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Bessere Hilfe gefordert No Lager: Osnabrück muss mehr für Flüchtlinge tun

Pressekonferenz von No Lager:  Wie willkommen sind Geflüchtete wirklich in Osnabrück? Foto: Hermann PentermannPressekonferenz von No Lager: Wie willkommen sind Geflüchtete wirklich in Osnabrück? Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Der Flüchtlingsunterstützerkreis No Lager begrüßt die zusätzliche Erstaufnahmeeinrichtung in Osnabrück, fordert die Stadt aber auf, darüber hinaus Geflüchteten langfristig eine angemessene und sichere Zuflucht zu bieten.

Während einer Pressekonferenz am Donnerstag sagte No Lager -Mitglied Hans Basedorf, die „echte Friedensstadt“ dürfe sich nicht ihrer Verantwortung entziehen. Der städtische Haushalt werde durch die Erstaufnahmeeinrichtung um drei bis vier Millionen Euro entlastet. Das verpflichte die Stadt, sich weiterhin für eine dezentrale Unterbringung von „geflüchteten/fliehenden Menschen“, mehr Sprachkurse, ein angemessenes Beratungs- und Unterstützungsangebot und eine schnellere Eingliederung in den Arbeitsmarkt einzusetzen.

Für die Ausgestaltung des neues Flüchtlingshauses in der früheren Klinik am Natruper Holz fordert No Lager „einheitliche und transparente Standards“. Angesichts der Erfahrungen in den anderen Erstaufnahmeeinrichtungen in Niedersachsen sei zu befürchten, dass die versprochenen Kurse und Eingewöhnungsangebote nicht im versprochenen Umfang stattfinden. Said Adams, der aus Eritrea flüchtete und die ersten zwei Monate in Bramsche-Hesepe zubrachte, lobte die medizinische Versorgung und das „gute Essen“ dort. Unzureichend seien aber die Betreuung, Beratung und die Anbindung an das Leben in Deutschland. Es herrsche große Langeweile. Er habe sich zeitweise „wie in einem Gefängnis“ gefühlt.

Andere Flüchtlinge kritisierten die Unterbringung in Osnabrück. Das Haus am Petersburger Wall beherberge 85 bis 90 Menschen in 27 Räumen. Teilweise müssten sich bis zu sechs Personen ein Zimmer teilen. Bis zu 25 Personen nutzten eine Küche, nur vier Duschen und drei Toiletten seien nutzbar. Die Stadt müsse die Geflüchteten bei der Suche nach geeignetem Wohnraum unterstützen. Wichtig sei, den jungen Männern einen leichteren Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen –“durch genaue Prüfung der Qualifikation, bessere Weiterbildungsmöglichkeiten, Reduzierung des bürokratischen und organisatorischen Aufwandes und Hilfe bei der Jobsuche“. Die Zahl der Sprachkurse sei zu gering. Etwa 300 Menschen stünden zur Zeit auf Wartenlisten. Die Kurse sollten allen geflüchteten Menschen offen stehen unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus.

In Osnabrück über 20 Abschiebungen verhindert

Wail Alen beklagte, dass vielen Asylsuchenden eine juristische Beratung fehle. Sie könnten sich von ihren monatlich 329 Euro keinen Anwalt leisten. Alen forderte deshalb kostenlose juristische Beratungsangebote. Die Ausländerbehörden sollten darauf achten, amtliche Schreiben in einer Sprache zu verfassen, die die Adressaten auch verstünden. Um den Flüchtlingen eine Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen, sollen sie nach Ansicht des Unterstützerkreises kostenlos Busfahrkarten oder zumindest verbilligte Monatstickets erhalten. Nur so sei es möglich, geflüchtete Menschen „in das Osnabrücker Stadtbild einzubinden“ und damit ein Zeichen zu setzen gegen „die pogromähnlichen Stimmungen in der gesamten BRD“ und als Ausdruck „der hier in Osnabrück hochgelobten Ankommens- und Willkommenskultur“.

No Lager bezeichnet sich selbst als eine „antirassistische Initiative von Geflüchteten und Unterstützern“, die sich seit zehn Jahren gegen „inhumane Flüchtlingspolitik‘“ und Abschiebungen engagiere. In Osnabrück haben No Lager-Mitglieder zusammen mit anderen Gruppen und Einzelpersonen über zwanzig Abschiebungen durch zivilen Ungehorsam verhindert .


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