Zwischen Katharinenkirche und Ledenhof Zeitreise: Als Schnee die Osnabrücker Pfarrgärten bedeckte


Osnabrück. Wann wird’s mal wieder richtig Winter? Diese Frage drängt sich auf, wenn man das heutzutage übliche Schmuddelwetter mit der Schneepracht in einem Winter vor 1933 vergleicht. Wir blicken vom Katharinen-Kirchhof entlang historischer Bruchsteinmauern zum Ledenhof.

Die Mauern gehen in Teilen auf die Zeit zurück, als sich im Umfeld der Kirche Ordensgemeinschaften niedergelassen hatten. Nordöstlich von St. Katharinen lag das Barfüßer- oder Franziskanerkloster. Die Franziskaner hatten um 1250 ihren Sitz von der Lohstraße etwa an die Stelle des heutigen Bunkers an der Redlingerstraße verlegt. Südöstlich von St. Katharinen, im Bereich der heutigen Pfarrhäuser, hatten die Franziskanerinnen und zeitweise auch Beginen ihre Konvente. Der Bildervergleich zeigt, dass die Mauern in der Zeit der Weimarer Republik großenteils noch verputzt waren, während sie heute freigelegt sind.

Hinter der linken Mauer lag damals das Pfarramt Katharinen II. Der Pfarrhof aus dem frühen 19. Jahrhundert mit dem rückwärtigen, sehr viel älteren Steinwerk wurde 2002 um einen Glas-Aluminium-Anbau erweitert und zum neuen Gemeindezentrum ausgebaut. An der rechten Mauer ist das Straßenschild „Am Ledenhof“ schwach zu erkennen und etwas weiter links das Tor zu den Pfarrgärten. Sie gehören zum Prediger-Doppelhaus An der Katharinenkirche 7/8, ebenfalls aus dem frühen 19. Jahrhundert, in dem über lange Jahre die Pfarrämter Katharinen I und III beheimatet waren. Im Zuge der Neuordnung der Gemeindebezirke heißen sie inzwischen „Pfarramt Süd“ und „Pfarramt Nord“.

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Der Fachwerkgiebel im Verlauf der Mauer gehörte zum sogenannten Waschhaus der Pfarreien. Es wurde im Krieg genauso zerstört wie das etwas weiter rechts gelegene alte Kirchenbuchamt und nach dem Krieg nicht wiederaufgebaut. Zwischen den Pfarrgärten und dem Ledenhof befindet sich heute ein schlichter Garagenhof, den man durch das Blechtor im hinteren Bereich der Mauer erreicht.

Auf dem aktuellen Bild schimmert im Hintergrund das Gelb der Schlossfassade durch. Diese Blickachse war früher nicht frei, sondern ist ein Ergebnis des letzten Krieges. Auf dem alten Bild sehen wir an der Stelle auf die Rückfront der alten Hauptwache, die gegen Ende der hannoverschen Zeit gegenüber dem Schloss am Neuen Graben errichtet wurde und in preußischer Zeit als Offizierskasino diente. Davor sieht man einen kleinen Ausschnitt der Freifläche des Ledenhofs.

Der Ledenhof hat sein Aussehen im Lauf der Jahrhunderte mehrfach total verändert. Ursprünglich befanden sich hier mehrere Adelshöfe. Wie das Anwesen der Familie von Dumstorp, das seit dem 15. Jahrhundert als Kloster Marienstätte genutzt wurde. Nach der Aufhebung des Klosters wurde 1819 auf dem Gelände eine Dragoner-Kaserne gebaut, etwas später die erwähnte Hauptwache. Nachdem die neuen Landesherren am Westerberg die Caprivikaserne (1899) und die Artilleriekaserne (1903) fertiggestellt hatten, verkauften sie die nicht mehr benötigten Ledenhof-Kasernen an die Stadt. Sie riss die alten Kasernen ab – damit war die Freifläche geschaffen.

Die war einerseits Schulhof für die Evangelische Bürgerschule, die etwa dort stand, wo heute das IHK-Gebäude zu finden ist, andererseits war sie Paradeplatz für Kundgebungen und Aufmärsche. Um einen noch größeren, zum Schloss hin geöffneten Aufmarschplatz zu gewinnen, trug man sich 1937 sogar mit dem Gedanken, Offizierskasino und Schule abzureißen. Das unterblieb damals, da die Illoshöhe rechtzeitig fertig wurde. Der Bombenkrieg allerdings vollzog diese Planung wenig später doch noch.

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Von 1945 bis 1957 stand eine große NAAFI-Baracke der englischen Besatzungsmacht mitten auf dem Ledenhof. Anschließend war er Parkplatz. 1975 bis 1977 erfolgte die Umgestaltung nach einem Entwurf des Städteplaners Professor Helge Bofinger. Der Parkverkehr wurde in eine Tiefgarage mit 640 Stellplätzen verbannt. An der Oberfläche sollten Blumenrabatte, Sitzecken und Wasserbecken eine „Ruheoase im Großstadtgetümmel“ schaffen. Das Konzept gilt als gescheitert, die Osnabrücker nahmen den Platz nicht an. Zudem wurde der traditionelle Donnerstags-Wochenmarkt verdrängt. Er besteht jetzt nur noch aus einem einzelnen Budenstreifen vor dem Altenheim am Ledenhof. Die Mehrzahl der Marktstände ist in die hier abgebildete Gasse und auf den Katharinen-Kirchhof gerückt.


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