Jenseits von Helene Fischer Blues Company begeistert mit Akustik-Gig im Blue Note

Sind sich über die Jahre treu geblieben: Todor „Toscho“ Todorovic und seine Blues Company. Foto: Klaus LindemannSind sich über die Jahre treu geblieben: Todor „Toscho“ Todorovic und seine Blues Company. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Alle Jahre wieder: Zum neunten Mal beschert die Blues Company dem Publikum zu Weihnachten im Blue Note einen stimmungsvollen Korb voller Musik. Die Traditionsshow „Rock around the Christmas Tree“ wird in diesem Jahr zu einer Art CD- und DVD-Präsentation, bevor die Truppe Weihnachtslieder im Bluesformat auftischt.

Todor „Toscho“ Todorovic lässt keinen Zweifel aufkommen: „You like Helene Fischer, but I keep on singing the Blues“, singt er in einem Song vom brandneuen Album „Ain’t Nothing But…“. Schon oft hätten ihn Bekannte und Fans gedrängt, doch mal „was Kommerzielles“ zu machen oder auf Deutsch zu singen, um neue Hörer zu akquirieren. Er habe sich aber lieber nach dem Sprichwort gerichtet: „Schuster, bleib bei deinem Leisten!“ Daher sei er zwar immer noch nicht reich, dafür aber sich selber treu.

Und wie sagt eine Zuhörerin im Blue Note: „Nur wenn man Spaß an den Dingen hat, die man macht, werden sie wirklich gut.“ Richtig. Man spürt, dass die Musiker der Blues Company mächtig Spaß an ihrer Mischung aus zünftigen Zwölftaktern, mitreißenden Ryhthm-’n’-Blues-Nummern und diesen Songs haben, die Soul- oder Rock-’n’-Roll-Stilistiken aufweisen.

Wie üblich haben Toscho, Mike Titré, Drummer Florian Schaube und Bassmann Arnold Ogrodnik am ersten Weihnachtstag zunächst nur die akustischen Instrumente ausgepackt, um der Stimmung des Feiertages gerecht zu werden. Da sitzen sie also ganz entspannt und interpretieren in der ersten Hälfte des Konzerts Songs vom neuen Album – dem Mitschnitt des „Silent Concert“ im April des Jahres in der Lagerhalle. Bei dem sogenannten Kopfhörerkonzert begeisterte die Blues Co. mit neuen Songs wie „Till the Lights Go Out“ oder „Things Won’t Be the Same“ im exklusiven Ambiente. Jetzt animieren die Songs im Akustik-Modus.

Eine musikalische Widmung sendet das Quartett seinem russischen Tourmanager Jewgenij und dessen zahlreichen Geliebten. Mit „Driving through Texas“ werden die Fans mit auf einen Roadtrip durch den Süden Amerikas bis nach Mexiko genommen. „Hier geht’s um Sheriffs, Knarren und Mörder-Frauen“, erklärt Titré, der auch gleich den Frontgesang übernimmt, um wie üblich einen rustikaleren Touch in den Sound einzustreuen. Er greift bisweilen auch zur Mundharmonika, derweil Schaube die Felle mit den Besen streichelt und mit Klöppeln dezent zum Schwingen bringt. Ogrodnik, für ein wohltönendes Bassfundament zuständig, erhält Freiraum für zwei starke Soli.

Schließlich wird es, wie erwartet, festlich. Zwar hat Toscho vor der Pause versprochen: „Gleich kommen wir mit Rauschebärten und rotweißen Mänteln wieder.“ Doch das war wieder einer seiner aparten Witze, denn er und seine Kollegen betreten die Bühne wie gewohnt: in Schwarz. Und singen stimmungsvoll vom „X-Mas Eve in Germany“ oder begeben sich in die nicht jugendfreie Abteilung, in der Santa Claus durch die Hintertür hereinkommt, um die Dame des Hauses feierlich zu verführen. Aber der Blues Company geht es nicht nur um Spaß und gute Laune.

„Ich habe Angst, dass das nächste Jahr nicht friedlich wird“, sagt Toscho in Anbetracht der vielen Krisenherde auf der Welt und vor allem im Osten Europas. Daher stimmt er einen ihrer größten Songs an, den Antikriegsblues „Red Blood“. Schaube begleitet atmosphärisch mit der Conga, und zusammen lässt die Band den Song mit einem Stimme-pur-Refrain ausklingen. Großartig. Tatsächlich sollte die Blues Co. die Chance bekommen, das Lied in dieser Form mal ein paar politischen Entscheidungsträgern dieser Welt vorzuspielen.

Das Konzert heute Abend mit Strom und Bläsersektion ist bereits ausverkauft, derweil es für Sonntagabend, 28. Dezember, 20.30 Uhr, noch Karten gibt.


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