem Karaoke-Taxi in einen Unfall verwickelt wurde und auf ein anderes Fahrzeug umsteigen musste, ist es auf seinen Fahrten leise geworden. Musik über das iPad soll die Lösung sein – doch noch hakt die Umsetzung.

Dieter Lutz, besser bekannt als Krawatten-Dieter, ist hart im Nehmen: Im November 2013 wurde sein beliebtes Karaoke-Taxi bei einem Unfall auf der Hannoverschen Straße gegen einen Laternenmast geschleudert. Er blieb zwar unverletzt, doch sein Auto war Schrott. Während viele Menschen zunächst ein ungutes Gefühl haben, wenn sie sich nach einem Unfall wieder ans Steuer setzen, spielte Angst für Lutz keine Rolle. „Ich fahre schon seit 20 Jahren Taxi. Ich hatte nach dem Unfall kein Problem damit, wieder ins Auto zu steigen“, erzählt der Taxifahrer. Seinen Spitznamen verdankt er seiner Angewohnheit, bei seinen Fahrten stets Anzug und eine originelle Krawatte zu tragen. Auch wenn er nach dem Crash keine bleibenden Schäden davontrug, auf sein Karaoke-Taxi musste er seither verzichten.

„Schönster Job der Welt“

Das Fahrzeug hatte er zuvor zu einer Party-Kutsche umgebaut: Ein Bildschirm war in dem Amaturenbrett installiert, zwei in den Kopfstützen. Sie sollten die Gäste zum Mitgrölen der Après-Ski- und Ballermann-Hits anregen, die aus der Anlage wummerten. Das Karaoke-Taxi war Kult in Osnabrück, seine Fahrten waren regelmäßig ausgebucht, auf seiner Facebook-Seite versammelte er zeitweise 1200 Fans. Er kombinierte Beruf und Hobby – das kam an bei den Kunden. „Ich habe den schönsten Job der Welt. Ich darf die ganze Zeit bei der Arbeit singen. Wer kann das schon“, sagte er vor seinem Unfall.

Nach seinem Unfall musste er auf ein anderes Taxi umsteigen. Seine Karaoke-Maschine konnte er jedoch nicht ins neue Gefährt einbauen. Im Armaturenbrett befinden sich Navi und Freisprechanlage, für Bildschirme ist daher kein Platz. Seine Facebook-Seite ist seit dem Unfall recht verwaist, der letzte Eintrag stammt vom März vergangenen Jahres. Dass seine Kunden seit einem Jahr auf das besondere Karaoke-Flair verzichten müssen, enttäuscht Lutz genauso wie seine Gäste. „Die Kunden haben die Karaoke immer sehr genossen. Ich merke, dass sie es unbedingt wiederhaben wollen“, sagt der 62-Jährige.

Krawatten-Dieter musste umdenken

Auch ihm fehlt die Partymusik in seinem Wagen. „Es ist sehr schade. Jetzt ist es einfach nur dieses stumpfe Fahren. Mit der Musik war es etwas ganz anderes“, so Krawatten-Dieter. Um seinen Gästen (und sich) den Wunsch zu erfüllen, hat er sich ein neues Konzept ausgedacht. „Ich musste umdenken und will es nun besser machen als zuvor“, lautet seine ambitionierte Zielsetzung. Hatte er durch seine Karaoke-Maschine früher nur eine begrenzte Auswahl an Liedern zur Auswahl, sollen es bald bis zu 40000 Songs sein, die er seinen Kunden zum Mitsingen anbieten kann. Sein Plan: Die Lieder sollen zukünftig übers Internet auf einem iPad laufen.

Das sei jedoch nicht ganz einfach, noch fehlt ihm nämlich die passende Software für die Umsetzung. „Ich brauche eine Halbversion, bekomme derzeit aber nur eine Vollversion“, berichtet er. Das Problem dabei: Bei der Vollversion werde zwar die Melodie des Songs abgespielt und dessen Text eingeblendet, jedoch fehle der Gesang. Sich von einem Entwickler eine passende Software schreiben zu lassen, ist keine Option. „Das ist einfach viel zu teuer“, sagt Lutz.

Ruhestand, nein Danke!

Wann sich sein Konzept umsetzen lässt, steht also noch in den Sternen. Während viele andere Menschen in seinem Alter bereits an den Ruhestand denken, kommt das Aufhören für den 62-Jährigen noch nicht in Frage. Sein Beruf mache ihm einfach zu viel Spaß. Außerdem spüre er trotz seines Alters keinerlei Einschränkungen beim Fahren. Alle fünf Jahre müssen Taxifahrer ihre Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung verlängern lassen. „Solange ich die bekomme, fahre ich auch weiter“, berichtet Krawatten-Dieter. In diesem Jahr wird es für ihn wieder ernst: Er muss einen Funktions- und Leistungstest bestehen, damit sein Taxi-Führerschein verlängert wird.


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