Reise in die Welt der Hautevolee Dennis Gastmann las in der Lagerhalle



Osnabrück. Wie ist die Welt der Reichen? Lustig und skurril, wie die Lesung von Dennis Gastmann in der Lagerhalle gezeigt hat. Der in Osnabrück geborene und preisgekrönte Journalist stellte sein Buch „Geschlossene Gesellschaft“ vor.

Die Zunge gegen den unteren Gaumen gedrückt, der Mund leicht geöffnet. Dennis Gastmann führt den perfekten Gesichtsausdruck fürs Foto vor. Eigentlich perfekt. Denn im Publikum löst die leicht verkrampfte Maske lautes Gekicher aus. „Das sieht jetzt blöd aus“, gibt er zu. Doch für Fotos, versichert er, sei das Gesicht ideal.

Währenddessen schaut von der Leinwand hinter ihm TK ins Publikum, ein blondierter Riese mit breitem Grinsen, der auf dem kleinen Finger seiner geballten Faust einen goldenen Totenkopfring zur Schau stellt. Ein Großkotz in triumphierender Pose. Und eine der Figuren im Reichtumsbericht „Geschlossene Gesellschaft“.

Gastmann hat sich in die Welt der Menschen mit Geld begeben. Mit viel Geld. Bauunternehmer TK hat er auf einer Aids-Gala im Marbella-Club kennengelernt. Dazu kommen in seinem Buch viele weitere Superreiche. Rolf Sachs , Sohn von Gunter Sachs. Schraubenkönig Reinhold Würth . Playboy Rolf Eden .

Bei seiner Reise in die Hautevolee ist der 36-Jährige dem Prinzip des Gonzo-Journalismus treu geblieben: mitten rein ins Geschehen. So macht er es immer.

Auf Lesereise inszeniert er sein gewitztes, sehr gut geschriebenes Buch als Multimediashow. Die Zuschauer düsen via Video mit eine eisige Bobbahn hinunter, sehen Fotografien und, auch das darf sein, ein paar Wiederholungen aus der Serie „Mit 80000 Fragen um die Welt“. Es ist immer lustig, wie Dennis Gastmann im Bollywood-Studio an seinem Text auf Hindi scheitert.

Mal in freier Rede, mal gelesen präsentiert er die Geschichten aus der High Society und beweist sein Unterhaltungstalent, wenn er Textilproduzent Wolfgang Grupp mit fletschenden Zähnen oder Reinhold Würth auf Schwäbisch sprechen lässt.

Dass die Lagerhalle ausverkauft ist, liegt freilich auch daran, dass der alljährliche Auftritt ein Heimspiel ist. Ein nicht geringer Teil des Publikums besteht aus Verwandten und alten Schulkameraden. Doch ob verwandt oder nicht, unterhalten fühlen sich den Reaktionen nach zu urteilen alle.

Dass er nicht nur lustig kann, zeigt Dennis Gastmann, als er eine Passage über seinen indischen Guru vorliest. Die Armen seien manchmal glücklicher, weil sie Hoffnungen und Träume hätten, sagt der.

Und wie Dennis Gastmann das mit sanfter, feiner Stimme vorliest, ist es ganz still im Publikum. So eine Botschaft, kurz vor Weihnachten, das passt doch.


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