Prozess in Landshut Wird Osnabrücker Frauenarzt durch Blutspuren überführt?

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Neue Erkenntnisse zu Blutspuren am Tatort und an Kleidungsstücken könnten zu entscheidenden Indizien im Totschlagprozess gegen einen Osnabrücker Frauenarzt werden. Foto: Colourbox.deNeue Erkenntnisse zu Blutspuren am Tatort und an Kleidungsstücken könnten zu entscheidenden Indizien im Totschlagprozess gegen einen Osnabrücker Frauenarzt werden. Foto: Colourbox.de

temp Osnabrück/Landshut. „Blut ist ein ganz besonderer Saft.“ Das ist kein Satz, der im Totschlagprozess gegen den Osnabrücker Frauenarzt gefallen wäre. Doch die berühmten Worte, die Goethe den Mephistopheles zum Doktor Faust sagen lässt, passen gut zu dem, was am 15. Verhandlungstag am Landgericht Landshut im Mittelpunkt des Interesses stand.

Denn neue und verblüffende Erkenntnisse zu Blutspuren am Tatort und an Kleidungsstücken könnten zu entscheidenden Indizien in diesem äußerst komplizierten Fall werden.

Schon am dritten Prozesstag hatte der Münchner Blutspuren-Spezialist Martin Schulz erklärt, es gebe deutliche Hinweise darauf, dass das Bad in dem Erdinger Reihenhaus, in dem am 4. Dezember 2013 die Ehefrau des Angeklagten umgebracht worden war, vor der Alarmierung der Polizei von Blutspuren gereinigt wurde. Seit Freitag ist das keine graue Theorie mehr, sondern darf als Tatsache betrachtet werden.

Beautycase spricht Bände

Der Nachweis gelang einem Sachverständigen des Landeskriminalamts (LKA), der zwei Fotos verglichen hat. Das erste wurde am Abend des 4. Dezember vom Kriminaldauerdienst gemacht, das zweite zwei Tage später von Spurensicherern der Kripo Erding. Auf beiden Aufnahmen sieht man in einer Ecke des Bades ein Beautycase. Mit einer Überlagerung der Fotos ließ sich beweisen, dass das Köfferchen zwischen den zwei Aufnahmen keinen Millimeter bewegt worden war.

Der Blutspuren-Experte Schulz hat jedoch auf dem Fliesenboden genau unter dem Beautycase einen Fleck weggeputzten Bluts des Opfers gefunden. Somit steht nun fest: Das Bad war von Blutspuren gereinigt worden, bevor ein Nachbar, ein Notarzt, mehrere Rettungssanitäter und Polizeibeamte die Leiche im Bad zu sehen bekamen. Deswegen glaubten auch zunächst alle, die Frau sei durch einen unglücklichen Sturz ums Leben gekommen.

Fleck im Bad übersehen

Tatsächlich war diese Annahme völlig falsch. Die Ehefrau des Angeklagten war erst mehrere Minuten lang mit Dutzenden Faustschlägen malträtiert und schließlich erwürgt und erstickt worden. Noch sichtbare Spritzer ihres Blutes fanden sich am Tatort nur an einer einzigen, versteckten Stelle: an der Unterseite des Unterschrankes unter dem Waschbecken. Wer auch immer nach der Tat das Bad putzte, hat sie offenbar übersehen.

Aussage „nicht plausibel“

Schwer wiegt auch ein zweites Indiz, das ebenfalls mit Blutspuren zu tun hat. An den Lederhandschuhen des Angeklagten fand sich innen und außen Blut des Opfers. Der Osnabrücker hat das so erklärt: Er habe am Abend des Tattags zunächst mit bloßen Händen die Leiche seiner Frau berührt und später einen blutbefleckten Badteppich. Dann habe er aus Unbehagen seine Lederhandschuhe angezogen, um die Badematten einzurollen und in die Waschküche zu bringen. Die Handschuhe hätten bis dahin in den Taschen seiner Jacke gesteckt.

Blutspuren-Experte Schulz hat – was bislang unterblieben war – nun auch die Jacke des Angeklagten unter die Lupe genommen. Dabei fand er zwar kleinste Spuren Blut an ihr, aber ausgerechnet keine in und an den Jackentaschen. Das sei „nicht plausibel“, wenn der Angeklagte, wie er selbst angegeben hat, mit blutigen Fingern die Handschuhe aus den Jackentaschen herausgenommen haben will.

Die Verteidiger führten zwar an, es könne doch sein, dass ihr Mandant seine Handschuhe mit spitzen Fingern angefasst habe und deshalb kein Blut übertragen wurde. Die Vorsitzende Richterin konterte jedoch umgehend und stellte fest: „So hat er das aber nicht gesagt.“

Fortsetzung am 8. Januar

Die Handschuhe des Angeklagten fand die Kripo erst vier Tage nach der Tat in der Garage auf einem grünen Sack. Der Angeklagte hatte dazu angegeben, er habe die Handschuhe, nachdem er die blutverschmierten Badematten in die Waschmaschine gesteckt hatte, gewohnheitsgemäß dorthin gebracht. Wobei er, mehr oder weniger nebenbei, auch sein Fahrrad angefasst habe. An dessen Lenker wurden gleichsam Blutspuren festgestellt.

Der Prozess wird am 8. Januar fortgesetzt. Ein Psychologe und ein Psychiater werden dann ihre Gutachten zur Persönlichkeit des Angeklagten vortragen.


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