Historisches Erscheinungsbild Architektur-Serie: Durchschnittsnote für Osnabrücker Schloss

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Osnabrück. Das Osnabrücker Schloss ist zunächst mal kein Gebäude, das man mit moderner Architektur in Zusammenhang bringen würde. Im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, orientierte sich der Wiederaufbau der einstigen fürstbischöflichen Residenz am historischen Erscheinungsbild.

Seine Fassade ist mithin die optische Konstante des Barockbaus, Spuren der Gegenwart lauern im Detail und sind flüchtig: Das 2010 erneuerte Eingangsportal fügt sich – einigen modernen Akzenten zum Trotz – fast nahtlos und damit unauffällig in das frühneuzeitliche Ensemble ein.

Der Weg ins Innere des Osnabrücker Schlosses ist nicht nur Ein-, sondern auch Übergang: Das Durchschreiten der Tür führt den Besucher innerhalb von Sekundenbruchteilen aus dem 17. ins 21. Jahrhundert. Vom standesgemäßen Residenzschloss, welches Fürstbischof Ernst August I. von 1667 bis 1673 errichten ließ, ist drinnen wenig zu spüren: In der Eingangshalle dominieren klare, helle und aufgeräumte Strukturen. Kein Prunk, kein Kunsthandwerk, keine Ahnengalerie deutet mehr darauf hin, dass die Errichtung des Bauwerkes einst dem Zwecke absolutistischer Herrschaftsinszenierung diente. Stattdessen dominiert heute Sachlichkeit das Interieur des Bauwerkes, dessen Geschichte wechselhaft und voller Brüche ist.

Man könnte fast sagen, das Osnabrücker Schloss sei eigentlich kaum wirklich Schloss gewesen: 1674 bezog Ernst August I. mit seiner Familie die neue Residenz am Übergang von der Alt- zur Neustadt. Nur fünf Jahre später verließ die fürstbischöfliche Familie die Stadt bereits wieder, um fortan in Hannover zu leben. Pläne, Osnabrück nach dem Muster einer typischen Residenzstadt zu entwickeln, wurden auf Eis gelegt, ebenso der weitere Ausbau von Schloss und Schlosspark.

In der Folgezeit nur sporadisch genutzt, bezogen ab 1803 verschiedene Behörden Quartier. Die Räumlichkeiten im Schloss wurden den wechselnden Erfordernissen angepasst, die Charakteristika des Herrschaftsgebäudes blieben nur im Äußeren erhalten.

Die Neugestaltung des Eingangsportals reiht sich ein in die verschiedenen Maßnahmen, mit denen das Bauwerk seinen jeweiligen Nutzern dienbar gemacht wurde: Durch seine Rolle als Sitz von Universität, verschiedenen Fakultäten sowie als Ort für öffentliche Veranstaltungen stieg der Publikumsverkehr zunehmend. Daraus resultierten neue Anforderungen: Brandschutzmaßnahmen mussten umgesetzt, ein barrierefreier Zugang zum Gebäude geschaffen werden. Die architektonische Maxime lag dabei auf einer reibungslosen Verknüpfung von Innen- und Außenansicht des Schlosses: Die lang gezogenen Rampen links und rechts des Portals greifen das barocke Thema der Fassade auf und weisen symmetrisch zum Eingang.

Im ungleichmäßigen Großsteinpflaster findet die traditionelle Pflasterung des Schlossinnenhofes ihre Fortsetzung. Als Kontrast dazu erheben sich die Kanten aus geschliffenem Sandstein und verweisen so auf den Bruch, den das Durchschreiten der neu eingesetzten Rundbogentür bedeutet. Als Bindeglied des schmuckvollen historischen Sandsteinportals und der Tür schafft eine gläserne Fuge den nötigen Freiraum, der beiden Elementen Entfaltungsmöglichkeiten lässt.

Im neuen Portal des Schlosses finden beide Bestandteile – das Innere wie das Äußere – ihre Berücksichtigung, die Widersprüche werden verknüpft und egalisiert. Als Schnittstelle von damals und heute bereitet es vor auf das, was hinter der Tür liegt. Innerhalb von Sekundenbruchteilen.

Metropolenfaktor:

Drei von sechs Sternen

Stadtbildfaktor:

Drei von sechs Sternen

Wohlfühlfaktor:

Fünf von sechs Sternen


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