Nachhaltiger Technikkonsum Osnabrücker erforschen Folgen des digitalen Lebens

Von Katrin Jäger

Computer, Smartphones und andere digitale Medien sind  allgegenwärtig. Wie massiv sie uns und die Umwelt beeinflussen, soll die Uni Osnabrück herausfinden. Foto: Colourbox.deComputer, Smartphones und andere digitale Medien sind allgegenwärtig. Wie massiv sie uns und die Umwelt beeinflussen, soll die Uni Osnabrück herausfinden. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Die einen verfluchen sie, die anderen verfallen ihr – niemand entgeht ihr. Die digitale Welt ist allgegenwärtig, beeinflusst uns und unsere Umwelt massiv. Die Universität Osnabrück startet jetzt ein Forschungsprojekt, das sich genau mit dieser Problematik beschäftigt.

Finanziert wird es von der Volkswagen-Stiftung und dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur. 1,77 Millionen Euro stehen den Forschern zur Verfügung, um sich mehr als drei Jahre lang mit dem nachhaltigen Konsum von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) zu befassen.

Heute geschenkt, morgen Elektroschrott

Projektleiter Frank Teuteberg vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften kennt die beeindruckenden Zahlen, die den enormen Einfluss der IKT belegen. Nach Erhebungen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bekamen 2012 mehr als 62 Millionen Deutsche ein Handy, Smartphone, Tablet oder anderes digitales Medium zu Weihnachten. Und so wird es auch in diesem Jahr sein. Das Fatale: Die Halbwertzeit der technischen Präsente ist mittlerweile nahe an der eines Christstollens.

Nach wenigen Monaten scheinen sie den Besitzern meist schon uralt. Und das hat gravierende Folgen. Denn laut Teuteberg wird die Hälfte aller ausgemusterten Geräte nicht recycelt. 40 Millionen Tonnen Elektroschrott landen so auf den Müllkippen dieser Erde. Und während ihrer kurzen Lebensdauer fressen Computer, Smartphones und Co. satte zehn Prozent unseres Stroms.

Raus aus dem Leuchtturm

Professor Teuteberg will jetzt die Unternehmen, Verbraucher, Bürger, Verbände und Gesetzgeber zusammenbringen.

„Wir verlassen unseren wissenschaftlichen Leuchtturm und betreten Neuland“, sagt der Experte für Wirtschaftsinformatik. „Wir wollen sensibilisieren und nicht gegen ökonomische Sachverhalte vorgehen. Wir wollen Lösungen entwickeln, von denen alle etwas haben.“ Und: „Wir sind der Meinung, das geht.“

39 Monate Zeit zum Forschen

Mit wir meint Frank Teuteberg Forscher unterschiedlicher Disziplinen und Universitäten. Zum Konsortium gehören außer ihm selbst Psychologie-Professor Karsten Müller und Sozialwissenschaftlerin Andrea Lenschow von der Universität Osnabrück. Außerdem sind Unternehmen, Netzwerkpartner und Verbände wie das iuk Unternehmensnetzwerk Osnabrück mit im Boot.

Das Forschungsprojekt, das drei Jahre und drei Monate lang läuft, will offen sein. Geplant sind Workshops, Bürgerforen, Kamingespräche und Vorlesungen. Denn die digitale Welt gehe jeden an, findet Teuteberg. „Sogar im Urlaub schauen Menschen alle sieben Minuten nach, ob auf ihrem Smartphone eine neue Nachricht eingegangen ist.“ Sie würden sich im Schnitt alle zweieinhalb Jahre ein neues Handy kaufen, und viele sich sogar rund um die Uhr von ihrem eigenen Telefon überwachen lassen, indem sie ihren Schlaf überprüfen oder Fitness-Apps anwenden.

Der pure Technikstress

„Technikstress“ ist ein Stichwort, das der Professor nennt. Und er weiß eine Zahl, die nachdenklich macht: „Um einen PC mit 17-Zoll-Bildschirm zu produzieren, braucht man 1,8 Tonnen Rohstoffe.“ Teuteberg fragt deshalb: „Muss das wirklich sein?“ Reparatur-Cafés, Auslagerung von Daten, nutzen statt besitzen sind einige der Punkte, die schon im Projektkonzept genannt werden.

Um Grundlagen für die Entwicklung weiterer Ideen und Konzepte zu schaffen, werden im Februar 2015 Analysen und Befragungen der Unternehmen und der Konsumenten durchgeführt, kündigt der Projektleiter an. Teuteberg sich natürlich selbst auch als Konsument von Informations- und Kommunikationstechnologie. Lachend gibt er zu: „Auch ich habe dem gesellschaftlichen Druck nachgegeben. Mein Smartphone ist erst drei Monate alt.“