Breitband-Internet im Nieselregen In Schinkel-Ost steht der ungefähr 150. Kabelverteiler

Außen grau, innen Hightech: So sieht „E15683“ von innen aus. Manfred Burfeind ist Projektleiter der EWE für den laufenden Breitbandausbau in Osnabrück. Foto: Elvira PartonAußen grau, innen Hightech: So sieht „E15683“ von innen aus. Manfred Burfeind ist Projektleiter der EWE für den laufenden Breitbandausbau in Osnabrück. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Da steht er, der „E15683“, gegenüber einer Eckkneipe an der Thomasburgstraße in Schinkel-Ost: Solide konstruiert, gerade ausgerichtet, in schlichtem Verteilerkastengrau. Außen verheißt ein Werbeplakat von Osnatel schnelles Internet, innen werkelt Hightech.

Für rund 20 Minuten ist „E15683“ mehr als nur irgendeiner unter vielen Verteilerkästen in Osnabrück. Er ist der Star eines Pressetermins, umringt von Menschen im Nieselregen, gekürt zum 150. Kabelverzweiger des voranschreitenden Breitbandausbaus in der Hasestadt.

Hier wird die Werbetrommel gerührt: Gemeinsam schaffen Stadtwerke und Osnatel/EWE seit Anfang 2012 die Voraussetzungen für eine „Breitband-Versorgung“ im Stadtgebiet. Bis Mitte 2015 sollen dazu zwischen 20 und 25 Kilometer Glasfaserkabel weite Teile des Stadtgebietes erschließen und Geschwindigkeiten bis zu 100 MBits/s ermöglichen.

Ob es aber wirklich der 150. Kabelverzweiger ist? Ganz sicher ist sich da auch Carsten Höfinghoff von EWE nicht. Genau genommen hat er sogar Zweifel daran. Schließlich schreitet der Ausbau zügig voran, Termine wie der am „E15683“ wollen organisiert sein, die Beteiligten von Stadt, Stadtwerken, Osnatel und EWE müssen Zeit haben. Und einer der grauen Kästen ist ja so gut wie jeder anderer. Sicher ist: Inzwischen sind bereits mehr als 150 dieser speziellen Kabelverzweiger, sogenannter DSLAMs, im Osnabrücker Stadtgebiet installiert.

DSLAMs? Was sich anhört wie eine vokalarme Abkürzung für den tansanischen Regierungssitz steht für „Digital Subscriber Line Access Multiplexer“. Hier wird das neue, schnelle Glasfasernetz für die letzen Meter in die Häuser auf das schon vorhandene Kupfernetz der Telekom aufgeschaltet. Schon deshalb stehen die neuen Kästen meist in der Nähe der deutlich älteren Kabelverzweigern der Telekom und nutzt deren vorhandene Kupferinfrastruktur für die Hausanschlüsse.

Warum überhaupt Glasfaser? Weil die mögliche Übertragungsgeschwindigkeit bei Kupferleitungen mit jedem Meter abnimmt. Ab einer Länge von rund fünf Kilometern wird es dann eng für das Breitband-Internet. Inzwischen können rund 23.000 Wohneinheiten vom schnellen Internet profitieren, bis Mitte 2015 sollen es dann 45.00O Wohneinheiten ein.

Stadtbaurat Frank Otte wiederholt derweil trotz Nieselregens geduldig seine Botschaft leicht variiert vor den verschiedenen Mikrophonen und Kameras: Schnelles Internet sei wichtig für den Wirtschaftsstandort, nicht nur für die Großen Firmen, sondern auch für Handwerksbetriebe. Und für die Bevölkerung, für die Lebensqualität in der Hasestadt. Das Grau der Kästen finde er allerdings etwas trist: „Wenn wir die dann in einem zweiten Schritt auch noch schön kriegen…“

Wie das aussehen könnte? Schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite schmiegt sich ein betagter Verwandter von „E15683“ an eine Hauswand, leicht schief, ziemlich verwittert, von grünen Flechten überzogen. Der fällt eigentlich gar nicht auf.

Inzwischen geht der Ausbau weiter. Derzeit werden die Schutzrohe für die Glasfaserkabel im Stadtteil Westerberg verlegt. Vermarktet wird die schnelle Internet-Anbindung von Osnatel. Theoretisch haben aber auch andere Anbieter die Möglichkeit, auf das neu geschaffene Breitbandnetz zurück zu greifen. Mit einigen von ihnen hat EWE bereits entsprechende Verträge geschlossen.

Aber nicht mit allen: Die Telekom sehe „aus unternehmensinternen Gründen“ bis 2015 keine Möglichkeit, die von EWE eingerichteten VDSL-Breitbandanschlüsse weiter zu vermarkten, erklärt Carsten Höfinghoff.

Sein Bedauern hält sich in Grenzen: „Natürlich stehen wir als Anbieter von breitbandigen Diensten für diese Kunden mit unseren VDSL- und DSL-Produkten zur Verfügung.“ Dazu sei allerdings ein Wechsel zu EWE nötig.


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