Endlich verlässliche Zahlen Laser zählt Passanten in Osnabrücker Fußgängerzone

Der kleine graue Kasten (rechts vorne im Bild) zählt mit Lasertechnik die Passanten, die sich Nikolaiort Richtung Herrenteichstraße und umgekehrt bewegen. Foto: Hermann PentermannDer kleine graue Kasten (rechts vorne im Bild) zählt mit Lasertechnik die Passanten, die sich Nikolaiort Richtung Herrenteichstraße und umgekehrt bewegen. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Vorbei die Zeit der Strichlisten, Schätzungen und Hochrechnungen: Kaufleute und Stadtmarketing lassen die Zahl der Passanten in der Osnabrücker Fußgängerzone automatisch erfassen. Die ersten fünf Lasergeräte sind installiert, weitere werden folgen.

Die Geräte sind so groß wie ein Schuhkarton und fast unsichtbar – weil sie über den Köpfen der Passanten lauern. Man muss schon wissen, wo sie hängen, um sie zu erspähen. Fünf Messpunkte sind bislang installiert: bei McDonalds am Nikolaiort/Ecke Herrenteichstraße, an der L+T-Markthalle, am L+T-Haupteingang von L+T, am Intersport-Eingang von L+T an der Georgstraße und an der Fassade des Neumarkt-Carreés (H&M). Weitere Stationen sollen an der Krahnstraße und an der Johannisstraße folgen. „Wir suchen noch geeignete Fassaden“, sagt Ralf Hassenpflug, der für die Industrie- und Handleskammer (IHK) das Projekt betreut. Der Betreiber der Kamp-Promenade wird nach seinen Angaben insgesamt sieben Geräte zur Passantenfrequenzmessung installieren lassen.

Den Anstoß hatte das Osnabrücker City-Marketing (OCM) gegeben. Während der Frühjahrsversammlung stellte Raphaela Tegründe von der Firma Lase PeCo Systemtechnik aus Wesel die Technik vor , die rund um die Uhr, wetterunabhängig und in Echtzeit die Passantenbewegung erfasst. Der Datenschutz ist gesichert, wie die Chefin des Stadtmarketings, Petra Rosenbach, versichert. Die Laser erfassen Personen, die zwischen 1,20 und 2,50 Meter groß sind. Registriert wird nur die Bewegungsrichtung, es werden keine Bilder oder Videoaufnahmen gemacht. Auch eine Unterscheidung zwischen Männern und Frauen ist nicht möglich. Die Zähler werden an Fassaden auf einer Höhe von acht bis 15 Metern installiert. Die Höhe richtet sich nach der Breite der zu erfassenden Straße.

Die Zählgenauigkeit liegt nach Herstellerangaben bei 99 Prozent. Und das ist aus Sicht der Kaufleute und des Stadtmarketings das entscheidende Kriterium. Denn verlässliche Daten über Passantenströme in der Stadt gibt es bislang nicht. Alle Daten beruhen auf Zählungen, und die sind angreifbar.

Es ist ein jährliches Ritual: Wenn das Immobilienberatungsunternehmen Jones Lang LaSalle aus Frankfurt die Ergebnisse der bundesweiten Passantenzählungen verkündigt, klatschen die Sieger und rechtfertigen sich die Ver5rlierer. 2012 ließ Jones Lang LaSalle am Samstag, 21. April, zwischen 13 und 14 Uhr die Passanten in der nördlichen Großen Straße zwischen Nikolaiort und Jürgensort zählen . 4800 Menschen bedeutete damals erneut Platz zwei in Niedersachsen nach Hannover (8815). Ein Jahr zuvor waren es in Osnabrück sensationelle 6465 Passanten gewesen – also 25 Prozent mehr. Der Grund: Es war der Tag der „Einkaufsgala“.

Solche Sondereffekte schmälern die Aussagekraft der Ergebnisse. Die Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing (BCSD) sprach 2013 von einem „Unding, dass die öffentliche Wahrnehmung von Geschäftsstraßen und auch weitreichende Geschäftsentscheidungen von sporadisch erhobenen, völlig unzuverlässigen Zahlenwerken abhängig gemacht werden“.

Osnabrück ist da schon weiter. Der Probebetrieb läuft. Die Passantenzahlen können fortlaufend über einen geschützten Internetzugang verfolgt werden. Die Rechner präsentieren die Frequenzzahlen ganz nach Wunsch: in bestimmten Minuten- oder Stundentakten, nach Tagen oder Uhrzeiten in verschiedenen Darstellungsformen.

Aufgrund der in den ersten Wochen erhobenen Zahlen wissen wir jetzt: Die frequenzstärkste Zeit ist der Nachmittag zwischen 15 und 16 Uhr und nicht die Mittagsstunde, wie häufig vermutet. Die Zahl der Passanten ist im Advent von Samstag zu Samstag gestiegen. Den Neumarkt-Messpunkt beispielsweise passierten am zweiten Adventssamstag zwischen 15 und 16 Uhr 4224 Menschen in Richtung Innenstadt, in Gegenrichtung waren es etwas weniger.

Die Kosten teilen sich die IHK, die Stadt Osnabrück, die Wirtschaftsförderung, das Stadtmarketing und einzelne Kaufleute, die ein Interesse an den Daten haben. Petra Rosenbach zeigt sich „durchaus stolz“, dass das Projekt gemeinsam mit den privaten Partnern in so kurzer Zeit umgesetzt werden konnte. „Wir hätten das System schon viel eher gebraucht“, sagt die Marketingexpertin vor allem mit Blick auf die jahrelange Diskussion um das Einkaufszentrum am Neumarkt. Dennoch: Mit dem System würden Frequenzverschiebungen und Veränderungen der Laufwege identifizierbar und ermöglichten es dem Handel, sehr schnell zu reagieren. Auch ließe sich so der Erfolg von Marketingmaßnahmen klarer ermitteln, so Petra Rosenbach.

Und das Stadtmarketing muss in Zukunft nicht mehr die Zahl der Besucher von Maiwoche oder Weihnachtsmarkt über den Daumen schätzen. Ob es 600000 waren, wie nach der Maiwoche immer gern und ohne nachvollziehbar Erklärung behauptet, oder vielleicht nur die Hälfte – bald werden wir es wissen.


Die Passantenzählung per Laser ist ein Abfallprodukt aus der industriellen Laserscan-Technik. Die Firma Lase PeCo Systemtechnik setzte die maschinelle Frequenzzählung erstmals in der Autostadt in Wolfsburg ein. Volkswagen wollte genau wissen, wie viele Menschen sich wann in der Autostadt aufhielten. Inzwischen nutzen etwa 20 Städte in Deutschland diese Technik, darunter Köln, Kerpen und Wesel, der Sitz der Firma. Auch in Schweden, Österreich und der Schweiz kommen die Passanten-Laser zum Einsatz. Ein wichtiges Einsatzgebiet sind Massenveranstaltungen wie Open-Air-Konzerte. Seit der Love-Parade-Katastrophe von Duisburg achten die Ordnungsbehörden sehr genau darauf, dass Besucherkapazitäten nicht überschritten werden. Die Laser-Zähler geben sekundengenau Auskunft, sodass Veranstalter den Zugang regulieren können. Beim „Rock am Ring“ zum Beispiel zählen Laser fortlaufend die Menschen vor den einzelnen Bühnen, um eine Überfüllung zu vermeiden. Auch Diskotheken-Besitzer greifen auf die Laser zurück.

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