Stadt- und Ortsführungen (7) Osnabrücker Wein- und Biergeschichten

Von Carolin Hlawatsch


Osnabrück. Osnabrück liegt nun wahrlich nicht in einer für den Weinbau typischen Gegend – und doch galt die Stadt einst als großes Weinhandelszentrum, und die Osnabrücker Bierstraße trägt ihren Namen auch nicht umsonst. Auf der Altstadtführung „Bier und Wein“ bekommen die Teilnehmer vom ZeitseeingTeam einen ordentlichen Schluck Trink-Geschichte verabreicht.

In der kleinen Ratskammer im historischen Rathaus nimmt die informative und später auch feucht-fröhliche Führung ihren Lauf. Carsten Niemeyer, seit 25 Jahren Stadtführer, holt neben den Teilnehmern auch die Osnabrücker Weinmänner mit in den Saal. Natürlich nur gedanklich, denn die sogenannten Weinmänner gibt es heute gar nicht mehr. „Das waren die Ratsmitglieder, die im 14. Jahrhundert so genannt wurden. Und wissen Sie auch warum?“, richtet er sich an die an der langen Ratstafel sitzenden Teilnehmer. Alle grübeln, keiner weiß es. „Die Ratsmitglieder hatten das Recht, mit Wein handeln zu dürfen“, klärt Niemeyer auf und bringt seine Zuhörer zum Staunen, als er von den drei Kannen berichtet, die es damals pro Ratssitzung gab. Und die Kannen waren nicht klein. 5,3 Liter passten jeweils hinein, also gab es für die damals 16 Weinmänner insgesamt rund 16 Liter. „Und warum wurden sie mit Wein entlohnt?“, wirft der Stadtführer die nächste Frage in den Raum, und wieder grübeln alle, doch keiner weiß es. Niemeyer klärt auf: Wein sei inflationssicher gewesen. Außerdem haltbar, lagerbar, handelbar – und vor allem in der hiesigen Gegend nicht zu vervielfältigen.

Schlauer als zuvor verlässt die Gruppe das Rathaus. Gerade zur Tür hinaus, lenkt Carsten Niemeyer die Blicke zur Stadtwaage, auf deren Dachboden im Mittelalter Kräuter gelagert wurden. Zwei mal zwölf Kräuter bildeten die Grut, eine Würzmischung, die das Bier schmackhaft machte. Übrigens habe man früher in unseren Gefilden auch den Wein mit Gewürzen getrunken, berichtet der Stadtführer. Die Weinliebhaber unter den Teilnehmern ächzen, als sie dann auch noch hören, dass der damals mehr oder weniger gute Tropfen vor dem Trinken oft auf 40 Grad erhitzt wurde. „Also wie Glühwein“, meint jemand aus der Gruppe. „Ähnlich, aber wahrscheinlich nicht so lecker“, erwidert Niemeyer und führt nun in die Bierstraße.

Hier hatten sich früher gleich mehrere Osnabrücker Brauer angesiedelt, und so waren praktischerweise auch die Ausnüchterungszellen direkt dort angelegt. Der Stadtführer zeigt auf die Rathauserweiterung. Gegenüber, im heutigen Hotel und früheren Wirtshaus Walhalla, trafen sich schon Osnabrücks Literaten zu einem inspirierenden Tropfen. Nach so viel Trink-Geschichte haben die Teilnehmer nun selbst Durst, und der Stadtführer leitet den praktischen Teil der Tour ein. Angesteuert werden, je nach Lust und Laune der Gruppe, Osnabrücker Traditionslokale und Brauereien wie „Olle Use“, „Peitsche“ und „Weinkrüger“ oder das „Rampendahl“.

In der „Ollen Use“ was übersetzt „alles unser“ heißt und auf den traditionellen Ausruf der Heger Laischaft zurückgeht, nimmt die Gruppe im Hinterstübchen Platz. „Ein Vorderraum, ein Tresen und ein Hinterstübchen, so sind die alten Osnabrücker Lokale typischerweise aufgebaut“, weiß Carsten Niemeyer. Hinten sei man nur mit Mindestumsatz hineingekommen, und mit Würfelspielen seien die Gäste zum Trinken gebracht worden, erfahren die Teilnehmer. Sie bestellen ein Getränk und haben Spaß bei den historischen Kneipenspielen, die ihnen der Stadtführer beibringt.


Die Stadtführung „Bier und Wein“ kann jederzeit auf Anfrage gebucht werden. Kosten je Gruppe bis 25 Personen: 95 Euro. Welche Lokale besucht werden, kann vorher mit den Stadtführern abgesprochen werden. Kontakt: Zeitseeing-Stadtführungen, Telefon 0541/7502340. Startpunkt der Führung ist die Treppe vor dem Osnabrücker Rathaus am Markt. Dauer: eineinhalb bis zwei Stunden.

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