Verkaufsoffener Sonntag Mit vollen Tüten durch die Osnabrücker Innenstadt


Osnabrück. Ein verkaufsoffener Sonntag unmittelbar nach den Weihnachtsfeiertagen: Klar, dass die Osnabrücker Innenstadt da nicht leer blieb. Vor einigen Parkhäusern bildeten sich Autoschlangen.

Nach dem Fest warteten Tausende verschenkte Gutscheine auf Einlösung, manch einem brennt das Weihnachtsgeld in der Tasche. Außerdem kann nicht jedes Geschenk ein Volltreffer sein, diverse Umtausche müssen darum dringend getätigt werden.

So zog es am Sonntag bei winterlichen Temperaturen zahlreiche Menschen in die Geschäfte. „In aller Ruhe in den Cafés der Osnabrücker City frühstücken und anschließend mit der ganzen Familie einen entspannten Bummel durch die Geschäfte unternehmen“, warb die Stadt Osnabrück auf ihrer Website für den Termin: Ob das jeder Besucher so empfand, der sich am Sonntagnachmittag durch die gut gefüllte Große Straße schob, sei dahingestellt. Aber ob entspannt oder nicht: Die Leute kamen und kauften.

Preisnachlässe auf Saisonware

Ein Schwerpunkt lag erwartungsgemäß auf Kleidung. Nicht nur bei L+T lockten Angebote überdurchschnittlich viel Kundschaft an. „Winter-Sale bis zu 70 Prozent“ – so oder ähnlich bewarben fast sämtliche Bekleidungsgeschäfte ihre reduzierte Ware. Bei solchen Preisnachlässen lohnt sich das Stöbern, zudem lagen die Temperaturen um den Gefrierpunkt. Das dürfte nicht wenige erinnert haben an den Bedarf für warme Wintersachen, der sich noch ganz gut ignorieren ließ bei dem milden Wetter in den vorangegangenen Tagen.

Ebenfalls weit vorne in der Käufergunst: Unterhaltungselektronik. Scharen von Interessenten drängten sich in den Fachgeschäften um Spielekonsolen und Flachbildschirmen. An jeder Ecke fanden harte Verhandlungen statt, etwa zwischen Eltern und Nachwuchs, Marke „Reicht die Xbox vom Vorjahr noch, oder ist es schon Zeit für ein Upgrade?“ Bei langen Schlangen an den Kassen wurde den Mitarbeiterinnen auch hier zu keiner Zeit langweilig.

Die Chance auf guten Umsatz am verkaufsoffenen Sonntag ließ sich kaum ein Geschäft in der City entgehen, aber nicht alle machten mit. Das „Rohlfing Musikland“ etwa blieb geschlossen – an sich wenig aufsehenerregend, wäre da nicht ein kleines Schild, dezent platziert auf einem Klavier im Schaufenster: „Menschen sind uns wichtiger als Konsum! Deshalb öffnen wir sonntags nicht!“ „Das Schild zieht große Kreise und stößt auf sehr viel positive Resonanz“, sagt Rohlfing-Inhaber Wilfried Tammen. Über die Gründe für seine Entscheidung gibt er gern Auskunft: „Mit Großspurigkeit nach dem Motto ‚Wegen Reichtum geschlossen‘ hat das nichts zu tun. Die Mitarbeiter haben den Sonntag einfach verdient.“ Für Wilfried Tammen persönlich spielen dabei auch religiöse Gründe eine Rolle, aber er sieht die Nicht-Teilnahme in einem größeren Zusammenhang. Die psychische Belastung in der Bevölkerung wachse, viele seien nervlich am Ende.

„Das zeigt doch, dass im Leben etwas nicht richtig läuft.“ Der Zusammenhang von unbedingtem Wirtschaftswachstum mit Konsum- und Leistungsdruck und daraus resultierenden psychischen Problemen ist offensichtlich für den gelernten Klavierbauer. „Das kann nicht immer so weitergehen. Meines Erachtens haben wir diese Schraube schon überdreht.“ Ihm ist klar, dass die Weigerung, am verkaufsoffenen Sonntag teilzunehmen, keine weltbewegende Maßnahme ist. Ein Zeichen setzen möchte er damit aber dennoch: „Man muss eben im Kleinen anfangen.“ Auf Weihnachten 2015 freut Wilfried Tammen sich jetzt schon, denn der erste Weihnachtstag fällt dann auf einen Freitag: „Drei freie Tage hintereinander – wunderbar!“


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