Weihnachtsoratorium im Dom Clemens Breitschaft dirigiert – Konzept geht auf



Osnabrück. Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium ist im Dom bislang eine Seltenheit. Am Samstag dirigierte Clemens Breitschaft alle sechs Kantaten, sämtliche Chöre des Doms waren mit eingespannt.

Die Kantaten eins bis drei haben der Osnabrücker Jugendchor , der Domchor sowie Knabenchor und Mädchenkantorei bereits am Nachmittag gesungen. Am Abend ist der Jugendchor alleine dran mit den Teilen vier bis sechs aus Bachs Weihnachtsoratorium. Los geht’s also mit „Fallt mit Danken“. Und schon bei dieser ersten Textzeile wird klar, wie deutlich der Chor deklamiert.

Es spielt das Kourion-Orchester aus Münster, mit modernen Instrumenten. Das klingt fast etwas konservativ, so sehr ist der „historische“ Klang inzwischen zum Standard geworden. Auch die eher gemäßigten Tempi tragen zu diesem Eindruck bei. Doch siehe da, wie stimmig und organisch wirkt das alles! Beim Tempo gibt es zudem Ausreißer, der „Ehre“-Chor aus der fünften Kantate etwa gerät rasant, und auch die Choräle sind nicht alle ausgesprochen ruhig genommen.

Und was das Orchester angeht, so artikuliert es sehr fein und dem barocken Stil angemessen, und darauf kommt es doch letztlich an. Der Kontrabass klingt in manchen Arien vielleicht etwas dick, besser wirkt er da, wo er wie in der Echo-Arie der vierten Kantate nur zupft.

Und auf der anderen Seite kann man Bläser genießen, die eben in der Ansprache und Intonation unproblematischer sind als ihre historischen Vorläufer. Das macht sich vor allem natürlich in der sechsten Kantate bezahlt, in der die Trompeten wieder hinzutreten (das Ensemble Embrassy), ihren Part absolut makellos und scheinbar ohne Mühe spielen und dabei prachtvoll strahlen.

Alle vier Solisten gestalten musikalisch überzeugend und transportieren den Text ausgesprochen klar, auch die gebürtige Irin Sharon Carty, die den Alt-Part übernimmt und durch ihre sanfte Stimme und die schlichte Gestaltung auffällt.

Etwas sorgen muss man sich um den jungen Tenor Michael Mogl. Er ist vermutlich etwas abgesungen oder heiser, scheint jedenfalls nicht in Topform und kämpft mit den Höhen. Letztlich geht er aber mit diesen Schwierigkeiten gut um, und im Grunde ist seine Stimme jugendlich leicht, hell und sehr angenehm.

Auch die Sopranistin Stephanie Henke und der Bass Florian Rosskopp (eigentlich ein Bariton) machen Eindruck, und alle Solisten passen auch im Ensemble gut zusammen und harmonieren zudem auch mit den vielen Instrumentalsolisten.

Dass der Osnabrücker Jugendchor ein gestaltungsfreudiges Ensemble ist, mag ein alter Hut sein, doch man spürt es hier aufs Neue. Zupackend etwa „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“: Man lauscht in den Nachhall – ein toller Klang.

Dann der Choral „Ich steh an deiner Krippen“, der besonders innig musiziert wird. Gerade an solchen Stellen geht Clemens Breitschafts Konzept voll auf.


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