Osnabrück setzt ein Zeichen 4500 Menschen demonstrieren in Osnabrück gegen Intoleranz

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. „Ich war Asylant, und ich bin froh, hier mit so vielen Osnabrückern für Toleranz werben zu dürfen“, sagt Todor „Toscho“ Todorovic von der Blues Company. Er ist einer der letzten Redner bei der Kundgebung am Rathaus vor rund 4500 Demonstranten. Sie alle waren gekommen, um Zeichen für Toleranz, gegen Ausgrenzung und gegen Pegida zu zeigen. Ihr Motto: „Wir sind Charlie und nicht Pegida“.

Von Jörg Sanders und Sven Kienscherf

Tausende Menschen stehen um 18 Uhr in der Kälte vor dem Osnabrücker Theater und warten darauf, dass sich der Demonstrationszug in Bewegung setzt. ( Hier gibt‘s den Liveticker zum Nachlesen ‘‘ )

Zuvor ergreift Organisator und Ex-Karmann-Betriebsrat Harald Klausing das Wort. Sofort wird es totenstill. Er gedenkt der Toten der Anschläge von Frankreich. Pegida missbrauche die Angst vor Terror. „Wer hier Mauern aufbaut, der spielt mit dem Feuer und gefährdet den Frieden“, sagt Klausing. „Heute verteidigen wir in Osnabrück Freiheit, Frieden und die Demokratie.“ Das Publikum applaudiert, darunter Parteien, Gewerkschaften und religiöse Gemeinden aus Osnabrück und dem Landkreis. Ihr Protest ist bunt und kreativ, ihre Meinung eindeutig: „Wir lassen uns nicht auseinanderbringen“ heißt es etwa auf einem Transparent christlicher, jüdischer und muslimischer Jugendlicher.

Alicia Graf hält ein Plakat mit der Aufschrift „Bunt ist schöner als braun“ hoch. Die 19-Jährige gestaltet in ihrer Freizeit gemeinsam mit anderen Spielenachmittage für Flüchtlingskinder in der Aufnahmestelle Hesepe. „Freizeit für Flüchtlingskinder“ heißt die Initiative. „Ich bin für Toleranz und Weltoffenheit“, sagt die 19-Jährige.

Kristina Themann (38) meint, Pegida schüre die Angst vor religiösen Gruppen und pauschalisiere Muslime. „Islamistischer Terror macht doch auch Muslimen Angst“, sagt die Lehrerin für Religion und Biologie am Gymnasium Bersenbrück. „Wir müssen das Miteinander in der Gesellschaft stärken. Pegida stigmatisiert stattdessen Menschen aufgrund ihrer Nationalität“, sagt ihre Kollegin Julia Wilcken (44), Lehrerin für Latein und Physik.

Der Demonstrationszug setzt sich in Bewegung durch die Innenstadt, ist mehrere Hundert Meter lang. So dauert es, bis alle am Rathaus ankommen – nicht alle passen auf den Platz. Viele entzünden Kerzen.

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert ergreift das Wort. „Wenn wir den Hass zulassen, haben die Terroristen gewonnen“, sagt er zum Anschlag in Frankreich. Dass die Pegida-Anhänger nun Trauerflor trügen, sei eine Heuchelei – schließlich sei Charlie Hebdo Teil der „Lügenpresse“. „Manche Meinungen sind zwar schwer zu ertragen, die der Pegida ist sogar unerträglich“, ruft das Stadtoberhaupt in die Menge und erntet Applaus. Diskriminierung und Ausgrenzung dürfe keinen Platz in der Gesellschaft haben. „Und wenn ich mir hier so umgucke, haben sie hier auch keinen Platz“, sagt der OB.

Als nächstes spricht Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius. „Was ist Pegida überhaupt“, fragt Osnabrücks ehemaliger Oberbürgermeister. „Jedenfalls nicht das Volk“, antwortet er. Pegida sei der Frust vieler Menschen. Das sei keine Rechtfertigung, Sündenböcke zu suchen und Muslime in Sippenhaft für islamistischen Terror zu nehmen. Seine Rede schließt er mit „Wir sind Charlie, nicht Pegida!“

Dua Zeitun spricht für die für die muslimische Jugend-Community Osnabrücker Land. „Deutschland ist ein Land der Vielfalt. Wir müssen die Entwicklung wie vor 20 Jahren verhindern, als in Solingen, Mölln und Rostock Flüchtlingsheime brannten.“

Malaika, Schülerin der Gesamtschule Schinkel, sagt zum Schluss: „Meine Mutter ist Christin, mein Vater Muslim, und wenn sich Pegida in diesem Land durchsetzt, könnte ich nicht in Frieden in diesem Land leben.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN