Auf 128 Seiten Neuer Bildband zeigt „Zeitsprünge“ durch Osnabrück


Osnabrück. Matthias Rickling hat einen Bildband mit 55 historischen Postkartenansichten aus der Zeit zwischen 1900 und 1950 herausgegeben. Sie regen zu einem imaginären Bummel durch das alte Osnabrück an, der am Dom als Keimzelle beginnt und sich dann über Markt und Altstadtgassen, Rißmüllerplatz und Klosterkaserne die Wälle entlang bis zum Hauptbahnhof fortsetzt. Das Spannende daran: Der alten Ansicht wird die heutige Optik des jeweiligen Ortes gegenübergestellt.

Als Autor ist Matthias Rickling kein Unbekannter. Er hat bereits eine Reihe von Büchern zur Lokal- und Regionalgeschichte vorgelegt, so die Bildsammlung „Osnabrück 1949 bis 1979“ und „Sagenhaftes aus dem Osnabrücker Land“ in zwei Bänden.

Rickling kam 1966 in Fürstenau zur Welt. Nach Abitur und Bundeswehr studierte er in Bielefeld Geschichte. Seither veröffentlicht er Stadt-Lexika, Bild- und Fotobände und Erinnerungsbücher, tritt aber auch als Kurator von Ausstellungen hervor. Als freier Autor lebt der Historiker heute mit seiner Frau auf einem Gutshof in Nordhessen.

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„Das Interesse an Geschichte verdanke ich meinem Lateinlehrer an der Gesamtschule Fürstenau“, sagte Rickling jetzt bei der Buchvorstellung, „er hat uns mit auf die Ausgrabungen der Bleiburg genommen, da durften wir selber buddeln und Mauerfundamente freilegen.“ Seitdem hätten ihn geschichtliche Themen nicht mehr losgelassen. Ihm ist es wichtig, die Historie nicht als abstrakten Wissensstoff darzustellen, sondern gerade auch jüngeren Menschen Geschichte zum Anfassen darzubieten: „Das hat etwas mit Dir zu tun, der Du jetzt in Osnabrück lebst! Die alten Karten erzählen Geschichten, wie Osnabrück zu dem wurde, was es jetzt ist.“

Handschriftliche Anmerkungen auf den Postkarten, meistens alltägliche Mitteilungen und gängige Grußformeln, würden wie eine zwischenmenschliche Brücke über Generationen hinweg wirken, unterstrich Rickling. „Deshalb haben wir diese Texte bewusst nicht weggeschnitten.“

Interessant sei auch, was man damals für wert erachtete, verewigt zu werden, etwa Krankenhäuser, Kriegerdenkmäler oder Kasernen. „Solche Motive würde man heute kaum im Ansichtskartenständer finden, das sagt viel über den Zeitgeist aus“, so Rickling. Ein Großteil der alten Karten entstammt der Sammlung Brockmann (Belm). Daneben hat Rickling auch Karten aus seinem eigenen Archiv beigesteuert. Alle aktuellen Vergleichsfotos sind von seiner Hand.

Matthias Rickling: „Zeitsprünge“. Sutton-Verlag, 128 Seiten, 19,99 Euro.


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