Timezone in der Lagerhalle Vier Liedermacher in der Osnabrücker Lagerhalle

Die selbsternannte „One Man Band“ Lutz Drenkwitz. Foto: Elvira PartonDie selbsternannte „One Man Band“ Lutz Drenkwitz. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Am Dienstagabend lud das Osnabrücker Plattenlabel Timezone in der Lagerhalle zu vier Konzerten seiner Liedermacher ein.

Lutz Drenkwitz, Kai Olaf, Ulf Hartmann und Joseph Myers hat Timezone auserkoren, um die Besucher der Lagerhalle am Vorabend zu Silvester noch ein Mal musikalisch zu unterhalten. Die haben sich zahlreich eingefunden und sind gerne bereit, sich zwischen Pizza, Wein und Bier im Foyer musikalisch unterhalten zu lassen.

Den Anfang macht die selbsternannte „One Man Band“ Lutz Drenkwitz. Das bedeutet, dass er beispielsweise neben der E-Gitarre mit den Füßen ein halbes Schlagzeug bedient und in seine Songs auch eine Mundharmonika oder Tröte einbaut. „Ich mache das hauptberuflich“, betont der Musiker, weist aber auch darauf hin, dass für die Musik, die er und seine Kollegen heute Abend machen, die Lagerhalle extrem gut gefüllt und er es nicht gewohnt sei, vor so großem Publikum zu spielen. Entsprechend nervös und unsicher wirkt er bei seinen ausschweifenden Ansagen, bei denen er sich oft verhaspelt. Rein musikalisch orientiert sich Drenkwitz an Blues, Country und Rock’n’Roll und erzählt lustig gemeinte Geschichten über Punks im Rentenalter, seinen Urlaub in Marrakesch, Big Macs, Alkohol und Drogen. Dabei stehen Haus-Maus-Reime à la „Ohne Cash geht auch nichts in Marrakesch“ an der Tagesordnung, und dass Drenkwitz immer wieder ins Publikum fragt, wie es seine Musik finde und dann auf Ansage großen Jubel einfordert, macht seine unsichere Performance nicht unbedingt sympathischer.

Zwar ist Kai Olaf nur 1,65 Meter groß, wie er es selbst in seinem ersten Song bestätigt, an Selbstvertrauen mangelt es dem Musiker jedoch keineswegs. Etwas verloren wirkt er anfangs mit seiner Akustikgitarre auf der Bühne, überzeugt mit seinen heiter-ironischen Liedern übers Single-Leben, Flirtversuchen und Beziehungschaos aber schnell vom Gegenteil. Olaf glänzt durch cleveren, durchdachten Wortwitz in Songs wie „Wir retten die Welt“, in dem er Frauen schmackhaft machen will, mit ihm zusammenzuleben, da man schließlich umweltschonender lebe, wenn man aus zwei Single-Haushalten einen macht und somit Strom spart. „Man kann es ja mal versuchen“, lacht Olaf, der neben Selbstironie auch immer den Hang zur nachdenklichen Ballade hat.

„Es ist besser für das, was man ist, gehasst, als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden“, zitiert Ulf Hartmann im Anschluss den Kettcar-Song „Stockhausen, Bill Gates und Ich“, die sich für die Zeile wiederum beim französischen Autor André Gide bedient haben. Dabei könnte der Künstler mit seiner tiefen rauen Stimme, seinen reflektierten Geschichten zwischen alltäglicher Melancholie und Euphorie und dem pointierten perkussiven Gitarrenspiel selbst bei Kettcars Paradelabel Grand Hotel van Cleef eine gute Figur machen. So erinnert der Braunschweiger an eine Mischung aus Marcus Wiebusch und Sven Regener und lädt das Publikum obendrein zu einer Weinprobe nach dem Konzert ein. Dank eines Deals mit einem unabhängigen Winzer aus der Toskana kann der Liedermacher nämlich von sich behaupten, einen Wein mit seinem Namen auf dem Etikett am Merchandise-Stand ausschenken zu dürfen.

Den Abend beschließt der Osnabrücker Joseph Myers und sorgt zum Abschluss für frischen Wind in der Lagerhalle, ist er schließlich der einzige Musiker, der englischsprachige Lieder vorträgt. Auch Myers Vortrag ist melancholischer Natur und handelt von vielen persönlichen Erinnerungen des Sängers, von Dänemark und von verflossenen Liebschaften.

Ohne einem Künstler die Beteiligungsberechtigung am Abend streitig machen zu wollen, hätte es dem Konzert jedoch gut getan, entweder die 45-minütige Spielzeit der Musiker zu kürzen oder von vorneherein lediglich drei Musiker auftreten zu lassen. Gegen Ende des Abends haben bereits viele Besucher die Lagerhalle verlassen, da es dem Programm mit vier grundsätzlich nachdenklich gestimmten Liedermachern an einer Spannungskurve fehlt und ihm gegen Ende die Puste ausgeht. Hier wäre weniger mehr gewesen – auch wenn es für die Leidenschaft hinter dem Label Timezone steht, ihre Künstler möglichst umfangreich präsentieren zu wollen. fteb


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