Das Beste aus zehn Jahren Das Morgenland-Festival auf Weltklasse-Niveau

Jüdisch-syrisch-deutsches Konzert: Giora Feidman, Kinan Azmeh und der Osnabrücker Jugendchor. Foto: Jörn MartensJüdisch-syrisch-deutsches Konzert: Giora Feidman, Kinan Azmeh und der Osnabrücker Jugendchor. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Ein rundes Jubiläum fordert es geradezu ein,Bilanz zu ziehen: Was war, was ist, wo geht’s hin? Dieser Gedanke stand dieses Jahr über dem Morgenland Festival Osnabrück. Die zehnte Auflage stellte der künstlerische Leiter Michael Dreyer nicht unter ein Ländermotto wie die Jahre zuvor. Vielmehr war das Festival diesmal eine Quintessenz des Erreichten, ein „Best of Morgenland Festival“.

Exemplarisch zu erleben war das beim Open-Air-Konzert der Morgenland All Star Band auf dem Marktplatz: Herausragende Musiker aus Ost und West führen vor, wie sich der Dialog der Kulturen produktiv gestalten lässt, indem jeder das Beste einbringt, was er zu bieten hat. Und da geht es dann nicht darum, sich so lange aneinander zu reiben, bis Ecken und Kanten abgeschliffen sind für einen konformen Multikulti-Mix. Nein, wenn Moslem Rahal aus Syrien ein Solo auf der Ney spielt, bringt er nicht nur ungewohnte Klangfarben ein, sondern buchstäblich andere Töne – und das passt wunderbar auf den Jazzgrund, den unter anderem Jonas Burgwinkel legt, einer der wichtigsten deutschen Jazzschlagzeuger.

Begonnen hatte das Festival in diesem Jahr mit einem Treffen der Giganten: Alim Qasimov und Keyhan Kalhor sind beide internationale Stars, hatten aber noch nie zusammen musiziert. Beim Eröffnungskonzert des diesjährigen Morgenland Festivals holten sie das nach. Klezmer-Legende Giora Feidman hingegen ist in Osnabrück wahrlich kein Unbekannter. Aber dass er im Dom zusammen mit Kinan Azmeh und dem Osnabrücker Jugendchor spielt, ist dann doch etwas Besonderes: Feidman wird nicht müde, das zu betonen. Im Wesentlichen lassen der jüdische Klezmer-Star und das syrische Multitalent ihre Klarinetten miteinander sprechen – das nimmt auch das Publikum im Dom gefangen. So wie all die musikalischen Höhepunkte, die das Morgenland Festival in diesem Jahr aneinandergereiht hat.

Lässt sich dieses musikalische Niveau halten oder gar überbieten? Das nächste Jahr wird es zeigen – nicht nur in Osnabrück, sondern in so renommierten Spielstätten wie dem Bimhuis in Amsterdam.


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