Gedenken um Terroropfer von Paris Franzosen wollen Trauermarsch für Charlie in Osnabrück


Osnabrück. Angers‘ Städtebotschafterin und die Deutsch-Französische Gesellschaft fordern einen Trauermarsch, um den Terroropfern von Paris zu gedenken. Der stellvertretende Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft (DFG) Osnabrück, Jean-Pierre Lecomte, sagte im Politik-Talk unserer Zeitung bei os1tv: „Ich wäre sehr für einen Trauermarsch in Osnabrück.“ Die Städtebotschafterin der Partnerstadt Angers, Marie-Océane Vignaud, betonte: „Es wäre schön, wenn wir etwas von offizieller Seite organisieren könnten, damit auch wirklich viele Leute kommen.“

Der Pressesprecher der Stadt Osnabrück, Sven Jürgensen, antwortete auf Anfrage unserer Zeitung: „Die Stadt und die Religionsgemeinschaften denken zurzeit über einen angemessenen Rahmen nach, in dem die Osnabrücker ihre Trauer angemessen ausdrücken können.“

Angers‘ Städtebotschafterin: „Es ist wichtig zu zeigen, dass wir keine Angst haben“

Lecomte unterstrich im Politik-Talk die Bedeutung einer gemeinsamen Trauerfeier für die Franzosen in Osnabrück: „Mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Osnabrück haben wir uns zwar zufällig am Sonntag getroffen, um gemeinsam die Tradition der „Galette des rois“, des Dreikönigskuchens, zu feiern. Dabei haben wir auch eine Schweigeminute eingelegt und getrauert, aber das war zu wenig. Wir waren nur 25 Franzosen, aber in Osnabrück und der Region gibt es weit mehr als 100 Franzosen. Es wäre bestimmt möglich, etwas mit Osnabrückern und Franzosen zu organisieren, um auch nach außen zu zeigen, wie stark wir getroffen sind.“ Städtebotschafterin Vignaud ergänzte: „So etwas könnte auch woanders passieren. Es ist wichtig zu zeigen, dass wir keine Angst haben. Wir wollen und müssen weitermachen, sonst haben wir verloren.“

45 000 demonstrieren beim Trauermarsch in Angers

Deshalb seien am Sonntag auch 45000 Menschen in der Innenstadt von Angers auf die Straße gegangen, um für Charlie zu demonstrierten. „Sie haben als Symbol für die beiden Attentate, einmal auf Charlie Hebdo und einmal auf den jüdischen Supermarkt, zwei Mal die französische Nationalhymne, die Marseillaise, gesungen.“ Außerdem hätten sie als Hommage an die 17 Opfer 17 Mal in die Hände geklatscht und Kerzen für sie angezündet.

Hoffnung, dass Europa in der Trauer zusammenrückt

Für Lecomte ist das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ ein Symbol dafür, dass man alles sagen kann, was man will und damit für die Grundwerte der Republik „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ einsteht. Dass bei diesem Terrorattentat auf die Redaktion, die die Speerspitze der kritischen französischen Presse darstelle, zwölf Menschen starben, habe ihn stark berührt. Als der Französischlehrer die Berichte am Mittwoch im Fernsehen verfolgte, habe er wie angewurzelt auf seinem Stuhl gesessen. „Am Donnerstag war ich fix und fertig. Am Freitag war ich wütend und dachte: Jetzt muss man reagieren.“ Der Dozent an der Universität Osnabrück hat auch seinen Studenten nahegebracht, dass das Attentat auf Charlie Hebdo am 7. Januar nicht nur ein Anschlag auf ein Satiremagazin, sondern auch ein Anschlag auf Frankreich und die gesamte westliche Welt. Das zeigte sich auch darin, dass unter den knapp 50 Staats- und Regierungschefs nicht nur Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel, sondern auch Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu und Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas waren. Lecomte habe daher die Hoffnung, dass Europa in der Trauer um Charlie und die fünf Opfer des islamistischen Anschlags auf den jüdischen Supermarkt in Paris näher zusammenrückt. „Für Israel und den Rest der Welt bin ich da aber skeptisch“, fügte er hinzu.

Deutsch-Französische Gesellschaft Osnabrück: Attentate sind ein Misserfolg der Integration

Lecomte analysierte die Hintergründe für die Attentate der drei Islamisten: „In Frankreich sind viele junge Leute, die überhaupt nicht integriert sind. Das ist ein Misserfolg der Integration. Da müssen wir unbedingt etwas machen.“ Viele hätten schon nach der Grundschule kaum Chancen, den Anschluss zu finden, sodass viele 15- bis 25-Jährige keine Arbeit hätten. Zudem seien Einwanderer in den Vororten der Großstädte oft unter sich. Dadurch seien sie anfälliger für Extremismus. „Die Lösung für das Problem wären Integration und Bildung“, fasste er zusammen. Die fünf Millionen Muslime in Frankreich seien natürlich keine Extremisten. Die Attentäter seien schlichtweg Terroristen gewesen und daher nicht mit Muslimen gleichzusetzen. Er resümierte: „Es ist egal, ob die Leute aus Marokko, Algerien oder Israel kommen. Wir müssen die Menschen einfach besser integrieren.“

Den os1tv-Politik-Talk finden Sie ab Mittwoch, 14. Januar, 18.30 Uhr, im Kabelfernsehen bei os1tv und im Internet unter www.os1.tv .


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