Technisierung der Pflege Osnabrück: Neues Gerät erinnert ans Trinken

Die Trinkerinnerung „OBLI“ wurde präsentiert von Martin Schnellhammer, Ewald Niemann-Meinberg vom Verein Bauen & Wohnen barrierefrei, Lars Nieuwenhoff und Gerd Leichtenberger von der Firma Cordes & Graefe. Ab Ostern soll das Gerät bei einer Ausstellung in den Räumen der Firma Cordes & Graefe zusehen sein. Foto: Klaus LindemannDie Trinkerinnerung „OBLI“ wurde präsentiert von Martin Schnellhammer, Ewald Niemann-Meinberg vom Verein Bauen & Wohnen barrierefrei, Lars Nieuwenhoff und Gerd Leichtenberger von der Firma Cordes & Graefe. Ab Ostern soll das Gerät bei einer Ausstellung in den Räumen der Firma Cordes & Graefe zusehen sein. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Demografischer Wandel und Pflegenotstand belasten die Gesundheitseinrichtungen. Damit Menschen möglichst lange eigenständig in ihren Wohnungen leben können, sollen neue Technologien zukünftig Angehörige und Pflegekräfte entlasten und Arbeiten erleichtern. Einen Ausblick darauf gibt das „OBLI“, ein Trinkerinnerungsgerät, das in der Region entwickelt wurde. Ab Ostern soll es in einer Dauerausstellung zu sehen sein.

Auf den ersten Blick sieht „OBLI“ relativ unspektakulär aus. Es handelt sich dabei lediglich um einen runden Kunststoffsockel, auf dem eine Wasserflasche platziert wird. Seine Aufgabe scheint ebenfalls klar: Es erinnert den Nutzer daran, regelmäßig und ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Hinter der harmlosen Fassade versteckt sich jedoch ein hochkomplexes Gerät, das in seiner Funktion einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit von älteren Menschen leisten soll. „Eine Flüssigkeitszufuhr von nur 1,1 Liter am Tag führt auf Dauer zu einem Krankenhausaufenthalt“, warnt Martin Schnellhammer, Geschäftsbereichsleiter des Living Lab Wohnen und Pflege der Hochschule Osnabrück. Als eine Gemeinschaftsarbeit mit der Caritas-Sozialstation Melle und dem holländischen Projektpartner Fresh Idea Factory testeten und entwickelten die Plattform für Forschung, Industrie, Dienstleister und Nutzer das Gerät mit.

Fünf Frauen in einem Alter von 92 bis 95 Jahren erprobten den modernen Trinküberwacher und seinen Effekt auf das persönliche Trinkverhalten. Das Ergebnis: Die Flüssigkeitsaufnahme steigerte sich von rund 1,1 Liter am Tag auf 1,7 Liter. Die Lebensqualität steige und die Menschen leben gesünder, meint Lars Nieuwenhoff von der Fresh Idea Factory. Die Idee zu „OBLI“ kam seinem Kollegen Vil Philipsen, nachdem dessen Vater an Austrocknung gestorben war. Rund ein Drittel aller Menschen trinken Tag für Tag zu wenig.

In Zukunft soll die Dehydrierung der Vergangenheit angehören. Dazu wird eine Wasserflasche gefüllt und im Sockel platziert. Eine Waage misst die enthaltene Wassermenge. Die individuell auf die Person eingestellte Flüssigkeitsmenge wird in Intervalle gegliedert. Über den Tag verteilt erinnert „OBLI“ den Benutzer mithilfe einer Farbleuchte in Grün, Orange und Rot an das Trinken. Der Clou: Eine erweiterte Version des Geräts ist mit dem Internet verbunden.

Daten sind online

„Trinkt Ihre Mutter zu wenig, bekommen Sie vom ‚OBLI‘ eine Meldung“, beschreibt Schnellhammer. Angehörige oder Pflegekräfte können sich daraufhin, etwa mit einem Anruf sich nach einem Problem erkundigen. Eine direkte Einsicht in die gesammelten Daten zum Trinkverhalten ist ebenfalls möglich. Darüber hinaus zieht sich die Trinkhilfe die aktuelle Wettervorhersage aus dem Netz und passt die Trinkmenge an. So wird auch bei Hitze eine ausreichende Versorgung sichergestellt.

„OBLI“ soll als Teil einer geplanten Dauerstellung in der Badausstellung der Osnabrücker Firma Cordes & Graefe zu sehen sein. Die Projektpartner Living Lab Wohnen und Pflege und der Handwerkerverein Bauen & Wohnen barrierefrei wollen ein Gesamtbild über mögliche technische und bauliche Hilfsmittel bieten. Bis Ostern soll die Ausstellung erweitert und dann offiziell eröffnet werden.

Mit Oliver Kutza, Daniel Hinkerode, Torsten Schnitger, Ulrike Keim, Paul Hagen, Heike Bohm und Cleo Koch erhielten derweil Pflegekräfte aus Osnabrücker Kliniken, Pflege- und Gesundheitseinrichtungen ein Zertifikat für die Teilnahme an einem Pilotkurs des Kompetenzzentrum Gesundheitswirtschaft Gewinet, des Bildungswerks Verdi Region Osnabrück und der Universität Osnabrück zum Thema „Technisierung der Pflege“. Neben der Vorstellung neuer Technologien und der Klärung technischer und ökonomischer Fragen diskutierten die Teilnehmer auch den ethischen Aspekt der Technisierung von Pflege.


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