„Wir waren sehr gute Freundinnen“ Kollegin sagt im Osnabrücker Mordfall Lilly aus

Mord im Eros-Center „Das rote Haus“ in der Eisenbahnstraße. Foto: Jörn MartensMord im Eros-Center „Das rote Haus“ in der Eisenbahnstraße. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Sie wirkt zerbrechlich, fast noch kindlich. Gerade mal 19 Jahre ist die Kollegin der im Juli dieses Jahres getöteten Prostituierten Lilly jung. Mit leiser Stimme antwortet die Frau auf die Fragen des Gerichts. Am dritten Verhandlungstag im Prozess gegen einen 23-Jährigen, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, die Prostituierte im Sommer aus Habgier ermordet zu haben, haben Menschen im Zeugenstand das Wort, die eine enge Beziehung zu der Getöteten hatten – neben der blutjungen Kollegin auch Lillys Freund.

Sie zeichnen das Bild einer fröhlichen und lebensbejahenden jungen Rumänin , die alles dafür tat, ihrem Sohn und ihrer Mutter in der Heimat ein besseres Leben zu ermöglichen. „Wir haben nur gewartet, bis ich meinen Führerschein habe, dann wollten wir zu ihrer Familie fahren“, sagt der 32 Jahre alte Lebensgefährte der getöteten Frau, die sich Lilly nannte. „Daraus wird jetzt ja nichts mehr.“

Ein besseres Leben

Lilly habe an jenem verhängnisvollen 2. Juli gegen Mittag die Wohnung verlassen, um im Roten Haus an der Eisenbahnstraße ihrem Broterwerb nachzugehen, beschreibt der Lebensgefährte die letzten gemeinsamen Stunden. Auch er sei noch kurz dort gewesen, um nach dem defekten Auto eines Bekannten zu sehen. Am frühen Abend habe er noch mit seiner Freundin telefoniert und ihr gesagt, wenn sie genug Geld verdient habe, solle sie doch nach Hause kommen. Sie aber habe weiterarbeiten wollen. Bei einem weiteren Anruf auf eben jenem Handy der Getöteten, das später bei dem Angeklagten gefunden wurde, habe ihm eine Männerstimme gesagt, Lilly sei unter der Dusche. Beunruhigt sei er in die Eisenbahnstraße gegangen. Dort habe er von einem Polizisten die schreckliche Wahrheit erfahren.

Eine fröhliche Frau

Und auch die junge Kollegin der ermordeten Prostituierten beschreibt Lilly als fröhliche Frau, deren Herz einzig für ihren Sohn und die krebskranke Mutter schlug. Sie seien sehr gute Freundinnen gewesen, hätten sich viel unterhalten, so die mädchenhaft wirkende 19-Jährige. Am 2. Juli habe sie den Angeklagten gesehen. Er sei ihr komisch vorgekommen, habe komisch gelacht, sagt sie.

Wie von allen weiteren Zeugen – unter anderem dem für die Sicherheit in dem Bordell zuständigen Mitarbeiter – will das Gericht von ihr wissen, ob es üblich gewesen sei, dass in den Zimmern der Mädchen, speziell in Lillys, Messer zu finden gewesen seien. Das sei es nicht, heißt es unisono. Weder der Security-Mann noch die junge Kollegin hatten ein Messer wie jenes, mit dem der Angeklagte auf sein Opfer einstach, zuvor bei Lilly gesehen. Der Angeklagte hatte ausgesagt , die Tatwaffe habe er auf einem Tisch im Zimmer der Prostituierten gefunden.


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