„Luz y Sombra“ in Osnabrück Reduzierter Tango Nuevo im Piesberger Gesellschaftshaus

Luz y Sombra beim Weihnachtskonzert. Foto: Klaus LindemannLuz y Sombra beim Weihnachtskonzert. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Ein Konzert, eine Geschichte und eine kleine Weltreise: Mit Astor Piazolla stand ein prominenter Wegbereiter des „Tango Nuevo“ im Mittelpunkt des diesjährigen Tango-Weihnachtskonzerts im Piesberger Gesellschaftshaus.

Seine Geschichte und die seiner Lieder erzählte das Berliner Trio „Luz y Sombra“ auf den Säulen von nur drei Instrumenten: Mit Klavier, Klarinette und Violine näherte sich die Gruppe dem Werk des Argentiniers auf ganz eigene Weise.

Piazolla zu spielen heißt immer auch, über die Grenzen des Tangos hinauszugehen: In Buenos Aires geboren, war die Begegnung des Komponisten mit dem Tango bereits in frühester Jugend unvermeidlich. Weitere Einflüsse seines Werkes finden sich im Jazz. Oder auch bei Bach.

Mit dem Octeto Buenos Aires geriet Piazolla gewissermaßen zum Reformator des Tangos: Mit zunächst zwei Bandoneons, zwei Violinen, einem Bass, einem Cello, einem Klavier und einer E-Gitarre kreierte Piazolla jenen Stil des „Tango Nuevo“, dem Kritiker lange Zeit Untanzbarkeit vorwarfen.

Es sollte bis zum Ende des Konzertes im Piesberger Gesellschaftshaus dauern, ehe „Luz y Sombra“ diesen Vorwurf entkräfteten: „Man kann durchaus dazu tanzen“, ließ Violinistin Miriam Erttmann vor dem Zugabenblock verlauten – ein Appell, der tatsächlich Früchte trug.

Bis dahin hatten die drei jungen Musikerinnen ihr Publikum mit auf eine emotionale Reise durch die Welt des Tangos à la Piazolla genommen: Trotz verkleinerter Besetzung blieben Vielschichtigkeit und Tiefgang der Kompositionen gewahrt, blieben die Spannungsbögen erhalten. Die Verknüpfung von Werk und Wesen Piazollas als übergeordnetes Narrativ des Abends spiegelte das Repertoire: „Michelangelo 70“ entführt in eine kleine, zwielichtige und von wilden Eskapaden heimgesuchte Tango-Kneipe des Buenos Aires der 40er- oder 50er-Jahre.

Exemplarisch für das Werk Piazollas zudem auch die Interpretation von „Fuga y misterio“: Die rhythmische Kraft des Originals bleibt im Zusammenspiel erhalten, ebenso bewahren die Fugen im reduzierten Arrangement ihre Wirkung, ehe das furiose zweite Thema im langsameren, gesetzten Tempo des Schlussparts verebbt.


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