Bezug zum Wohnsitz Der Name Kip(pe) deutet auf Spitzen und Zipfel hin

Von Winfried Breidbach

Den Ursprüngen von Familiennamen unserer Leser ist Dr. Winfried Breidbach auf der Spur. Symbolfoto: dpaDen Ursprüngen von Familiennamen unserer Leser ist Dr. Winfried Breidbach auf der Spur. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Neue-OZ-Leser Ludwig Kip aus Osnabrück hat keine Erklärung zur Herkunft seines Familiennamens. Norbert Buhl aus Bissendorf interessiert sich für den Mädchennamen seiner Frau: Kipker. Rita Orfert aus Belm möchte gerne mehr über ihren Geburtsnamen Kipsieker erfahren.

Die etwa 250 Personen namens Kip leben überwiegend in Nordwestdeutschland (Zentrum: Kreis Grafschaft Bentheim). Kip ist Schreibvariante des erheblich häufigeren Namens Kipp, der etwa 5200 Namensträger aufweist. Auch Kipp ist deutlich ein nordwestdeutscher Name mit einem Zentrum im Landkreis Steinfurt. Die Namen Kipp und Kip gibt es auch in den Niederlanden (zusammen etwa 1700 Namensträger). Aus der Namengeografie ergibt sich, dass der Name Kip(p) im niederdeutschen und im niederländischen Sprachgebiet entstand.

In den meisten Fällen wird das Wort Kipp zugrunde liegen, das bereits im Mittelalter aus dem lateinischen Wort cippus entlehnt wurde. Aus den lateinischen Bedeutungen „Spitzpfahl, Pfahl, Grenzstein“ entwickelten sich regionale Wortbedeutungen, die sich vor allem auf spitze Gegenstände bezogen oder auf Objekte, die sich in einer End- oder Randlage befanden. Niederdeutsch Kipp und hochdeutsch Kipp und Kipf benannten verschiedene Dinge wie spitz auslaufende Kapuzen, an den Enden spitze Brote („Kipfel“), Baumwipfel, Berggipfel.

Sehr häufig ist Kipp, Kip, Kippe als Flurname nachzuweisen. Fluren namens Kipp zeichnen sich vor allem durch eine Rand- oder Endlage aus, auch die zipflig auslaufende Form konnte zu diesem Namen führen. Mehrfach erscheint das Wort Kipp auch gleichbedeutend mit „Hügel, Bodenerhebung, hoch gelegener Acker“.

Die heutigen Familiennamen Kip(p) und Kippe sind aus dreigliedrigen Wohnstättennamen verkürzt. Dieser Namentyp ist belegt durch 1498 „Gert up den Kippe“ (Bocholt). Der durch „Joannes Bernardus te Kippe“ 1743 in Bocholt bezeugte Name existiert heute noch in der Form Tekippe.

Im Namen Kipker (260 Personen) liegt einer der nordwestdeutschen Wohnstättennamen vor, die mit der Silbe -ker gebildet wurden. So wie Feldker den Wohnsitz am Feld und Sandker den Wohnsitz am Sand bezeichneten, wurde der Kipker nach seiner Wohnstätte an der Flur („Kipp“) benannt.

Der seltene, fast nur in und um Osnabrück vorkommende Name Kipsieker geht als Wohnstättenname von einer Stelle namens „Kipsiek“ aus, deren Name aus „Kip“ und „Siek“ (Tümpel, Wasserlauf) zusammengesetzt ist. Aufgrund des Namenzentrums von Kipsieker in Bissendorf ist eine Örtlichkeit dieses Namens am ehesten dort zu vermuten.


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