Klimawandel macht sich bemerkbar In Osnabrück regnet es immer weniger

Ein Ärgernis mag der Regen auf dem Weihnachtsmarkt gewesen sein. Aber bei genauerer Betrachtung waren nasse Tage 2014 doch eher die Ausnahme. Foto: Michael GründelEin Ärgernis mag der Regen auf dem Weihnachtsmarkt gewesen sein. Aber bei genauerer Betrachtung waren nasse Tage 2014 doch eher die Ausnahme. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. „Schon wieder Regen!“ Diese Klage ist in Osnabrück zwar häufig zu hören, aber den meisten Menschen entgeht dabei, dass die jährlichen Niederschläge sinken. Und zwar dramatisch, wie der Biologe Gerhard Kooiker vorrechnet: Seit 1970 ist der Wert um 20 Prozent zurückgegangen.

Vor einigen Tagen hatten wir berichtet, dass der Klimawandel in Osnabrück schon durchschlägt: Heiße Sommertage nehmen zu, Frosttage werden seltener. Seit 1952 ist die Jahresmitteltemperatur um 1,5 Grad gestiegen – mehr als im Bundesdurchschnitt. Ulrich Greiten, Mitarbeiter im Fachbereich Umwelt und Klimaschutz der Stadt Osnabrück, hatte die Daten ausgewertet. Bei den Niederschlägen wollte er sich jedoch nicht auf eine eindeutige Tendenz festlegen.

Für den Biologen Gerhard Kooiker ist jedoch unübersehbar, dass es in Osnabrück immer trockener wird. Er bezieht sich auf die jährlichen Daten der Wetterstationen am Ziegenbrink und in Haste. Seit 1970 schwankten die Niederschläge zwischen 395 mm (2003) und 1084 mm (1998). Im statistischen Mittel betrug die Regenmenge 1970 gute 889 mm und 2013 nur noch 712 mm. Kooikers Fazit: Die Niederschläge in Osnabrück haben seit 1970 signifikant um 184 mm (20 Prozent) abgenommen, „was man durchaus als dramatisch bezeichnen darf“.

Als Ornithologe beobachtet er seit Jahren einen Verlust von Kleinstgewässern und Feuchtflächen durch Austrocknung. Vor allem die hohen Niederschlagsdefizite von 2011 bis 2013 hätten bereits zur Austrocknung des Gretescher Feuchtbiotops geführt. Wenn der Klimawandel mit den verringerten Niederschlägen anhalte, seien auch die verbliebenen Feuchtgebiete in Gefahr. Das würde einen gravierenden Rückschlag für die Biodiversität bedeuten, sagt Kooiker. Aber auch für die Landwirtschaft und die Trinkwassergewinnung könnten sich negative Folgen ergeben.

Bedenklich findet der Biologe, dass „kein Silberstreifen am Horizont erkennbar“ sei. Die große Politik sende keine Signale aus, um diesen Trend zu stoppen. Dabei gehe es um die zukünftige Ernährungssituation und um die Gefahr, dass Landstriche in Deutschland versteppten und dass der Anbau von Feldfrüchten nur noch mit künstlicher Beregnung zu betreiben sei.


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