Bürger verärgert Kahlschlag entlang der A 33 in Voxtrup



Osnabrück. Mit Schrecken und Verärgerung haben Bürger in Voxtrup die Baumfällarbeiten an der Autobahn 33 beobachtet. Entlang des Lärmschutzwalls wurde der üppig bewachsene Grünstreifen ausgedünnt. Bis auf vereinzelte Bäume ist es dort jetzt kahl.

„War das nötig?“, fragt Anwohner Heinz Stallkamp, der jeden Morgen mit seinem Hund am Wall spazieren geht. In einer „Hau-Ruck-Aktion“ sei das Grün entlang der Lärmschutzwand entfernt worden – darunter einige große Bäume, die an dieser Stelle schon seit vielen Jahren fest verwurzelt standen. „Darin haben viele Vögel genistet“, erklärt Stallkamp.

Zudem habe das dichte Grün das nahe gelegene Neubaugebiet vor Lärm und Schmutz von der Autobahn bewahrt. „Die Anwohner gucken jetzt direkt auf die Betonwand“, so Heinz Stallkamp, der als alteingesessener Voxtruper schon mit vielen Nachbarn über die Fällarbeiten gesprochen hat. Eine Erklärung, warum dieser radikale Schnitt notwendig war, habe niemand von ihnen bekommen.

Bäume eine Gefahr bei Sturm

„Die fehlende Kommunikation und das Unwissen über Zuständigkeiten sind häufige Probleme“, weiß Gerhard Mäscher, Naturschutzbeauftragter der Stadt Osnabrück, aus seiner Erfahrung. Während er als privater Waldbesitzer beispielsweise nicht dafür hafte, wenn einem Spaziergänger auf seinem Gelände etwas passiere, bestehe im öffentlichen Raum eine Verkehrssicherungspflicht.

Diese führt auch Cord Lüesse von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr zur Begründung an: „Entlang der A33 in Voxtrup und übrigens auch entlang der A30 in Nahne mussten Gehölze, die in den vergangenen Jahren zu groß geworden waren, gekappt werden.“ Durch vergreiste Bäume und totes Geäst bestehe sonst bei Sturm eine Gefahr für den Straßenverkehr, erklärt der Leiter des Regionalen Geschäftsbereichs Osnabrück.

Lärmschutzwand wird überprüft

Dieses Argument lässt Bürger Stallkamp nicht gelten: „Wenn auf dem Wall ein Baum einknickt, fällt er doch nach unten in den Graben und nicht auf die Straße.“ Allein an den Unterführungen für die kreuzenden Straßen mache eine solche Überprüfung der Bäume auf totes Holz Sinn.

„Das Beschneiden bis runter auf den Stock sieht für die Bürger zunächst einmal komisch aus“, räumt Behördenchef Lüesse ein , den immer wieder solche Beschwerden erreichen. Diese Grünpflegearbeiten von Oktober bis Februar dienten aber nur dazu, dass die Pflanzen im Frühjahr wieder dichter und mit frischer Vitalität austreiben.

Das großräumige Zurückschneiden von Bäumen und Sträuchern an den Autobahnen 33 und 30 sei zudem notwendig gewesen, weil 2015 eine Bauwerksprüfung für die Lärmschutzwände angesetzt sei. „Die Prüfer müssen die gesamte Wand auf Mängel untersuchen und dabei alle Stellen gut erreichen können.“ Alle sechs Jahre sei eine solche Untersuchung laut Gesetz vorgeschrieben.

Ratsherr hört „Scheinargumente“

Ratsmitglied Wulf-Siegmar Mierke von der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) nennt diese Begründungen „Scheinargumente“. An die Lärmschutzwände komme man auch gut heran, ohne jahrzehntealte Bäume zu fällen. Zum Schutz von Mensch und Natur solle man die Autobahnmeistereien dazu anhalten, in Zukunft behutsamer vorzugehen und „Rodungsarbeiten“ wie diese zu unterlassen. Im Stadtrat wolle er dieses Thema im Zuge der Regelungen zum Baumschutz vorbringen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN