Das Imperium schlägt zurück Feldherr Germanicus 2015 im Fokus der Varusschlacht

Gute Aussichten: Joseph Rottmann stellt das Programm für 2015 und den Protagonisten Germanicus vor. Foto: Michael GründelGute Aussichten: Joseph Rottmann stellt das Programm für 2015 und den Protagonisten Germanicus vor. Foto: Michael Gründel

Bramsche. Germanicus war kein Germane. Der Mann, den Museum und Park Varusschlacht in diesem Jahr aufs Podest der Geschichte heben, war römischer Feldherr ohne Fortüne, Arminius‘ Gegenspieler, Volksheld, Prince Charming, Superstar.

Ein Superstar vor der RTL-Ära? Doch, das gab es. Als der attraktive Liebling seiner Truppen und der Massen 19 n.Chr. im zarten Alter von 29 Jahren verstarb, verfiel das römische Volk in eine Trauerhysterie. Sogleich machte das Gerücht eines Giftmordes die Runde.

„Germanicus führte in den Jahren 14 bis 16 mit einem Drittel der römischen Legionen und 1000 Kriegsschiffen zwischen Ems und Elbe einen brutalen Rachefeldzug“, erzählt Museums-Geschäftsführer Joseph Rottmann. Feldzeichen zurückgewinnen, Arminius stellen, Germanien erobern – das war seine Mission. Das Imperium schlug zurück.

So kam Germanicus zu seinem Namen, der ihn als Bezwinger der Germanen auszeichnete. Im Zentrum der geplanten Sonderausstellung vom 20. Juni bis Ende Oktober steht das Jahr 15, als Germanicus mit drei seiner acht Legionen die Spuren des Gemetzels zwischen Römern und Germanen am Ort der Varusschlacht begutachtet. „Er findet Gebeine der römischen Legionäre, Waffenteile, tote Pferde an Bäumen und Knochengruben.“ Die toten Soldaten lässt Germanicus begraben. Inzwischen habe die Archäologen acht Knochengruben auf dem Gebiet der Varusschlacht entdeckt .

Wie sich Germanicus dort fühlte, notierte der Historiker Tacitus: „Den Feldherrn schreckte ein grässliches Gesicht der Nacht. Es war ihm, als sähe und hörte er Quintilius Varus mit Blut befleckt aus den Sümpfen auftauchen und ihn rufen.“

Die Varusschlacht-Ausstellung wird ab Juni unter anderem sechs Köpfe zeigen, die sonst im Pariser Louvre zu sehen sind. Eine besonders prächtige Leihgabe stellt das Britische Museum den Bramschern zur Verfügung, „ein Schwert mit der Abbildung des Tiberius“. Für den teuren Transport und die Versicherung für das Schwert will das Museum ein Crowdfunding-Projekt starten.

„Wir möchten die Militäroperationen von Germanicus zeigen. Die Schriften sind widersprüchlich, von verzeichneten Schlachten am Dümmer See haben wir noch keine Spuren gefunden“, sagt Rottmann. Zu einem Symposium werden Historiker, Archäologen und Militärexperten eingeladen werden.

Trotz erster Erfolge – Germanicus nahm Arminius’ Frau Thusnelda und dessen Sohn Thumelicus gefangen und drang bis zur Weser vor – erlitt er auf der Rückfahrt so schwere Verluste, dass ihn Kaiser Tiberius abberief und in den Orient schickte. Wo der Feldherr, Priester, Superstar starb.

Auch die beliebten Römer- und Germanentage zu Pfingsten drehen sich in Bramsche um den rabiaten Recken, der in diesem Jahr 2030 Jahre alt geworden wäre. Die Reenactment-Gruppe Legio Italica I. wird einen Geburtstagsritus für Germanicus zeigen und Trainings für kleine Legionäre anbieten. Die gleiche Truppe marschiert vom 12. bis 19. Juni in authentischen Kostümen von Haltern am See nach Bramsche und macht unter anderem in Bad Iburg, Osnabrück und Belm Station.

Um Kalkriese überregional so bekannt zu machen, wie es seine Themen verdienen, wird sich der smarte Germanicus auf dem Stand des Landes Niedersachsen bei der Grünen Woche zeigen.

Um tote Herrscher ging es in Museum und Park Kalkriese auch im vergangenen Jahr. Die Sonderausstellung über Mumien , die Dauerausstellung und das umfangreiche Museumsprogramm bescherten der Varusschlacht 80000 Besucher. Damit war 2014 das beste Jahr seit 2009. Einen Spitzenwert erreichte auch das Osterleuchten: „Da wurde es selbst auf unseren 24 Hektar eng“, erinnert sich Rottmann. Stolz ist er auf das Museumsgütesiegel, das sich ansonsten nur zwölf andere Museen in Niedersachsen ans Revers heften können. „Wir sind ein Museum für alle“, betont Joseph Rottmann denn auch.

Die Varusschlacht im Netz: www.kalkriese-varusschlacht.de. Eintritt frei bis 25. Januar . Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr. Öffentliche Führungen zur Dauerausstellung samstags und sonntags 14.30 Uhr, an Sonn- und Feiertagen zusätzlich um 11 Uhr.


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