Klimawandel schreitet voran Weiße Weihnacht ist in Osnabrück ein Auslaufmodell



Osnabrück. Weiße Weihnacht? Pustekuchen! Seit Wochen ist es mild, der Weihnachtsmann braucht einen Regenschirm. Schlechtes Wetter wäre ja noch zu verschmerzen, aber das Klima ändert sich: Heiße Sommertage nehmen zu, Frosttage werden selten. In den vergangenen 61 Jahren ist die Jahresdurchschnittstemperatur in Osnabrück schon um 1,5 Grad gestiegen.

Seit 1952 werden in Osnabrück die meteorologischen Daten kontinuierlich erfasst. Ulrich Greiten aus dem Fachbereich Umwelt und Klimaschutz hat die Statistiken ausgewertet und beim Temperaturanstieg einen klaren Trend ausgemacht. Obwohl es zwischendurch das eine oder andere kühle Jahr gab, zeigt die Kurve klar nach oben. Der Anstieg der Jahresmitteltemperatur um 1,5 Grad mag auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen. Vor dem Hintergrund, dass die internationale Klimapolitik einmal die Erderwärmung auf zwei Grad (seit Beginn der Industrialisierung) begrenzen wollte, erscheint der Osnabrücker Wert jedoch relativ hoch.

Greiten hat eine zweite Rechnung aufgestellt und die extrem niedrigen Jahresdurchschnittstemperaturen wie 1961, 1962 und 1996 ebenso außer Acht gelassen wie die extremen Höchsttemperaturen, die etwa 1999 und 2000 gemessen wurden. Dabei ergibt sich aus der Trendgeraden immer noch eine Steigerung um 1,4 Grad. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt betrug die Zunahme „nur“ 1,2 Grad.

Mehr Regen im Winter?

Der Klimawandel beschert uns mehr heiße Sommertage, an denen das Thermometer auf 25 Grad und mehr klettert. Seit 1960 hat sich ihre Anzahl mehr als verdoppelt. Extrem heiße Tage mit über 30 Grad gab es von 1950 bis 1960 nur vereinzelt. Inzwischen ist solch glühende Hitze an sechs bis 15 Tagen pro Jahr schon normal. Darüber mögen sich Grillfreunde oder Badegäste freuen – die heißen Nächte in der Stadt sind aber auch die mit den meisten Todesfällen.

Und nun zum Winter: Obwohl es noch vor zwei oder drei Jahren harten Frost und hohen Schnee gab, zieht Greiten ein klares Fazit: Die Frosttage mit einem Temperaturminimum von 0,0 Grad sind eindeutig auf dem Rückzug. Und die Zahl der „Eistage“, an denen das Thermometer nicht über null Grad steigt, verringert sich noch deutlicher. Die von vielen ersehnte weiße Weihnacht scheint sich zum Auslaufmodell zu entwickeln, wenn der Trend nicht bald gestoppt wird.

Manche Meteorologen sagen voraus, dass es bei fortschreitendem Klimawandel im Winter häufiger regnen wird. Aber für die Niederschläge hat Greiten keinen eindeutigen Trend ausmachen können. Allenfalls beim Starkregen scheint es Ausrutscher nach oben zu geben. Die statistische Einordnung erweist sich jedoch als schwierig, weil es sich meist um lokale Ereignisse handelt, die allerdings katastrophale Ausmaße annehmen können wie die Überschwemmungen im August 2010.

Grüne Finger immer wichtiger

Für den Fachbereich Umwelt und Klimaschutz stellt sich die Frage, wie die Stadt mit dem veränderten Klima umgehen soll. Schon seit mehr als zehn Jahren sind ökologische Kriterien in der Bauleitplanung verbindlich. Größere Flachdächer müssen demnach begrünt werden, es sei denn, der Bauherr kauft sich mit der Aufstellung von Solarzellen von dieser Verpflichtung frei. Immer wieder wird auf die Bedeutung der grünen Finger hingewiesen, über die in heißen Sommernächten frische Kaltluft in die Stadt fließen kann. Aber wenn es um Arbeitsplätze geht, verschwindet die eine oder andere Wiese doch von der Bildfläche. Ulrich Greiten findet es wichtig, dass sich die Stadt mit weiteren Schritten auf den Klimawandel einstellt. Dazu zählt er die Entsiegelung von Flächen, das Pflanzen großkroniger Bäume und das Versickern von Regenwasser auf dem eigenen Grundstück. Kleine Schritte, die nur einen Anfang markieren.


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