„Ich bin zu keinem klaren Gedanken fähig“ Osnabrücker seit 30 Jahren Udo-Jürgens-Fan



Osnabrück. „Ich bin zu keinem klaren Gedanken mehr fähig.“ Sebastian Heukamp ist auch einen Tag nach dem Tod von Udo Jürgens noch zutiefst erschüttert. Seit seinem neunten Lebensjahr, als sein Vater ihn zu seinem ersten Jürgens-Konzert mitnahm, ist Heukamp treuer Fan des am Sonntagnachmittag verstorbenen Sängers.

Seitdem hat er 170 Konzerte des gebürtigen Österreichers besucht, das letzte Ende November in Hamburg. „Er war so wahnsinnig präsent auf der Bühne, geistig so wach“, erinnert sich Heukamp, „sein Tod ist für mich unbegreifbar.“ Und noch etwas beschäftigt den Osnabrücker: „Wie ich gelesen habe, war ein guter Freund, mein Trauzeuge, dabei, als Udo auf seinem Spaziergang zusammengebrochen ist.“ Die Rede ist von Jürgens’ langjährigem Assistenten und Chauffeur Billy Todzo (63) , von dem die Schweizer Zeitung „Blick“ behauptet, er habe Udo Jürgens am Sonntag auf seinem Spaziergang in Gottlieben am Bodensee begleitet, als der Sänger urplötzlich zusammenbrach. „Ich habe schon versucht, meinen Freund zu erreichen, es muss für ihn eine furchtbare Situation sein. Ich bin in Gedanken bei ihm“, fühlt Heukamp mit seinem Bekannten, den nach seinen Worten ein freundschaftliches Verhältnis mit Udo Jürgens verband.

Heukamps Interesse für den Sänger, der 1966 den Grand Prix d’Eurovision gewann, führte ihn schon als Schüler in die Nähe des Stars. „Wir haben Udo Jürgens 1991 für die Schülerzeitung des Ratsgymnasiums interviewt“, erinnert er sich. Zwar sei das Interview seinerzeit bei den Schülerkollegen nur auf begrenzten Beifall gestoßen und habe einige erboste Leserbriefe nach sich gezogen, der Termin habe aber zum ersten persönlichen Kontakt zu dem Sänger geführt. „Wir gehen gleich noch ins Jodocus zum Essen. Wollt ihr nicht mitkommen?“, habe Jürgens ihn und seinen Mitschüler nach dem Gespräch gefragt. Da habe er nicht Nein sagen können und so einen unterhaltsamen Abend mit dem Schlagerstar verlebt. Und wenn man so viele Konzerte besucht wie Heukamp, dann bleiben persönliche Kontakte ohnehin nicht aus. „Wir haben öfter im selben Hotel übernachtet. Da hat man sich dann am Abend auch schon mal an der Hotelbar getroffen“, schildert er die persönlichen Begegnungen. Dabei sei es auch nicht nur beim oberflächlichen Geplauder geblieben. Es seien immer nette und entspannte Gespräche gewesen, in denen er den Menschen Udo Jürgens kennengelernt habe. Auch der Kontakt zu Billy Todzo sei so entstanden, der dann im Jahr 2006 bei Heukamps Trauung in Wien als Trauzeuge dabei gewesen sei. „Und nach der Trauung sind wir dann am Abend natürlich in einem Jürgens-Konzert gewesen“, erinnert sich Heukamp.

Udo Jürgens hat Eindruck gemacht. Nicht nur auf die vielen Frauen, die in seinem Leben nicht nur an seiner Stimme hingen. Wer auch immer in Osnabrück mit dem Entertainer zu tun hatte, berichtet Positives. Vor allem der hohe Grad an Professionalität ist es demnach, der den Sänger auszeichnet. „Wir haben hier viele B- und C-Acts kennengelernt, die sich aufführten wie Weltstars“, sagt Rüdiger Kuhlmann, Mitarbeiter der Osnabrücker Stadthalle. Das sei bei Udo Jürgens komplett anders gewesen. „Jürgens war immer sehr zuvorkommend und völlig unkompliziert“, erinnert sich Kuhlmann.

Jürgens hat in Osnabrück viele Spuren hinterlassen. „Kein Promi war so oft auf unseren Pressebällen zu Gast wie Udo Jürgens“, erinnert sich Jürgen Bitter, ehemaliger Sportchef der Neuen Osnabrücker Zeitung und gemeinsam mit dem Kollegen Siegfrid Sachse über Jahre Cheforganisator der Osnabrücker Pressebälle. „Viermal war Jürgens eingeladen, und jedes Mal war das sehr unkompliziert“, so Bitter. Der Sänger habe immer seine Pepe-Lienhard-Band dabeigehabt, die auch rund um die Auftritte des Stars für die musikalische Unterhaltung des Publikums sorgte.

Starallüren seien dem Mann, dessen weißer Bademantel Kult war, völlig fremd gewesen. Eigentlich habe es nur drei Standards gegeben, auf denen der Künstler bestanden habe: einen Flügel der Marke Schimmel, der aber nicht zwangsläufig habe gläsern sein müssen, zwei Flaschen trockenen Weißwein in der Garderobe und stets frischen Kamillentee auf der Bühne. „Der Mann war durch und durch professionell“, erinnert sich Bitter, der auch noch gute Erinnerung an die Runden nach den Auftritten im Backstagebereich der Stadthalle hat. Wie lange er denn noch auf der Bühne stehen wolle, habe er Jürgens einmal gefragt. Die Antwort war klar, deutlich und nicht frei von einer guten Portion Ironie: „Solange die Stimme hält, und die ist das, was bei einem Mann zuletzt erlahmt.“

Udo Jürgens und Pepe Lienhard, der Chef seiner Begleitband, seien ein perfekt eingespieltes Team gewesen. „Da hat der Soundcheck nur kurze Zeit gedauert, dann war alles passend“, sagt Bitter. Zudem seien beide mit einer recht guten Kondition ausgestattet gewesen, kann sich der ehemalige NOZ-Sportchef erinnern. Während Jürgens den Abend – oder besser die Nacht – gerne in der Ranch bei einem guten Essen ausklingen ließ, habe Pepe Lienhard ebenso gerne bis in den frühen Morgen beim Skat in der Stadthalle gesessen. „Das konnte dann auch schon mal sechs Uhr werden.“


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