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133 Piloten am Start Seifenkistenrennen in Osnabrück: Großer Renntag mit Rekordbeteiligung

Von Hendrik Steinkuhl


Osnabrück. Wenn die Möhre gegen die SPD antritt oder der Staubsauger gegen eine Mülltonne, dann kann es sich in Osnabrück nur um eines handeln: das traditionelle Seifenkistenrennen am Hauswörmannsweg. Mit 133 Piloten konnte der große Renntag in diesem Jahr einen Teilnehmerrekord feiern. Auch neben der Piste war der Andrang groß, mehrere Tausend Zuschauer säumten die Strecke und machten das Rennen zu einem tollen Familienfest.

„Dass sich das Seifenkistenrennen mit dem festen Austragungsdatum Himmelfahrtstag zu so einer Osnabrücker Institution entwickeln würde, hätten wir am Anfang nie gedacht!“, sagt Hans-Georg Weisleder. Der Jugendpfleger ist der zentrale Mann im alljährlichen Genehmigungsverfahren des Seifenkistenrennens: Weisleder gibt das Okay, wenn ausreichend Sponsorengelder für die Veranstaltung zur Verfügung stehen. „Das Rennen muss sich selbst tragen, die Stadt zahlt nichts dazu“, sagt der Veranstalter und Leiter des Gemeinschaftszentrums Ziegenbrink, Michael Fischer. Ihm und seinen engagierten Mitarbeitern ist es gelungen, aus dem anfangs skeptischen Hans-Georg Weisleder einen echten Fan zu machen. „Dass man in Computer-Zeiten mit einer Seifenkiste so viele Jugendliche begeistern kann, das finde ich immer noch unglaublich“, sagt Weisleder. Man kann dem Jugendpfleger seine Faszination ansehen, still steht er alleine zwischen den wartenden Seifenkisten-Piloten und beobachtet einfach nur, wie die Kinder darauf warten, endlich an den Start gehen zu dürfen.

Einer der Wartenden ist Dominik Hackmann aus Osnabrück. Das erste Rennen hat er verloren, jetzt geht es für ihn dann eigentlich auch schon um alles – und glücklicherweise hat Dominik erkannt, was ihn beim ersten Duell den Sieg gekostet hat. „Ich habe viel zu viel auf meinen Gegner geachtet, das darf man nicht machen. Einfach nach vorne gucken“, sagt der Zehnjährige. Sein Freund Rudi habe ihn zum Seifenkistenrennen gebracht, und obwohl er nun schon einige Minuten mit seiner Kiste in der Warteschleife sitzt und das erste Rennen verloren hat, mache es ihm großen Spaß.

Ein paar Meter weiter bergauf sitzen vor dem THW-Zelt knapp 20 Jugendhelfer, die neben der sengenden Hitze vor allem ein Problem haben: chronische Unterbeschäftigung. „Wir sind zu viele, es gibt einfach nichts zu tun“, sagt der elfjährige Loris Temmerich aus Osterode im Harz. Und wenn sie denn mal die Strecke bewachen dürften, könnten sie die Erwachsenen auch nicht davon abhalten, trotz der Absperrung mitten über die Rennpiste zu laufen. Mehr als 200 Jugendhelfer aus ganz Deutschland sind aus Anlass des Seifenkistenrennens nach Osnabrück gekommen und bleiben noch bis Samstag in der Stadt. Und auch wenn sich am Donnerstag viele von der Sonne geplagt fühlen, einen Tag darauf ist sie mehr als willkommen: „Morgen gehen wir schwimmen“, sagt Loris, und jetzt lächelt auch er ein wenig.

Probleme mit renitenten Erwachsenen haben nicht nur die jungen THW-Helfer; auch der ansonsten ausgesprochen entspannte und souveräne Rennleiter Matthias Paul sagt: „Es gibt hier schon einige extrem nervige Eltern, das sollte man auch ruhig mal schreiben!“ Ständig habe er sich heute anhören müssen, dass es viel zu wenig Toiletten gebe – „was stimmt“, wie Matthias Paul sagt, „aber im Vergleich zu dem, was hier alles toll funktioniert, reiben mir einige Eltern das einfach viel zu oft unter die Nase.“ Auch die Frage, wann der Sohn oder die Tochter denn nun am Start sein müsse, bewegt viele Eltern offenbar über die Maßen. „Die Kinder sind eigentlich ganz entspannt, es sind eher die Eltern, die mit ihrer Hektik dann auch die Kinder stressen.“

Trotz allem sieht man fast nur fröhliche Gesichter an und neben der Strecke, was vielleicht auch daran liegt, dass Rennkommentator „Heaven“ seinen angenehm bösen Humor nicht zwanghaft kindgerecht mildert. Als hintereinander vier oder fünf Fahrer aus dem Ort Goldenstedt bei Vechta antreten, kommentiert Heaven: „Die scheinen da in Goldenstedt neben der Landwirtschaft doch noch eine ganze Menge Zeit zu haben ...“