„What’s New“ im Kunstquartier Neue BBK-Mitglieder zeigen ihre Werke


Osnabrück. Kurz vor Weihnachten stellt der Osnabrücker Bund Bildender Künstler (BBK) in seinem Kunstquartier neue Mitglieder vor. Unter dem Motto „What’s New“ zeigen die Neuzugänge zur Künstlervereinigung aktuelle oder für ihr Werk typische Arbeiten.

„Wir haben mit einem Zitat des niederländischen Schriftstellers Cees Nooteboom gestartet“, erzählt Hanna von Behr, die für die Ausstellung eine Gemeinschaftsarbeit mit der Kollegin Katja Staats anfertigte. Das Zitat Nootebooms, in dem es um die Entfremdung des Menschen, um ein Leben in Bewegung und die Flucht vor sich selbst geht, ist unter der zweiteiligen Fotocollage zu lesen. Die Bilder selbst haben etwas Surrealistisches: eine Rutsche ins Meer, Uhren, eine Art Treppe ins Unendliche und in einem chinesischen Raum das Schild „Letzte Bratwurst vor Amerika“.

„Ich und das Andere“ lautet der Titel der Ausstellung, und es zeigt sich, dass er passend gewählt ist. Denn nicht nur von Behr und Staats betreiben eine Auseinandersetzung mit sich selbst und einem Gegenüber, auch die anderen Ausstellungsteilnehmer konfrontieren sich mit ihren künstlerischen Positionen nach innen und außen.

Darf ein Mann Fotos von gequälten Frauen als Vorlage für seine Kunst benutzten? Diese Frage stellt sich bei der Betrachtung des Werks „Vier Frauen“ von Jürgen Wendt. Die Antwort ist „ja“, denn er öffnet die Augen für eine Realität, die den meisten Menschen verborgen bleibt.

Opfer männlicher Gewalt zeigt er in unterschiedlicher Manier – mit unterschiedlichem Effekt. Während dieselben Motive als Radierung radikal erscheinen, wirken sie als farbige Linolschnitte plakativer, harmloser, aber nicht weniger intensiv. Henning Heigl, Kunsterzieher im Ruhestand, betätigt sich als Kunstverwerter. Schülerarbeiten, die er im Laufe seiner Lehrertätigkeit sammelte, und eigene Bilder, die er als Kind und Jugendlicher malte, collagiert er jetzt zu neuen Arbeiten. So viertelt er diverse Selbstporträts von sich selbst und puzzelt sie wieder zusammen, verfremdet durch Schmetterlinge und Blumenblüten, die sein Großvater malte.

So geraten die Bilder zu einer Art Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben, eine Retrospektive durch Kunst. „Ich war schon einmal Mitglied des BBK, bin aber ausgetreten, als ich angefangen habe, als Lehrer zu arbeiten“, erzählt Heigl. Jetzt, nach seiner Pensionierung, hat er wieder Zeit, künstlerisch tätig zu sein, daher sei es nahe- liegend gewesen, wieder dem Künstlerbund beizutreten.

Lupenreiner BBK-Novize ist dagegen der Fotokünstler Ragnar Gischas. Sein bevorzugtes Motiv ist die Frau, die er als Porträt oder als Akt verewigt. Es sind selbstbewusste Frauen, die sich von Gischas ablichten lassen, tätowiert, grell geschminkt, in bizarren Surroundings. Die Models sucht er sich in der Regel nicht, sie kommen zu ihm, um sich porträtieren zu lassen. Er agiert dementsprechend nicht als Regisseur der Fotosession, sondern eher als Zeuge einer Selbstinszenierung.

Osnabrück, BBK Kunst-Quartier (Bierstraße 33): „What’s New – Ich und das Andere“. Ausstellung mit Arbeiten von neu aufgenommenen Mitgliedern des BBK: Hanna von Behr, Katja Staats, Ragnar Gischas, Jürgen Wendt und Henning Heigl. Vom heutigen Freitag (Eröffnung um 19 Uhr) bis zum 7. Januar, Di. – Fr. 14–18 Uhr, Sa. 11–15 Uhr.


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