Keine Polizei Privatdetektiv in Osnabrück - Diskretion Ehrensache



Osnabrück. Wenn Alf Emminghaus eines gar nicht mag, dann sind das Klischees über Privatdetektive. Zeitungsberichte, in denen Geschichten über Privatdetektive illustriert werden mit Männern, die durch halb geschlossene Jalousien fotografieren, sind ihm ein Graus. „Das ist alles Quatsch, sagt Emminghaus.

Der Osnabrücker muss es wissen, 1961 hat er sein eigenes Detektiv-Büro gegründet. Seit 1971 hat die Detektei ihren Sitz in Osnabrück. „Fachinstitut für Wirtschaftskriminalistik“ steht auf den Visitenkarten. Emminghaus sitzt hinter einer gläsernen Schreibtischplatte, an den Wänden hängen Drucke berühmter Maler. Quatsch seien auch diese ganzen Fernsehkrimis von Matula bis Sherlock Holmes, sagt Emminghaus: „Mit dem Beruf eines Privatdetektivs hat das nichts zu tun.“

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Bevor er sich selbstständig gemacht hat, lernte Emminghaus als angestellter Detektiv in einer Osnabrücker Detektei das Handwerk. Mittlerweile ist Emminghaus 81 Jahre alt. Seit über zwölf Jahren ist auch Sohn Adolf an Bord. Der 45-Jährige hat vorher Internetunternehmen beraten, er ist gelernter Jurist. Sein Vater hat ein Wirtschaftsdiplom.

Ihre Fälle drehen sich oft um Unterschlagung, Diebstahl, Veruntreuung. Kunden sind kleine, mittlere und manchmal auch große Unternehmen. „Man muss logisch denken können und ein Gefühl für Menschen haben“, sagt Adolf Emminghaus. Ansonsten brauche man ein Auto, ein Telefon, einen Fotoapparat und natürlich ein Laptop. „Das ist die Grundausstattung für einen Detektiv.“ Zudem hat die Detektei ein Netz freier Mitarbeiter, an Kollegen in anderen Städten, an Experten, die sich mit Computerforensik oder Handschriftenanalyse auskennen. Zudem kann Adolf Emminghaus im Bedarfsfall ein Arsenal von Überwachungstechnik einsetzen.

Beweise werden dem Täter vorgelegt

Nicht einmal während seiner Karriere habe er die Polizei hinzugezogen, sagt Adolf Emminghaus. Er macht den Eindruck, dass er darauf ziemlich stolz ist. Sein Geschäftsmodell basiert auf Diskretion. Am Ende eines gelösten Falles wird der Missetäter eben nicht der Polizei übergeben, auch wenn es sich um schweren Diebstahl oder Veruntreuung von Geldern handelt. „Die Firmen, die uns beauftragen, wollen solche Geschichten nicht an die große Glocke hängen. Das schädigt den Ruf.“

Stattdessen werden dem Täter die Beweise vorgelegt. Dann hat er die Wahl, das Ganze vor Gericht gehen zu lassen, mit dem Risiko, danach vorbestraft zu sein oder sogar ins Gefängnis zu müssen. Oder er akzeptiert, die geschätzte Summe seiner Unterschlagungen plus die Kosten für die Detektei zu übernehmen. Für das Unternehmen hat das den Vorteil, den Fall ohne großes Aufsehen zu den Akten legen zu können.

Zudem müsste der Täter bei einem rechtskräftigen Urteil nur den Teil des Geldes zurückzahlen, der ihm zweifelsfrei nachgewiesen werden kann. „Oft liegt die tatsächliche gestohlene Summe aber weitaus höher“, sagt Alf Emminghaus. Im Zweifelsfall zieht der Täter ein sauberes Vorstrafenregister vor und zahlt ein paar Tausend Euro mehr. Entlassen wird er so oder so. „Rausgeschossen“, heißt das in der Sprache der Emminghaus-Detektive.

Vorteile für Unternehmen

Für Unternehmen hat der Einsatz von privaten Ermittlern auch noch andere Vorteile. „Viele Firmen haben nicht so gerne die Kripo im Haus, weil sie ja nicht wissen, was die noch alles finden“, sagt Adolf Emminghaus. „Wir machen Schluss, wenn der Auftraggeber sagt: Es reicht. Die Ergebnisse behalten wir für uns.“ Zudem ermitteln die Detektive auch bei einem vagen Anfangsverdacht, der für die Polizei keinen Ermittlungsgrund darstellen würde.

