„Sie sind in Sicherheit“ Erste Flüchtlinge am Natruper Holz in Osnabrück begrüßt


Osnabrück. „Oh, we are famous“ („Wir sind berühmt“), entfuhr es einem jungen Afghanen, als er am Natruper Holz aus dem Bus stieg. Ein Pulk von Journalisten begleitete am Montag in Osnabrück die Ankunft der ersten 158 Flüchtlinge in der neuen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes. Begrüßt wurden sie dort vom niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius, Oberbürgermeister Wolfgang Griesert und Superintendent Friedemann Pannen.

Aus Syrien, Afghanistan und Pakistan kommen die meisten der ersten Gäste im ehemaligen Bundeswehrkrankenhaus . Sie haben ihre ersten Tage in Deutschland in Bramsche verbracht und zogen nun zur Entlastung des dortigen Hauses nach Osnabrück um. Die für 500 Menschen konzipierte Einrichtung hat nach Aussagen des Leiters Conrad Bramm in der vergangenen Nacht 888 Menschen Herberge geboten.

Das Osnabrücker Haus dient der Entlastung der drei bisherigen Erstaufnahmeeinrichtungen. Es soll nach Angaben des Innenministers aber auch die Kommunen entlasten, weil sich die derzeitigen kurzen Vorlaufzeiten für die Aufnahme von Flüchtlingen verlängern würden.

„Wir alle wissen, dass schwere Zeiten hinter Ihnen liegen“, begrüßte Pistorius die Flüchtlinge, „wir hoffen, dass gute Zeiten vor Ihnen liegen. Sie sind in Sicherheit.“ Pistorius, Griesert und Pannen setzten sich im Speisesaal an den Tisch einer syrischen Familie mit sieben Töchtern zwischen anderthalb und 16 Jahren.

Ehrenamtlicher Helfer

Das Lächeln der Kinder, die sich mit „danke schön“ und „Tschüss“ verabschiedeten, machten ihm die letzten Tage des Jahres noch etwas reicher, meinte der Oberbürgermeister. „Diese Mädchen, die lernen und studieren wollen, bereichern unser Land“, schloss Pannen an. Ihnen Schutz und Sicherheit zu bieten sei eine ureigenste Aufgabe der Kirche, unterstrich der Superintendent.

Sein Dank galt allen Mitarbeitern der Diakonie, die Überstunden machten und Urlaube verschoben hätten , um sich für das Flüchtlingshaus zu engagieren. 25 fest angestellte Kräfte wurden am Montag von 30 Ehrenamtlichen unterstützt, die die Neuankömmlinge auf ihre Zimmer brachten und das Haus vorstellten. 15 Freiwillige hatten am Wochenende die Sachspenden sortiert und eine Kleiderkammer angelegt. Neue Kleiderspenden können erst im kommenden Jahr angenommen werden.

Die Diakonie freut sich über die große Hilfsbereitschaft: Pensionierte Ärzte wollen über die Feiertage die Sanitätsstation besetzen. Drei Studenten kamen am Montag spontan mit Süßigkeiten für die Kinder der Flüchtlinge.

Zu den neuen festen Kräften gehört Irina Immel, frühere Grundschullehrerin und Erzieherin in einer Landkreis-Kita, die selbst einen Migrationshintergrund hat. Sie habe sich sofort für den Kinderbereich beworben, sagte sie: „Das ist meine Stelle.“

Auch bei der Begleitung auf die Zimmer konnte die Diakonie einige muttersprachliche Mitarbeiter aufbieten. So auch für die kurdische Familie Dogan. Vater Selim, Mutter Süreya und die Söhne Enes (6), Özcan (3) und Yusuf. Zur Übermittlung des Alters seines Jüngsten an die Journalisten nutzte Selim Dogan ein Übersetzungsprogramm des Handys, das „Halbjahr“ anzeigte. Die Familie richtete sich in einem Zimmer mit vier Betten, einem Babybett und einem Badezimmer ein, das sie sich jetzt mit den Bewohnern des Nachbarzimmers teilen.

Die Diakonie hat inzwischen unter der 0800/ 4442224 ein Bürgertelefon geschaltet , an dem es Informationen über das Flüchtlingshaus gibt. Dort werden wie am Bürgertelefon auch weiterhin gerne Sach- und Zeitspenden hilfsbereiter Bürger angenommen.

Mit den Anliegern des ehemaligen Bundeswehrkrankenhauses werde die Diakonie Anfang kommenden Jahres das Gespräch suchen, sagte Hinrich Haake. Der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Osnabrück hat zunächst die kommissarische Leitung des Hauses übernommen.


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