Terroranschlag auf Charlie Hebdo Franzosen in Osnabrück gedenken Charlie

Die Deutsch-Französische Gesellschaft Osnabrück trauert und zeigt ihre Solidarität mit Charlie Hebdo. Foto: Gert WestdörpDie Deutsch-Französische Gesellschaft Osnabrück trauert und zeigt ihre Solidarität mit Charlie Hebdo. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Trauer schweißt zusammen. Was für mehr als zweieinhalb Millionen Menschen beim Gedenkmarsch um die Opfer der Terrorangriffe in Paris gilt, ist am Sonntag auch bei der Deutsch-Französischen Gesellschaft (DFG) in Osnabrück spürbar.

Mit der französischen Tradition der „Galette des rois“ (Dreikönigskuchen) feiert sie alljährlich den Jahresanfang. Doch dieses Mal ist das Treffen in der Bergkirche besonders wichtig. Der Brauch, den die Franzosen seit ihrer Kindheit feiern, bringt ein Stück Heimat nach Osnabrück und trägt dazu bei, den Schock um die Opfer der islamistischen Anschlagsserie im Herzen Frankreichs zu verarbeiten.

DFG-Vorsitzender Bernd Käsebier: „Wir dürfen jetzt unser Lachen nicht verlieren“

Der Vorsitzende der DFG, Bernd Käsebier, verteilt in einem Gemeindesaal der Bergkirche am Westerberg Zettel mit dem Aufdruck der Solidaritätsbekundung „Je suis Charlie“ . Die mehr als zwei Dutzend Franzosen und Frankophilen halten sie hoch, posieren für ein Foto und gedenken der 17 Opfer der Terroranschläge in einer Schweigeminute. Käsebier macht in seiner Rede deutlich, dass gerade die Journalisten des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ es nicht gewollt hätten, wenn die Welt nach so einem Anschlag das Lachen verliert. Im Gegenteil: Käsebier zitiert den früheren Chefredakteur des Magazins, Philippe Val: „Wir dürfen jetzt unser Lachen nicht verlieren. Das Lachen ist unsere Waffe, wir müssen es weiter zulassen.“ Damit spricht er den traurigen und wütenden DFG-Mitgliedern nach diesem Anschlag auf die Werte der Aufklärung und der Französischen Revolution aus der Seele.

Käsebiers Rede nimmt etwas von der Schwere dieses Tages und ist die perfekte Überleitung zu der Tradition, die eigentlich am 6. Januar, dem Dreikönigstag, gefeiert wird. Das Besondere an dem Blätterteigkuchen ist, dass darin eine kleine Porzellan-Figur, die sogenannte fève, eingebacken ist. Der dreijährige Maxime hat sie als Erster in seinem Kuchenstück entdeckt und darf eine goldene Pappkrone aufsetzen. Er ist damit der erste König des Tages (viele Könige und Königinnen werden folgen, weil es mehrere Galettes des rois gibt und in jeder eine fève versteckt ist). Alle klatschen und stoßen mit Orangina, Cidre oder Champagner auf ihn an. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb der kleine Maxime im Anschluss das Lied „J’aime la galette“ („Ich liebe die Galette“) am inbrünstigsten singt.

Franzose Arno Fischer: „Es ist, als hätten wir einen Teil der Familie verloren“

Sein Vater Arno Fischer, der aus dem Elsass kommt und eine Osnabrückerin geheiratet hat, erklärt, warum es ihm so wichtig ist, diese Tradition mit der DFG zu feiern: „Das ist hier wie eine große Familie. Und das hilft, nach so einem Schock das Leid zu lindern.“ Der 37-Jährige weiß, warum besonders der Tod der vier Karikaturisten Cabu, Tignous, Charb und Wolinski der Grande Nation so nahegeht. „Wir sind mit ihnen aufgewachsen“, sagt Arno Fischer bewegt. „Cabu war ein Idol meiner Kindheit. Er hat im Jugendprogramm des Fernsehsenders Antenne 2, Récré A2, immer lustige Sachen gezeichnet. Den Haarschnitt von damals hat er nie gewechselt. Es ist, als hätten wir einen Teil der Familie verloren.“

Jean-Pierre Lecomte: „Es war der 11. September der Meinungsfreiheit. Ich könnte nur weinen.“

Für den stellvertretenden DFG-Vorsitzenden Jean-Pierre Lecomte war der 7. Januar wie der 11. September der Meinungsfreiheit: „So etwas gab es noch nie. Ich könnte nur weinen. Die gemeinsame Feier heute tut da sehr gut.“


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