Um eine Detektei zu eröffnen, braucht man zunächst nicht viel Kapital. Das ist ein Problem für den Berufsstand. „Jeder kann sich Detektiv nennen“, sagt Alf Emminghaus. „Viele haben keine Ahnung, was dieser Beruf eigentlich erfordert.“ Etliche Detekteien habe er im Laufe der Jahre in Osnabrück kommen und gehen sehen. „Dass die uns Arbeit wegnehmen, ist nicht so schlimm, aber sie machen den Ruf der Branche kaputt.“ Serien wie „Lenßen und Partner“ machen die Sache nicht besser. Auch der Presse traut Emminghaus eigentlich nicht so recht über den Weg.

Und die Sache ist: Es gibt keine spektakulären Verfolgungsjagden, keine Schlägereien, keine Kapitalverbrechen. „Und völlig falsch: Im Fernsehen bekommen Privatdetektive beim Observieren immer, immer einen Parkplatz“, sagt Adolf Emminghaus und lacht. Die Observation von Verdächtigen gehört allerdings auch in der Realität mit zum Geschäft. Nur dass die Wirklichkeit deutlich unglamouröser ist. „Manchmal wartet man die ganze Nacht umsonst und kommt mit steif gefrorenen Gliedmaßen nach Hause. Da fragt man sich schon, warum tut man sich das an?“, sagt Adolf Emminghaus.

Job als Polizist?

Und warum tut er sich das an? Wäre ein Job bei der Polizei nicht eine Alternative gewesen? „Das Leben als Detektiv ist freier. Nicht unbedingt angenehmer, aber freier. Ich finde es gut, nicht in eine Struktur eingebunden zu sein und mir sagen lassen zu müssen, welchen Fall ich jetzt bearbeiten muss, weil der Staatsanwalt das so will.“

Der Preis ist der Verzicht auf ein Privatleben. „Der Kunde erwartet, dass wir zur Stelle sind, wenn etwas Wichtiges passiert“, sagt Alf Emminghaus. Das sei einfach so. Urlaub oder ein Bier zu viel sind Ausnahmen. „Es ist kein Acht-Stunden-Job. Grundsätzlich müssen wir immer bereit sein, ins Auto zu springen und loszufahren.“

Schon als Schüler hat Adolf Emminghaus kleinere Rechercheaufträge und Observationen übernommen, anfangs mit dem Fahrrad, später mit dem Auto. Als Kleinkind war er zur Tarnung mit dabei, wenn sein Vater einen Verdächtigen observierte. „Nur bei ungefährlichen Aufträgen!“, sagt Alf Emminghaus. „Aber es gibt niemanden, der weniger auffällt als ein Vater mit seinem kleinen Sohn.“

Detektei übernimmt nicht jeden Fall

Die Detektei übernimmt nicht jeden Fall. Vor allem, wenn sie aussichtslos sind, werden Fälle abgelehnt. „Da muss man dem Kunden gegenüber ehrlich sein“, sagt Alf Emminghaus. „Man sollte keine falschen Erwartungen wecken.“ Auch Fälle, die mit Kapitalverbrechen zu tun haben, werden nicht angenommen. „Das ist Sache der Polizei. Wir hätten auch gar nicht den Apparat und die Strukturen, um so einen Fall lösen zu können. Die Polizei macht ihre Sache und wir unsere.“

Die Detektei lebt von ihrem Ruf. Kaltakquise funktioniere nicht. „Wenn es nichts zu ermitteln gibt, brauchen die Firmen auch keinen Detektiv“, sagt Adolf Emminghaus. Gelegentlich werden die beiden präventiv tätig und beraten Unternehmen, wie sie Diebstahl und Unterschlagung verhindern können. „Es wird mehr geklaut, als man denkt“, sagt Alf Emminghaus. Je nach Auftragslage schwanken die Jahresumsätze der Detektei. „Man kommt zurecht“, sagt Adolf Emminghaus.

Für ein Foto – versteht sich von selbst – stehen die beiden nicht zur Verfügung: „Wir müssen natürlich darauf achten, dass man uns bei Observationen nicht erkennt.“


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