Bunt zusammengewürfelt Team im Osnabrücker Flüchtlingshaus wächst zusammen



Osnabrück. Es mag ein Glücksfall sein. Oder es liegt am guten Netzwerk der Diakonie. Ganz sicher aber liegt es am großen Engagement aller Beteiligten: Das aus allen Bereichen bunt zusammengewürfelte Team im Osnabrücker Flüchtlingshaus hat sich schnell zu einem gut geölten Räderwerk entwickelt. Die Arbeit läuft und macht offensichtlich Spaß.

Wer hat schon einen Verwaltungschef, der nicht nur organisieren, sondern auch Arabisch sprechen kann? Wadie Lacfer ist so ein Spezialist. Der Diplom-Kaufmann stammt aus einer Einwandererfamilie und hat sich für die Stelle im Flüchtlingshaus beworben. Auf dem Weg zu seinem Büro hat er für die Flüchtlinge – die meisten der ersten Gäste stammen aus Syrien – immer ein paar Worte übrig. Er schaut auch mal in die Zimmer, um zu fragen, ob alles in Ordnung ist.

„Die Menschen fühlen sich wohl, wenn sie ihre Heimatsprache hören“, sagt Hannan Assad. Die gebürtige Syrerin, die seit fünf Jahren einen deutschen Pass hat, ist glücklich, dass sie eine Stelle im neuen Flüchtlingshaus bekommen hat. Vorerst nur halbtags, denn zu Hause kümmert sie sich um zwei Kinder. Schon seit Jahren ist die Wallenhorsterin aktiv für Flüchtlinge. Sie absolvierte eine Ausbildung als Sprach- und Kulturvermittlerin beim Caritasverband und arbeitete auch schon in der Bramscher Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Dort gab sie Wegweiserkurse, eine erste Sprach- und Kulturorientierung für Flüchtlinge.

Hannan Assad hat selbst noch Angehörige in Syrien. Sie kennt die Sorgen der Flüchtlinge aus eigenem Erleben. Und sie hat großes Verständnis dafür, dass viele der gerade in Osnabrück Angekommenen über die Feiertage ihre schon in Deutschland lebenden Familienangehörige treffen wollten. Um in andere Städte oder Bundesländer reisen zu können, wurden entsprechende Bescheinigungen ausgestellt.

Residenzpflicht

Damit werden die Asylsuchenden für einen bestimmten Zeitraum von der Residenzpflicht entbunden, das heißt, sie dürfen über den gesetzlich möglichen Aufenthaltsbereich hinaus unterwegs sein. Auch im noch kleinen Team des für das Flüchtlingshaus engagierten Sicherheitsdienstes „secura protect“ ist ein Mitarbeiter, der Türkisch und Arabisch sprechen kann. Der Hamburger Dienst ist bereits für die Bramscher Erstaufnahmeinrichtung tätig und einige Mitarbeiter sind nach Osnabrück gewechselt, um neue hier einzuarbeiten.

Die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes werden ebenso wie die anderen im Gesamtdienst in den kommenden Wochen bei der Diakonie- Facheinrichtung „Faust“ ein Deeskalationstraining absolvieren, kündigt Hinrich Haake, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Osnabrück und kommissarischer Leiter des Flüchtlingshauses, an. Sie sollen lernen, mögliche Konflikte mit oder unter den Bewohnern zu schlichten. Weiter sind Schulungen zum Thema Trauma geplant.

Die Mitarbeiter sollen erkennen können, ob bestimmte Verhaltensweisen der Flüchtlinge auf traumatische Erlebnisse zurückzuführen sind.

Wahrhaft stressige Tage hat Julia Dincer hinter sich. Die Leiterin der Hauswirtschaft im Diakoniewohnstift trägt die Verantwortung für die Beköstigung der Flüchtlinge. Kein Schweinefleisch steht auf dem Speiseplan, aber was kann alles angeboten werden? Am ersten Tag wurden nur vier Liter Kaffee getrunken, aber 40 Liter Milch. Entsprechend gut musste die Planung der Einläufe über die Feiertage ablaufen. Gekocht wird im Hermann-Bonnus-Haus. Und weil Babymilchprodukte derzeit rationiert sind, zog Julia Dincer mit zwei Kolleginnen los, sodass sie zusammen neun Produkte für Kleinkinder kaufen konnten. „Wir schaffen das schon“, sei in den Tagen der Vorbereitung der am meisten gesprochene Satz gewesen, lächelt Haake.

Unterdessen hat sich Christiane Reinhardt im Spielzimmer zu einigen Kindern an einen kleinen Tisch gesetzt. Sie ist eine von den vielen freiwilligen Helfern, die kein Aufsehen um ihre Person machen, die einfach helfen können. Sie reicht den Jungen und Mädchen Stifte und ermuntert sie zum Malen.

Am 5. Januar sollen in Osnabrück die ersten Wegweiserkurse in Osnabrück beginnen. Die Diakonie erhält dabei, ganz „osnabrückisch“, Unterstützung von der Caritas.


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