Weihnachtstraum der kleinen Marie Tschaikowskys „Der Nussknacker“ in der Osnabrück-Halle



Osnabrück. Peter Tschaikowskys Ballett „Der Nussknacker“ gehört zur Weihnachtszeit wie Stollen und Christbaum. In diesem Jahr gastierte damit das Russische Klassische Staatsballett in der Osnabrück-Halle.

Russisches Klassisches Staatsballett – das klingt doch nicht schlecht. Doch mal sollte sich davon nicht blenden lassen: In der ersten Liga spielen in Russland natürlich das Bolschoi in Moskau und das Kirow in St. Petersburg. In der Osnabrückhalle dagegen war die Truppe aus Mari El zu Gast. Das ist eine kleine autonome Republik östlich von Moskau, Hauptstadt ist die einzige Großstadt Joschkar-Ola. Ein wenig putzig sind auch einige der Titel, mit denen sich Choreograf Konstantin Iwanow schmücken darf: Ritter des Tanzes!

Immerhin scheint er aber als ehemaliger Bolschoi-Solist doch ein gefragter Mann gewesen zu sein und mag es jetzt als Choreograf sein. Man braucht jedenfalls die Leistung seines mit etwa zwei Dutzend Tänzerinnen und Tänzern gar nicht mal kleinen Corp de Ballet in Tschaikowskys Nussknacker nicht kleinzureden. In den beiden Hauptpartien beeindrucken Olga Chelpanova und Konstantin Korotkov, sie in der Rolle der Marie mit viel Spitzentanz und anmutiger Leichtigkeit – in einigen Szenen kommt sie von den Zehenspitzen kaum herunter –, er als Prinz mit Kraft und Eleganz. Und auch das Ensemble als Ganzes überzeugt. Viele Bewegungen dürften nach der „reinen Lehre“ des klassischen Balletts unbekannt sein, wirken aber nicht wie Fremdkörper, sondern passen im Gegenteil gut zur märchenhaften Handlung.

Die Musik zu dem bunten Spektakel kommt natürlich vom Band, und leider klingt das ziemlich miserabel. Der Musiker hätte wenigstens gerne gewusst, welches Orchester und welcher Dirigent denn zu hören sind.

E.T.A. Hoffmanns Erzählung um den Nussknacker und den Mausekönig ist ja leider gar nicht mehr allzu bekannt. Wenn überhaupt, dann wahrscheinlich durch Tschaikowskys Ballett, dessen Musik natürlich umso berühmter ist, jedenfalls sofern sie in die Ballett-Suite Eingang fand. Vertraut sind daher vor allem die Charaktertänze – wer könnte nicht den „Blumenwalzer“ mitsummen? Diese bekannten Nummern finden sich sämtlich im zweiten Akt. Zur festlich-weihnachtlichen Stimmung der Aufführung tragen natürlich auch die bunten historischen Kostüme von Tatjana Izucheva bei: Prunkvolle Kleider bei den Damen, ein effektvoll wehender schwarzer Flattermantel, wenn der Patenonkel Drosselmeier (Dmitrij Arbusov) als Zauberer erscheint, und ein Mäuseheer, das richtig fies aussieht.

Am Ende ist der ganze Spuk vorbei, die Puppen sind wieder Puppen – und alles war nur ein Traum der kleinen Marie.


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