Tipps zu Silvester Feuerwehr Osnabrück: Hände weg von „Polenböllern“

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Die sogenannten Polenböller können schwere Verletzungen verursachen. Foto: dpaDie sogenannten Polenböller können schwere Verletzungen verursachen. Foto: dpa

ski/dpa/pm Osnabrück. Damit das Feuerwerk zu Silvester unfallfrei über die Bühne geht, rät die Feuerwehr Osnabrück, dringend ein paar Sicherheitshinweise zu beachten. Sogenannte „Polenböller“ gehören nicht ins Knallersortiment.

In Polen kann man die Knaller mit peppigen Namen wie „Revolution“ und „DumBum“ für ein paar Euro einkaufen. Laut dem Frankfurter Hauptzollamt sind es vor allem Jugendliche, die sich mit den Böllern eindecken. Das berichtet der Berliner Tagesspiegel. „Allein im Dezember haben wir bisher schon mehr als eine halbe Tonne dieser gefährlichen Böller sichergestellt“, sagte ein Beamter gegenüber dem Tagesspiegel. „Abgetrennte Finger, zerrissene Hände oder andere schwere Verletzungen sind leider keine Seltenheit“, berichtet Polizeisprecher Marco Ellermann von der Polizeidirektion Osnabrück.

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Laut Osnabrücker Feuerwehr sind die Knaller brandgefährlich. Sie können unter anderem Schwarz-, Metallpulver und andere Substanzen enthalten. „Diese können beim Entzünden schwere Verletzungen verursachen. Zündschnüre sind bei Polenböllern nicht abgenommen, somit ist die Brenndauer mit anschließender Zündung nicht vorherzusagen“, betont die Feuerwehr in einer Pressemitteilung. Aber nicht nur Polenböller sind gefährlich, auch legale Knaller können bei falscher Handhabung Unheil anrichten.

Handverletzungen: Pyrotechnik, die noch in der Hand explodiert, ruft mit die schlimmsten Verletzungen hervor. Abgerissene Finger samt durchtrennter Knochen, Nerven und Blutgefäße gehören noch zu den harmloseren Fällen, sagt der Chefarzt der Klinik für Hand-, Replantations- und Mikrochirurgie des Unfallkrankenhauses Berlin, Andreas Eisenschenk: „Im schlimmsten Fall verlieren Patienten die ganze Hand.“ Bei schweren Handverletzungen müssen sie bis zu fünf Wochen im Krankenhaus bleiben. „Um die Hand so weit wie möglich wieder zu rekonstruieren, braucht es meist weitere Operationen.“

Gehör: Knalltrauma nennen Experten Verletzungen des Gehörs, die von Explosionen in nächster Nähe verursacht werden. Durch den Druck des Schalls kann das Innenohr geschädigt werden. Patienten hören dann vorübergehend schlecht und haben ein Fiepen im Ohr, sagt der Notfallmediziner Tobias Lindner von der Berliner Charité. Manchmal seien Hörstörungen auch dauerhaft.

Augen: Neben Gehörschäden zählen Augenverletzungen zu den häufigsten Gründen, warum Menschen an Silvester in die Notaufnahme kommen: Durch den Funkenflug oder Hitze kommt es zu Sehschwächen, die teilweise irreparabel sind, sagt der Berliner Mediziner Eisenschenk. Eine Empfehlung zum Tragen einer Schutzbrille fordern Augenärzte auch hierzulande, wie die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) mitteilte. In anderen Ländern gebe es die Brillen beim Kauf von Feuerwerk gratis.

Verbrennungen: Sie entstehen nicht nur durch den direkten Kontakt mit Feuerwerkskörpern. „Funkenflug oder die Nähe zu einem explodierenden Knaller kann ausreichen“, sagt Lindner von der Charité. Typisch seien lokale, aber sehr heftige und tief reichende Verbrennungen, erläutert der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin, Bert Reichert. Meist sei eine OP unausweichlich. Bei Patienten mit kleineren Verbrennungen könne es dauern, bevor ein Arzt aufgesucht wird: „Manche unterschätzen die Schwere der Verletzung in der Nacht.“

Hosentasche: Selten, aber umso gefährlicher sind Fälle explodierender Knaller in der Hosentasche. Am Unfallkrankenhaus in Berlin komme es ein bis zweimal pro Jahr vor, dass Patienten mit Verletzungen bis hin zu den Genitalien eingeliefert würden, sagt Eisenschenk. Knaller explodierten, weil sie aneinander oder an ebenfalls in der Tasche aufbewahrten Streichhölzern reiben, sagt der Mediziner.

Kinder: Sie erleiden Verbrennungen vor allem durch die Unachtsamkeit zündelnder Erwachsener, wie Mediziner Reichert sagt. Unfälle passieren nach Einschätzung von Experten aber auch häufig an den Tagen nach Silvester, wenn Kinder in den Überresten des Feuerwerks nach nicht gezündeten Knallern suchen. Solche Blindgänger explodieren dann im schlimmsten Fall unerwartet doch noch.

Die Osnabrücker Brandschutzexperten raten, Systemfeuerwerke zu kaufen. Nach dem Entzünden habe man bei den meisten Feuerwerken sechs bis acht Sekunden Zeit sich zu entfernen. Die Böller sollten nach Möglichkeit mit Zündlichtern, Stabfeuerzeugen oder langen Zundhölzern angesteckt werden.

Als Startrampen für Raketen sollte eine leere Kiste mit Flaschen benutzt werden, damit die Flaschen einen sicheren Stand haben. „Fällt eine einzelne Flasche mit einer gezündeten Rakete um, birgt es eine riesige Gefahr“, so die Feuerwehr. Überdies sollte sicher gestellt werden, dass alle Mülltonnen geschlossen sind, um auszuschließen, dass eine irregeleitete Rakete einen Brand entfacht. Aus demselben Grund sollten auch Dachluken, Balkontüren und Fenster während der Knallerei geschlossen bleiben.

Brennbare Gegenstände sind vom Balkon zu nehmen. Zur Sicherheit sollten ein Feuerlöscher oder ein Eimer Wasser bereitstehen. Raketen und Feuerwerkskörper wie Kanonenschläge und Böller sollten nie aus der Hand gestartet werden, sondern immer von einem festen Untergrund aus.

Kommt es dennoch zu einem Brand, rät die Feuerwehr, die Tür zu dem brennenden Raum zu schließen, um eine Brandausbreitung zu verhindern und dann die Feuerwehr zu rufen.

Brandverletzungen sind mit kaltem Wasser zu kühlen und nach Möglichkeit steril zu verbinden. Die Rettungskräfte weisen darauf hin, dass Feuerwerkskörper der Klasse BAM P 2 wie Leuchtraketen, Fontänen, Batterien sowie Verbund- oder Kombinationsfeuerwerke nur an den drei Verkaufstagen zu Silvester an Personen über 18 Jahren verkauft werden dürfen. Nur Volljährige dürfen diese Böller abbrennen.

Laut Feuerwehr Osnabrück soll der geschätzte Umsatz an Silvesterfeuerwerk in diesem Jahr bei 124 Millionen Euro liegen, 20 Prozent davon werden für Raketen ausgegeben, 20 Prozent für Familiensortimente und 45 Prozent für Verbundfeuerwerke.


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